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Der Song-Streicher

Kelly Pardekooper
Rusty Nails

Wesel, Karo
12.02.2005

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Kelly Pardekooper
"Zu Hause in Nashville streiche ich Häuser an", erklärte der aus Iowa stammende aber in Nashville lebende Songwriter Kelly Pardekooper dem Publikum im gut gefüllten Karo, "ein Künstler bin ich nur hier bei euch." Das zeigt das Dilemma auch vieler Kollegen Pardekoopers: Um sich den Luxus leisten zu können, sich mittels ihrer Musik zu verwirklichen, müssen sie sich mit ganz banalen - meist handwerklich orientierten - Jobs über Wasser halten. Das hat aber auch seine Vorteile, denn nur so ist es schließlich zu erklären, dass die Pardekoopers dieser Welt ihre originären Geschichten über den kleinen Mann und seine Sorgen und Nöte so glaubhaft an den Mann bringen können. Meist noch versehen mit einem autobiographischem Touch wie z.B. hier bei dem Song "Not In Iowa", einer Hymne an Pardekoopers Heimat-Staat.
Eröffnen durften den Abend die Lokalmatadore Rusty Nails. Diese ehemalige Blues-Band glaubte so etwas zu bieten wie eine Mischung aus "den Sex Pistols und B.B. King". Wie so oft in solchen Fällen, waren die Jungs technisch dabei sehr gut. Und die Cover-Version des Klassikers "Baby Please Don't Go" walzte denn auch alles platt, was nicht schnell genug beiseite springen konnte.

Kelly Pardekooper ist ein Songwriter der alten Schule. Er bemüht sich erst gar nicht, Parallelen zu den großen des Genres - von Bruce Springsteen bis John Mellencamp - zu verleugnen. Nahezu hemmungslos bedient er sich aller verfügbaren Klischees, die das Genre hergibt und verquickt diese zu eigenen Songs. Wo aber andere, die Gleiches versuchen, hoffnungslos scheitern und im beliebigen Mittelmaß versinken, blüht Pardekooper geradezu auf. Was sicherlich vor allen Dingen daran liegt, dass man ihm - s.o. - das Working-Class Baseball-Käppi eher abnimmt, als irgendwelchen Dollar Millionären, die so was als Alibi verwenden. Natürlich bietet die Live-Version des Pardekooper eine Portion mehr Pfeffer als die Scheiben. Legte er nach eigener Aussage bei seinem letzten Werk, "Haymaker Heart" Wert auf möglichst viel Abwechslung, zählten hier eher die straighten Rocknummern. Sei es nun der Titeltrack seines letzten Albums "House Of Mud" oder "Wild Love" oder "Goo" von der neuen CD: Am besten funktionierte die Sache immer dann, wenn ordentlich Druck gemacht wurde. Auch die Präsentation kam ganz ohne Schnörkel und Sperenzchen aller Art aus. Kelly spielte akustische Gitarre, sagte die Stücke an, unterhielt das Publikum mit erläuternden Einleitungen und überließ es dann seiner ausgezeichneten Band, das Material in Form zu bringen. Besonders Gitarrist Eric Straumanis glänzte dabei durch einige - durchaus auch mal selbstverliebte - Soli, die aber letztlich immer gut passten. Da Eric auch ein Songwriter von eigenen Gnaden ist, ließ ihn Kelly seinen eigenen Song "Somebody I'm Gonna Find Somebody" vortragen - der indes jedoch ein wenig zu sehr in Honky Tonk-Gefilde abdriftete und in diesem Kontext eher weniger funktionierte. Überhaupt sind Country-Anleihen - trotz seines Wohnortes - nicht unbedingt die Stärke der Kelly Pardekooper Band; wenngleich die Cover-Version von Johnny Cashs "Folsom Prison Blues" im Zugabenblock durchaus auf Gegenliebe beim Publikum stieß. Noch besser funktionierte das Covern allerdings beim Stones-Klassiker "Sympathy For The Devil" (wieder mit Straumanis im Overdrive) - was ebenfalls belegte, dass Kelly im Grunde seines Herzens sowieso eher ein Rocker ist. Auch wenn der von vielen vermisste Teddy Morgan auf dieser Tour nicht dabei war: Kelly Pardekooper lieferte auch in Wesel wieder eine kurzweilige, abwechslungsreiche und unterhaltsame Show ab - nicht zuletzt deswegen, weil er aus einem mittlerweile vier CDs umfassenden Fundus schöpfen kann. Eine Setlist braucht Kelly insofern nicht - und er will sie auch gar nicht, weil er sich eh nicht dran halten würde, wie er meint. (Die Setlist des Bassisten enthielt lediglich Hinweise auf die Tonlagen der einzelnen Tracks, Text-Passagen - aber keinesfalls die Reihenfolge der Tracks.) Auch wenn Kelly auf seiner Homepage sagt, dass er vermutlich nie ein Rockstar werden wird - an diesem Abend in Wesel war er es jedenfalls.

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Surfempfehlung:
www.kellyp.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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