Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Konzert-Archiv

Stichwort:





 
Konzert-Bericht
 
Herein!

Fink

Köln, Studio 672
23.02.2005

zur Foto-Galerie
Fink
Kein Wunder, dass ausgerechnet ein Specht das Cover der neuen Fink-CD ziert. Laut und vernehmlich klopften die Herren zeitgleich mit der Veröffentlichung des neuen Albums und lange vor der eigentlichen Tournee mit dem Titelsong "Bam Bam Bam" an, um sich Gehör und Einlass zu verschaffen. Die Anwesenden - eine bunte Mischung aus Gewinnern, Hardcore Fans und Journalisten - durften sich jedenfalls freuen, "Fink Kompakt" in dieser Form erleben zu dürfen. Ganz ohne Schnickschnack wurden die Tracks der neuen CD im intimen Rahmen dargeboten.
Die Überraschung bei diesem Konzept war nicht so sehr Reds neue Orgel im schmucken Landhaus-Design, sondern der Verzicht auf die Pedal Steel Gitarre und stattdessen die Konzentration auf die bemerkenswert herzhafte Gitarrenarbeit Olli Stangls. Zuweilen - besonders dann, wenn Red auch noch zur Gitarre griff und somit dann allen Ernstes drei Gitarristen auf der winzigen Bühne des Studio 672 gezählt wurden - geriet die Sache zu einer soliden, leicht abgefahrenen, fast psychedelischen Rock-Reise durch's Finkenland. Das war insofern erstaunlich, als dass Nils Koppruch im Vorfeld ja noch explizit darauf hingewiesen hatte, dass die neue Scheibe im Zeichen des Funk - oder zumindest der Black-Power als solcher - stünde. Davon war an diesem Abend nicht besonders viel zu spüren, da eventuelle Funk-Details in der allgemeinen Spielfreude auf geradezu grandiose Weise absoffen. So viel Spaß hatten Fink (und wohl auch das Publikum) offensichtlich schon seit langem nicht mehr am bloßen Losrocken gehabt. Besonders bei den neuen Tracks, die auch mal mit der Melodie flirten, wie z.B. dem "Hüftschwung", kam dies gut zur Geltung, aber auch die "bloßen" Disko-Nummern wie eben "Bam Bam Bam" oder "Shake De Birds Off De Tree" kamen mit soviel Herzeblut und Schmackes noch mal eine ganze Nummer konkreter rüber als auf der Scheibe. Das Thema des Abends war natürlich das Abspielen der neuen Stücke - auch wenn aus dem Publikum immer wieder der Wunsch nach alten Kamellen wie "Oklahoma" laut wurde. ("Kennt ihr eigentlich auch noch andere Titel?", fragte Nils schließlich ins Rund.) Aber da gab's keinen Kompromiss: Die Setlist wurde konsequent zu Ende gespielt. Und die enthielt neben weiteren neuen Tracks wie "Doppel Hopp", "Eismann" oder "Durchreise" eben kein altes Material. Bis auf eine wirklich schöne Version des Mondscheiner Stücks "Ich kümmere mich darum", die mit der Gitarrenrunderneuerung ebenfalls eher aufblühte. (War das ein Texthänger oder eine Kunstpause - na egal...) Ein neuer Schlagzeuger trieb die Jungs mit seinen enorm exakten, kompromisslos durchgezogenen Beats so richtig schön an und Bassist Andreas Voß passte dies offensichtlich recht gut, denn das groovte alles ganz schön tierisch daher. Erst zur Zugabe gab es dann Klassiker wie "Fliegen" oder "Er sieht sie an...", einem weiteren "Mondscheiner"-Track. Alles in allem war das ca. eine Stunde Power-Fink. Das volle Programm, so Nils, mit Pedal Steel, Kirchenorgeln und Frauenkleidern gäbe es dann im April zu bewundern. Aber ohne unken zu wollen: Sehr viel besser, als das, was Fink im Studio 672 hinlegten, kann das eigentlich gar nicht mehr werden.
... und einige Wochen später auf der "richtigen" Tour in Essen:

Acht Wochen später gab's im Essener Grend dann in der Tat das versprochene "volle Programm". Nun gut, den Auftritt in Frauenkleidern überließen Fink dann doch lieber Rufus Wainwright, aber ansonsten war dieses Konzert alles andere als "Fink light". Das zeigte sich bereits am Bühnenbild. Nachdem es im Studio 372 noch durch Schlichtheit geglänzt hatte, gab es dieses Mal immerhin einen stilechten Glitzervorhang, der auch optisch die Abkehr von countryesken Tönen hin zu bluesig-souligen Klängen unterstrich. Natürlich wurde das Frühwerk nicht ganz ausgespart, doch das Hauptaugenmerk lag klar auf "Bam Bam Bam" - und den begeisterten Reaktionen des Essener Publikums nach zu urteilen, war das auch gut so.

Schön auch, dass die Performance live nicht ganz so perfekt geriet wie die aktuelle Platte, denn gerade die kleinen Aussetzer bei Nils und die Schweißperlen auf der Stirn des als "Landorgelspielers" angekündigten Red gaben dem Auftritt erst die besondere Note. Wie schon in Köln tat sich der etatmäßige Pedal-Steeler Oliver immer dann besonders bevor, wenn er an die sechs Saiten wechselte und dabei selbst den schwärzesten Nummern Rolling Stones'sche 70s-Rock-Schnodderigkeit mitgab, während Bassist Andreas und Neudrummer Christoph für den perfekten Groove-Teppich sorgten. So hatten die Black-Power-Avancen Finks an diesem Abend jedenfalls mehr von "Black & Blue" denn von "What's Going On".

Nils gab auch an diesem Abend "die vollkommene Kreuzung aus Lucky Luke und Jesus", wie ein süddeutscher Kollege bereits so treffend beschrieben hatte: Die Lässigkeit ist ihm allem Anschein nach angeboren, und anstatt der Erlösung verteilte er an diesem Abend "Beratungs-Rezepte", die - nebenbei bemerkt - einige Zuschauer(innen), deren ständige Dialog-Versuche doch ziemlich nervten, dringend nötig hatten. Davon ließ sich die gut gelaunte Band allerdings keinesfalls ablenken, erzählte stattdessen breit grinsend kleine Anekdoten, band sogar den Hinweis auf die am Ausgang zu erwerbenden Devotionalien geschickt in eine kleine Rückschau auf die letzte Tournee ein und verriet dem Publikum, dass dies ja nun auch bereits ihr drittes Gastspiel im Grend sei. Wenn sie weiterhin so Konzerte wie dieses geben, bleibt nur zu hoffen, dass es nicht der letzte Abstecher der Hanseaten in den Ruhrpott war!

zur Foto-Galerie

Surfempfehlung:
www.finkmusik.de
Text: -Ullrich Maurer (K) / Simon Mahler (E)-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

Copyright © 1999 - 2017 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister