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Back to the roots of Rock

Randy Hansen

Bonn, Harmonie
26.10.2003

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Randy Hanson
Randy Hansen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Musik des 1970 viel zu jung verstorbenen Gitarrengenies Jimi Hendrix nicht nur auf Konserve, sondern auch auf der Bühne am Leben zu erhalten. Versucht haben das schon viele, meist eher mit zweifelhaftem Erfolg. Hansen dagegen wird von der Fachpresse zu Recht als Reinkarnation von Hendrix gefeiert. Der übrigens wie sein Vorbild aus Seattle stammende Saitenzerrer, der zeitweise sogar sein Äußeres ebendiesem angepasst hatte, arbeitete in der Vergangenheit schon mit so illustren Größen wie Richie Blackmore, Samy Hagar, Paul Rodgers oder mit Blue Öyster Cult zusammen und durfte u.a. zum Soundtrack von "Apocalypse Now" einiges zum Besten geben. Begleitet von seinen Mitstreitern Ufo Walter am Bass und Manni von Bohr (ex-Birth Control) an den Drums hatte er sich jetzt in der Bonner Harmonie angekündigt und als Publikumsmagnet erwiesen. Nicht wenige Besucher des gut gefüllten Ladens könnten zumindest altersmäßig schon das Original live erlebt haben.
Als es auf die Minute pünktlich losging, machte sich auf vielen Gesichtern ungläubiges Staunen breit: Supersofte, sphärische Klänge, die schnell "Shine On You Crazy Diamond"von Pink Floyd erkennen ließen... doch schon wenige Takte später kam der Break; "Fire" entsprach eher der Erwartungshaltung. Hansen traf auf Anhieb nicht nur den Gitarrensound, auch die Stimme erinnerte verblüffend an den Altmeister. Schon hier ließ er es sich nicht nehmen, ein ganzes Solo mit der Zunge zu spielen, als wäre die rechte Hand nur dazu da, die Klampfe hochzuhalten; die Fans wussten es zu würdigen. Überhaupt herrschte zwischen Publikum und Akteuren eine sehr freundliche Stimmung, und die Begeisterung wuchs von Stück zu Stück. Hansen klinkte eine seiner Eigenproduktionen ein, mit fast schon funkigen Rhythmen und trotzdem mit dem urtypischen Hendrixsound. Auch der Dylan-Klassiker "Like A Rolling Stone" wurde gern genommen. Der Großteil der Songs stammte aber doch von Hendrix selbst. So gab es zum Beispiel "Rainy Day, Dream Away" oder "Hey Joe", wiederum mit eifrigem Zungeneinsatz und mit synkopischen Riffs verfeinert, dazu ein bisschen Jonglage mit dem Plektron; spätestens hier war auch der letzte im Publikum hellwach. Bei "Foxy Lady" klettert er wild solierend in die Menge, um sich mit, ähm, Rauchwaren versorgen zu lassen, was nach einer gekonnten Rolle rückwärts zurück auf die Bühne (weiterspielend) in einem Hustenanfall mündet. Und auch der Bassmann wird von den vorne stehenden angemessen verköstigt. Entsprechend rauschhaft und begeisternd geriet dann eine ellenlange Flinkefingerfassung von "Spanish Castle Magic". Hansen lässt seine Gitarre sprechen - und man meint sie zu "Hear My Train A Comin'" den Text singen zu hören. "Johnny B. Goode", zur Abwechslung mal von Chuck Berry, rockt los, als hätte es nie einen roll gegeben. Es folgte ein Medley aus "Are You Experienced" und "Moon, Turn The Tides...", schräg und spacig, mit den psychedelischen Soundcollagen, die in der Flower-Power-Zeit eine ganze Generation zum Staunen brachten. Mit "All Along The Watchtower" hob Hansen dann langsam zum Showdown an, um sich dann zum Solo von "Voodoo Chile" durch die tobende Menge bis zur Mitte der Halle vorzukämpfen; spielerisch lenkte die Klampfe zum Thema von "Jesus Christ Superstar" über, was man, mit der Zunge gespielt, sicher auch nicht täglich zu hören bekommt. Als Zugabe komplettierte Hansen das Hendrix-Hitpotpouri mit "Gipsy Eyes" und "Purple Haze", wobei seine Gitarre mit Füßen getreten, auch schon mal mit dem Mikrostativ oder einem Bierglas traktiert und letztlich aller Saiten beraubt wurde - bis auf eine; irgendwo müssen ja schließlich noch die Feedbacks herkommen (vergleich Foto-Galerie). Auf eine Feuerbestattung seines Instruments, wie es Hendrix selbst öfters praktizierte, verzichtete Hansen gnädig.
Bleibt zu erwähnen, dass die Klangqualität trotz des originären Gitarrensounds bei moderater Lautstärke durchweg gut war. Randy Hansen und seiner Band, die ihren Job übrigens durchweg ohne Fehl und Tadel machten, gelang es in einer zweieinhalbstündigen Zeitreise, die Musik und das experimentelle Blues-Feeling der Woodstockzeit wieder aufleben zu lassen und einem Mann zu huldigen, der in seiner kurzen Schaffenszeit vielleicht wie kein zweiter prägend für gitarrenorientierte Rockmusik war.

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Surfempfehlung:
www.randyhansen.com
Text: -Stephan Kunze-
Foto: -Stephan Kunze-


 
 

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