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Konzert-Bericht
 
Schmutziger Punk'n'Roll im Dreierpack

Peter Pan Speedrock
Chung/ The Rumblers

Wiesbaden, Schlachthof
28.09.2003
Chung
Zugegeben, er sieht schon recht heruntergekommen und abgerissen aus, der Schlachthof in Wiesbaden. Bunte, flächendeckende Graffiti zieren die Außenwände von Wiesbadens unabhängigem und seit 1994 bestehendem Jugendkulturzentrum. Einsam und verlassen steht er hinter dem Hauptbahnhof auf einem riesigen, still gelegten Werksgelände. Fehlen eigentlich nur noch die brennenden Mülltonnen und bedrohlich dampfende Gullydeckel, um das Ghetto-Flair zu vervollkommnen. Große sowie kleine Bands haben hier schon vor ausverkauftem Haus gezockt, die großen Acts in der gigantischen Halle, die kleineren Combos in der so genannten "Räucherkammer". So kam es also, dass schon Kapellen wie die Suicidal Tendencies, NOFX und die Donots im Wiesbadener Schlachthof ihre Auftritte hatten. An dem heutigen Sonntag lässt man es mit den drei Punk'n'Roll-Bands The Rumblers, Chung und Peter Pan Speedrock im kleinen Club jedoch vergleichsweise beschaulich angehen.
Doch an diesem Abend läuft leider nicht alles so glatt, wie man's gerne hätte. Der Sänger von Chung aus Bremen, Nick Neumann, verkündet, dass sie bis eben auf der Autobahn im Stau gesteckt haben, der Bus mit dem Equipment ließe zudem immer noch auf sich warten, da er noch nicht in Wiesbaden angekommen sei. Nach dieser kleinen Mitteilung wuselt Nick auch gleich wieder in den Backstage-Bereich, um nach dem Rechten zu sehen, wo denn seine Kollegen bleiben. Im Club fängt derweil schon mal die erste Band an, die Verstärker aufzudrehen und den Fuß volles Pfund aufs Gaspedal zu hauen. Die Rumblers machen ihre Sache gut und verstehen ihr Handwerk. Kompromisslose Härte gepaart mit kraftvollen Vocals und einem korpulenten Drummer, der unermüdlich wie der Duracell-Hase aus der Fernsehwerbung die Felle verdrischt. Es ist besonders der Schlagzeuger, der sich mit virtuosen Soli regelrecht in den Mittelpunkt prügelt und seine Bandkollegen etwas an die Wand spielt. Deshalb witzelt der Sänger von den Rumblers auch am Ende der Show mit einem Grinsen: "He's the best drummer - on this stage right now!"
Chung
Endlich haben auch Chung ihre Instrumente und das elektronische Zubehör pünktlich beisammen und dürfen sodann als zweite Band das Scheinwerferlicht im kleinen Club betreten. Mit im Gepäck haben die vier Bremer "The Demented Mentors Of Spazzwave", ihre brandneue Platte. Und genauso nennt die norddeutsche Formation in Eigendefinition das, was sie aus ihren Instrumenten zaubert: "Spazzwave". Sehr roh und recht schwer verdaulich sind die Stücke von Chung, die einer Mischung aus hartem Punk, Retro-Rock und schepperndem Indie-Noise gleich kommen. Hervorgegangen sind Chung aus der Vorgänger-Gruppe Party Diktator, die vor einiger Zeit schon recht fleißig die deutsche Club-Landschaft beackerte. Für den letzten Schliff im Klangkosmos sorgt der Tastenmann, der an seinem Keyboard-ähnlichen Effektgerät interessante Sound-Einsprengsel in die Live-Darbietungen flechtet. Ein entscheidender Aspekt, den die vorangegangenen Rumblers etwas vermissen ließen: Die nötige Originalität. Chung haben sich das Ziel gesetzt, den Sound einer "mit Bleikugeln gefüllten Waschmaschine" zu imitieren. Und ehrlich gesagt: Diese kleine Metapher aus dem Bandinfo bringt es schon sehr genau auf den Punkt, was die Besucher im Schlachthof heute musikalisch von den vier Nordlichtern kredenzt bekamen.

Als letzte Band des Abends dürfen anschließend Peter Pan Speedrock aus dem holländischen Eindhoven ran. Auch diese Band hat zehn Stunden Autobahnfahrt hinter sich, wie der Sänger einleitend beteuert. Es ist die mit Abstand brachialste von den drei Gruppen heute im Schlachthof. Die Gesangslinien sind nur noch als gewaltige Shouts zu bezeichnen. Unglaublich, was für ein Lärm von nur drei Männern (davon der Schlagzeuger ohne Hemd und mit tätowiertem Oberkörper) erzeugt werden kann. Eine Uptempo-Nummer jagt die nächste. Ganz gewiss kein Mainstream und auch nicht jedermanns Geschmack, wie man am Verhalten einiger Besucher ablesen kann: Hier und da begeben sich die Gäste auf den Parkplatz des Schlachthofs, um das Konzert von Peter Pan Speedrock nach gerade einmal 15 Minuten Spielzeit vorzeitig zu verlassen.

Surfempfehlung:
www.chungmusik.de
www.peterpanspeedrock.com
Text: -Christian Hoffmann-
Fotos: -Christian Hoffmann-

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