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Einfach liebenswert, das

Okkervil River

München, Harry Klein
24.09.2003

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Okkervil River
Hary Klein heißt der Club auf dem Münchner Optimolgelände, in dem der legendäre Club 2 neuerdings jeden Mittwoch als Veranstalter firmiert. Der Laden ist ziemlich klein (daher auch der Name) und idealer Auftrittsort für diejenigen, die eben nicht zu den Großen gehören. Auf Okkervil River aus Austin, Texas, trifft dieses Kriterium auf jeden Fall zu. Ob sich das in näherer Zukunft ändert, wird der Verlauf ihrer ersten Europatournee zeigen, die sie heute Abend hier starten.
Dass das Venue mitten unter der Woche gut gefüllt ist, kann man zumindest als gutes Omen deuten. Die üblichen Verdächtigen sind gekommen und noch eine ganze Menge mehr; ein ziemlich gemischtes aber auch deutlich erwachsenes Publikum. Als das Trio samt Tourschlagzeuger die Bühne betritt, kehrt erwartungsvolle Stille ein - von dieser Seite ist zumindest keine Enttäuschung zu erwarten. Was folgt ist ein repräsentativer Querschnitt des Materials der bisher drei Alben und auch obskureres von Split-EPs und Singles wird zum Vortrag gebracht. Die Songs sind eindeutig dem alternativen Country-Diskurs zuzuordnen, manchmal klingt es etwas nach Britpop gelegentlich auch nach Irish-Folk. Songstrukturen und Vortrag sind irgendwo zwischen Bright Eyes und Palace Music einzuordnen und alles ist wesentlich epischer und einfacher als auf Platte. Die drei jungen Musiker, die sich noch von der Highschool her kennen, wechseln sich an Akustikgitarre, Rhodes-Piano, Akkordeon, Mandoline und Bass ab und stimmen hier und da mehrstimmige Harmonien an.

Es ist eine wahre Freude, ihnen dabei zuzusehen. Nicht ob der Virtuosität des Vortrags - tatsächlich sind hier eher die Defizite der Combo verortet -, sondern wegen der unschuldigen Authentizität des Unroutinierten, die hier zum Vorschein kommt. Bei fast jedem der Stücke scheint einer der Agierenden zu denken "Das ist mein Lieblingssong" und wer grad nicht dran ist, singt eben abseits des Mikrofons mit. Und noch etwas fällt bei der Bühnenshow auf: Irgendwie desorientiert wirken die Protagonisten. Am Boden zusammengekauert wird da das Stimmgerät benutzt, als hätte es die Größe einer Briefmarke, die Setlist wird vom Boden aufgehoben und wenige Zentimeter vors Gesicht gehalten und wenn die Songs ihren musikalischen Höhepunkt erreichen, stürzen immer wieder Mirkofonständer, Instrumente und Interpreten von der zum Glück niedrigen Bühne.

Als dann nach dem Konzert Notwists Markus Acher mit seinem "Schege und Schuppi Soundsystem" auflegt, werden die Hintergründe dieser etwas seltsamen Performance klar. Nicht etwa auf Abusus sondern auf die Sehschwäche der Bandmitglieder, die nun Brillen tragen, sind die Ausfälle zurückzuführen. Auf das selbst gefährdende Veralten angesprochen bekommt man die lakonische Antwort: Wenn ich die Brille aufhabe, sehe ich die Leute und dann bekomme ich Angst. Einfach liebenswert, das.

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Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Dirk Ducar-


 
 

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