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Konzert-Bericht
 
Trio Infernale

Dimmu Borgir
Hypocrisy/ Norther

Köln, Live Music Hall
21.10.2003

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Das hier geschnürte Vorweihnachtspaket skandinavischen Edelmetalls kam offensichtlich an: Der Gig in der Live Music Hall war ausverkauft bis auf den letzten Platz und das letzte atembare Sauerstoffmolekül. Tatsächlich führte der Umstand, dass sich viele der Dimmu-Fans wohl relativ spät oder gar nicht um Tickets gekümmert hatten, zu bedauerlichen, wiewohl kurzweiligen Szenen in der manchmal Warteschlange vor der Halle: So als beispielsweise eine eintrittslos gebliebene Gang mit ihren Choppern entgegen der Einbahnstraße durch die Lichtstraße donnerte. Wer aber Einlass fand, der konnte sich über einen Metalabend der Extraklasse freuen.
Das ging mit Norther los, dem finnischen Fünfer, der so gar nicht wie eine "Vorgruppe" agierte und auch überhaupt nicht so ankam. Die Band um Gründungsmitglieder Toni Hallio und Petri Lindroos hat mit "Mirror Of Madness" ein starkes Album bei Spinefarm am Start, von dem in den zur Verfügung stehenden 45 Minuten reichlich unters schwarze Volk gefeuert wurde. Die Norther-Mixtur führt dabei traditionelle Powermetal-Riffs mit zentralem Keyboard-Fundament und einem dem Black Metal entlehntem Gesangsstil zusammen, was häufiger (angenehm) an Children Of Bodom und manchmal an Cradle Of Filth erinnert. Höhepunkt aus der härteren Kiste war sicherlich "Betrayed" vom aktuellen Album. Dass die Zutaten dabei recht variabel gehandhabt werden, bewies u.a. der Showstopper, bei dem es Norther schafften, aus dem alten Europe-Schmachtlappen "The Final Countdown" noch leidlich diabolisches Feuer zu schlagen - klasse.

Ohne Altmeister Peter Tägtgren und sein Hauptprojekt neben Pain - Hypocrisy - gäbe es den Melodic Death Metal in seiner heutigen Form vermutlich gar nicht. Doch weit davon entfernt, sich auf irgendwelchem metallenem Lorbeer auszuruhen, gaben die Heuchler in Köln einen offensichtlich immer noch selbst begeisterten und begeisternden Gig, der zum Besten gehört, was man sich in diesem Genre überhaupt antuen kann. Mit "Eraser", das auf in Thin Lizzy-Manier ineinanderverschränkten doppelten Leadgitarren beruht, wurde gar ein Aperitif zum in den Startlöchern befindlichen nächsten Album ausgeschenkt. Saustarke Versionen von "Fire In The Sky" oder dem flotten "Buried" wurden ebenso geboten wie die Genre-Hymne "Fractured Millennium". Nur schade, dass für "A Coming Race" keine Zeit blieb...

Doch diese Zeit wurde halt für die Hauptband des Abends benötigt - verdientermaßen, denn Dimmu Borgirs aktuelles Album "Death Cult Armageddon" ist auch eines ihrer stärksten in einer langen Karriere, die sie (mit Cradle Of Filth) zur weltweit erfolgreichsten Black Metal-Combo gemacht hat. Der opulente Brocken macht mit seinen zahlreichen, wichtigen Orchesterparts aber auch besonders neugierig auf die Live-Umsetzung. Bei einer etwas längeren Umbaupause entstand zunächst ein imposanter Bühnenaufbau: Pechschwarze Drums, geschmackvoll angerichtet mit zahlreichen Totenschädeln, zwei davon auf umgedrehten Kreuzen; Keyboards auf einem turmhohen, schwarzbemantelten Podest - ein Augenschmaus für die schwarzen Horden im Publikum.

Nach nicht immer überzeugenden Live-Auftreten in den frühen Jahren der Band zelebrieren die Norweger ihren symphonischen Black Metalauf mittlerweile auf gleichmäßig hohem Niveau. Mehr noch als Cradle Of Filth haben Dimmu Borgir ihre Ausgabe des Black Metal professionalisiert und dem Underground enthoben (wofür natürlich auch schon der eine oder andere mit "Ausverkauf" beschriftete Jauchekübel in ihre Richtung flog). Das Erscheinungsbild der Schwarzkittelkapelle jedenfalls ist grimmig, aber keineswegs unsympatisch; die Addams-Family lässt grüßen. Die Beinkleider für besseren Grip im Todesgetümmel nicht zu sparsam mit überdimensionalen Killernieten gespickt, ansonsten Piercings, Corpsepaint und Tatoos, wohin das Auge zu blicken wagt.

Nach gemeinschaftlichem Salut an den Gehörnten gab es zum Einstieg etwas Frischfleisch vom aktuellen Dröhnträger. Dimmu Borgir demonstrieren so ganz nebenbei, dass Black Metal auch oder gerade in gutem Sound und ohne gehörmordende Phonzahlen ein akustischer Leckerbissen sein kann. Fette Bratgitarren, harmonisch kombiniert mit glasklaren, oft melodieführenden Keyboards, darüber die krächzende Stimme von Shouter Shagrath, lassen keine Lücke im Sound. Einzig die gelegentlichen Clear Vocal-Beigaben von Bassmann Igs Vortex waren etwas zu leise abgemischt. Die bombastigen und oft orchestralen, bis hin zu Ausleihen beim Progressive verschachtelten Arrangements mit schwebenden Hamonien beschwören Natur- und Filmbilder à la Tolkien herauf. Auch aktuelle Bezüge fehlen nicht; so wird beispielsweise mit "Unorthodox Manifesto", zu dessen Intro Schlachtengetümmel im sphärischen 3D-Sound und die Aufforderung "Gentlemen: Destroy!" erklingt, der Irrsinn des Krieges angeklagt. Von hier wühlte man sich in einem bunt gemischten Streifzug quer durch das ansehnliche Repertoire der Norweger, die zwar nicht zimperlich, aber doch irgendwie freundschaftlich mit dem begeisterten Publikum kommunizierten. Nach mehreren Zugaben und kurz vor Geisterstunde beschloss "Mourning Palace" mit irren Lichteffekten den hochklassigen Abend.

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Surfempfehlung:
www.dimmu-borgir.com
www.hypocrisy.tv
www.hypocrisy.de
www.norther.net
Text: -Gaesteliste.de Metal-Detektoren (Kunze, Reckert)-
Fotos: -Stephan Kunze-

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