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Rock am Ring 2004

Nürburg, Nürburgring
04.06.2004/ 05.06.2004/ 06.06.2004

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Rock am Ring 2004
Eines der größten Open-Air Festivals der Welt wird fast 20 Jahre alt. 1985 fand die erste Ausgabe des Live-Spektakels statt und auch wenn diesmal eine Woche später als gewöhnlich losgerockt wurde, war irgendwie alles wie immer. Große Namen, schlechtes Wetter und Horden betrunkener Prolls. Das Rock am Ring-ABC 2004:
A wie absoluter Headliner waren natürlich die Red Hot Chili Peppers. Als die US-Superstars auf die Bühne kamen, sammelten sich nahezu alle Besucher vor der großen Bühne, um die Herren Kiedis, Flea, Frusciante und Smith zu sehen und zu hauptsächlich Hits aus den letzten beiden Alben mächtig zu tanzen. Erst in der Zugabe gab es "Give It Away" und "Under The Bridge" - davor Mainstream-Rock in der perfekten Form.

B wie die Braveheart-Aktion - von Sick Of It All erfunden - von den Lostprophets schon zu früher Stunde nachgemacht. Denn auch wenn die walisischen Durchstarter als erste Band am Samstag auf die Bühne mussten, wurde der Braveheart (die Fans teilen sich vor der Bühne in zwei Hälften und bilden einen Korridor von der Bühne in Richtung Mischpult. Auf ein Zeichen von der Bühne stürzen sie aufeinander zu und feiern gemeinsam eine riesige Party) versucht und gelang. Nicht nur deshalb konnten die Lostprophets ihren Gig als absolut gelungen bezeichnen.

C wie Coverversionen - die waren der heimliche Hit des Wochenendes. Evanescence versuchten sich gar nicht mal schlecht an Korns "Here To Stay", Linkin Park coverten Nine Inch Nails und Nickelback wollten mit "Sad But True" von Metallica wohl allen beweisen, dass sie doch noch echte Rocker sind. Wirklich gelungen ist es ihnen nicht. Gleich doppelt fremd rockten die Donots, die neben ihrem üblichen Twisted Sisters-Rausschmeißer auch noch den Ramones-Klassiker "Sheena Is A Punkrocker" zum Besten gaben. Dreifach versuchten sich die Beatsteaks: "So Lonely" von The Police, "Kings Of Metal" von Manowar und "Opelgang" von den Toten Hosen. Doch der ultimative Cover-König aber war natürlich Dick Brave, der von Pink über Michael Jackson bis zu den Queens Of The Stone Age alles verwurstete.

D wie ein Doktor betrat an Samstag die Alternastage: Greg Graffin, Sänger der Punkrock-Legende Bad Religion, hat seinen Titel in der Tasche und kann sich wieder ganz auf seine Combo konzentrieren. Ohne Mister Brett auf der Bühne, zündeten die Kalifornier ein Best-Of-Feuerwerk der Extra-Klasse. Schon als gleich zu Beginn der "21. Century (Digital Boy)" und "No Control" kamen, war jedem klar, dass Bad Religion eigentlich nach und nicht vor Lagwagon und Turbonegro spielen sollten.

E wie elektronisch - wurde es nur selten. Neben Moloko auf der Alternastage, fanden Faithless auf der Hauptbühne den größten Andrang. Doch ob ihr recht Techno-lastiges Set so viel Zuschauer fand, weil es ohne Zweifel gut war, oder weil direkt im Anschluss die Red Hot Chili Peppers spielten, ist nicht ganz sicher. Die Stimmung war jedenfalls bestens und Maxi Jazz, Sister Bliss und Co. dürften viele überrascht haben.

F wie fleißig - war Hosen-Drummer Vom, der gleich vier mal in Erscheinung trat. Erst unterstützte er am Samstag die Beatsteaks beim Manowar-Cover "Kings Of Metal", später am Abend spielte er mit seiner Hauptband vor dem Gelände einen Laster-Überraschungsgig, am Sonntag half er bei einem Song bei den Donots aus und war dann als Tote Hose ein Teil des Sonntags-Headliner.

G wie groß waren die Schlangen am Freitag vor den Campingplätzten. Bis zu vier Stunden mussten einige Fans in ihren Wagen ausharren, bis sie ihre Zelte aufbauen durften. Selbst die Veranstalter waren anscheinend von den Massen überrascht. Nächstes Jahr bitte eine etwas bessere Organisation!

H wie hoch hinaus - kletterte Campino, als er beim "Wort zum Sonntag" die Centerstage erklomm und mindestens 100 Meter über der begeisterten, mitgrölenden Menge sang.

I wie in luftiger Höhe wurde ein Bungee-Jumper von niemand geringer als Judith von Wir sind Helden während des Helden-Gigs gegrüßt. Ob er beim Baumeln die Show verfolgen konnte, ist nicht bekannt, einige Anwesende meinten aber, den Jumper lächeln gesehen zu haben. Das taten jedenfalls die Zuschauer vor der Bühne, als sie zu Hits wie "Denkmal" und "Guten Tag" fröhlich und ausgelassen getanzt haben.

J wie Jubel gab es von morgens bis abends. Denn eins muss man den Rock am Ring-Jüngern zugestehen: Begeisterungsfähig sind sie. Jede Band - und war sie noch so schlecht - wurde gnadenlos abgefeiert.

K wie Kifferdunst machte sich am Freitag breit, als Seeed, Max Herre, The Roots und die Black Eyed Peas die Alternastage in die Hip Hop-Hand namen und ein entspanntes Kontrastprogramm zu Korn und Konsorten anboten. Sonst regierte aber eher der Alkohol. Ein Kommentar einer jungen Dame: "Beim Hurricane wird gekifft, hier wird gesoffen!"

L wie Langeweile gab es natürlich auch. Und zwar gleich im Doppelpack. Erst langweilten 3 Doors Down auf der Hauptbühne, gleich im Anschluss machten es Nickelback auch nicht besser. Abhaken und lieber zur nächsten Bühne pilgern.

M wie Moonboots - Dover-Sängerin Cristina trug eben jene wolligen Treter, während sie mit ihren Kollegen einen erneut fantastischen und vor allem heftigen Gig hinlegte. Selten hatte man die spanischen Pop-Punker so hart gehört. Den Zuschauern gefiel es, sie feierten die Band nach jedem Song mit Sprechchören.

N wie ein neues Festival soll es demnächst am Nürburgring geben. Veranstalter Lieberberg überlegt, zweimal im Jahr den Ring zum Rocken zu bringen: "Rock am Ring und Rock im Park (Nürnberg) sind am Anfang der Saison. Jetzt wollen wir noch ein Festival am Ende der Saison. Aber wir wollen die Veranstaltung nicht um jeden Preis. Das Wettrennen der vielen Festivals geht eindeutig auf Kosten der Exklusivität."

O wie ohne Regen geht es einfach nicht. Doch größtenteils blieb es - jedenfalls tagsüber - trocken. Hingen zwar den ganzen Freitag und fast den ganzen Samstag dunkle Wolken über dem Gelände, fielen nur am Samstag Nachmittag ein paar Tropfen. Es hätte aber auch etwas gefehlt.

P wie Popo - den zeigte Donots-Sänger Ingo Knollmann direkt in die Kamera und widmete ihn George W. Bush. "Und wenn der nächstes Jahr noch Präsident ist, dann zeig ich meinen Pimmel". Bis dahin sorgten die Ibbenbürer Punkrocker für die erste Riesen-Fete des Sonntags. Kein Wunder, das Wetter war sonnig bis sommerlich, die Songs der Marke "Today", "We Got The Noise" und "Big Mouth" durch die Bank tanzbar und die Donots präsentierten sich mal wieder als ultimative Party-Band, die irgendwie jeder zu mögen schien.

R wie Reißbrett-Rock gab es bei Linkin Park zu bestaunen. Recht souverän spulte die Band die Songs ihrer zwei Alben herunter und sorgte für wahre Hüpforgien vor der Bühne. Die waren allerdings kein Vergleich zu Korn, die am Freitag das halbe Gelände in Bewegung versetzte. Ein Highlight des Festivals und ein wahnsinnig guter Auftritt, von dem sich Linkin Park noch eine Menge abschauen können.

S wie sehr spät mussten einige Bands spielen, die sicher einen besseren Slot verdient hätten. Allen voran Anthrax, die seit Jahren für guten Metal stehen. Aber die Band musste am Samstag um 1 Uhr nachts auf dem Talent Forum spielen. Ebenso oder fast so spät und mit großer Konkurrenz auf der Hauptbühne zu kämpfen hatten Danko Jones, The Datsuns und Funeral For A Friend. Allesamt Bands, die nichts auf dem Talent Forum zu suchen haben und sicher mehr Aufmerksamkeit und Fans verdient hätten.

T wie Teenie-Pop gab es auch bei Rock am Ring. Bei The Rasmus mussten alle bis zum letzten Song warten, ehe die Finnen ihren "In The Shadows"-Hit performten und bei Avril Lavigne waren mindestens genauso viele Gaffer wie Musik-Freunde vor der Bühne. Dabei stellte sich die 19-Jährige gar nicht mal so schlecht an und sorgte mit Songs wie "Sk8er Boi" für mächtig große Ohren und Augen.

U wie unfassbar begeistert reagierten die Fans auf die Sportfreunde Stiller und die Beatsteaks, die sich beide auch gut auf der Hauptbühne gemacht hätten. Rund um die Alternastage ging nichts mehr, als die wohl derzeit erfolgreichsten deutschen Rockbands Hits wie "Liebeslied" und "Hand In Hand" spielten und zwei prächtige Shows spielten.

V wie verlassen - aber nicht alleine durfte sich Ben Harper gefühlt haben. Denn auch wenn sich die Massen vor seinem und nach dem Auftritt von Wir sind Helden in Richtung Hauptbühne aufgemacht haben, um die Hosen zu sehen, wurde er von den wenigen Übriggebliebenen umso lauter und herzhafter empfangen. Es folgte ein schöner Gig des Reggae-Rockers.

W wie Warzen - hatten bereits am Freitag Hochkonjunktur, als Lemmy Kilmister die Hardrocker vor die Bühne bat und ein zwar Arsch-cooles, musikalisch aber nur recht durchschnittliches Motörhead-Set spielte. Hits und neue Nummern waren zwar immer noch besser, als die vor ihnen spielenden H-BlockX, hatten aber auch nicht die Klasse und die Power von Machine Head.

X wie x-beliebig waren Trapt. Nu-Metal nach Anleitung. Auch Static-X und 4lyn gaben sich Mühe, waren jedoch nicht zwingend einen Besuch wert.

Y wie Y-Chromosome waren zwar in der Überhand. Die Musikerinnen und Sängerinnen aber sorgten für die Highlights: Dover waren spitze, Moloko schön, Wir sind Helden einfach sympathisch und Evanescence beeindruckend. Mehr Frauen an den Ring!

Z wie Zukunft: Auf die nächsten lauten Jahre Rock am Ring!

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Surfempfehlung:
www.rock-am-ring.com
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Nicole Thurner-


 
 

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