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The Silos

Köln, Yard Club
28.02.2005

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The Silos
Walter Salas-Humara und seine Jungs hatten die Ehre, an diesem Abend gegen den zeitgleich im Gebäude 9 aufspielenden Evan Dando antreten zu dürfen. Das Ergebnis war dann eine ziemlich überschaubare Schar von Hardcore-Fans, von denen auch noch einige auf die Uhr schauten, ob sie es wohl noch zum anderen Venue schaffen würden - denn die Silos begannen erfreulich pünktlich mit ihrem Set und hatten auch keinen Support dabei. "Eigentlich hätte man doch die beiden Konzerte zusammenlegen können", hörte man Überlegungen, die sich angesichts solcher Konstellationen formulierten. Nicht ganz. Denn anders als der alte Zitronenkopf ist Walter Salas-Humara weder hip, noch unberechenbar und erkennbar unter Drogenentzug leidet er auch nicht. Wenn es das Paradebeispiel für einen mit beiden Beinen auf dem Boden stehenden No-Nonsense-Rock-Musiker gibt, dann ist das mit Sicherheit der Mann mit dem rauhen Charme, der mittlerweile New York seine Heimat nennt.
Gleich mit der ersten Nummer, "Innocent", vom aktuellen Album "When The Telephone Rings", machten die Silos klar, worum es an diesem Abend ging: Um schnörkellosen, Riff-orientierten, knochentrockenen, aber dennoch seelenvollen Rock. Walter gab mit einem Minimum an Aufwand und mittels seiner zuweilen ganz schön hart rangenommenen akustischen Gitarre (die er jedoch wie gewohnt ungerührt durch den Verstärker jagte) die Richtung vor. Seine beiden Mitstreiter, Bassist und Gelegenheits-Lap-Steel-Virtuose Drew Glackin und Drummer Konrad Meissner bildeten dabei das notwendige Rückgrat, ohne das Humaras Songs zusammenbrechen würden wie ein Kartenhaus. Dies wurde insbesondere im Vergleich zur Tour zu seinem letzten Album, "Laser Beam Next Door", deutlich, bei der dieses Zusammenspiel eben nicht so traumhaft schlafwandlerisch saß und sich die Jungs des Öfteren im spröden (und langweiligen) Gefrickel verloren. Allerdings war daran wohl das nicht so gelungene Songmaterial der letzten Scheibe schuld, das heuer auch eher ausgespart wurde. Im Yard Club stimmte jedenfalls alles: Glackin umspielte die eher minimalistischen Riffs des Meisters kunst- und kraftvoll und ohne dass es jemals zu doll wurde und Meissner überraschte mit einer besonders feinfühligen Art, die Songs neben dem notwendigen Beat noch mit kunstvoll herausgekitzelten Akzenten und Ornamenten zu versehen. Jedenfalls wurde das Trio-Format damit voll ausgereizt und den Songs schön viel Platz eingeräumt - ganz so wie es sich gehört. Da Walter ja eh eine akustische Gitarre bedient, gestaltete sich der Wechsel vom Vollgas-Märtyrium zum sanften Liebesbrief-Vertonen relativ elegant. Zuweilen auch innerhalb eines Songs (zum Beispiel bei der sehr schönen "Stoplight"-Version von der Heater-Scheibe). An Dynamik wurde jedenfalls nicht gespart. Gerade bei den Balladen - z.B. "Susan" mit Drew Glackin an der Steel-Gitarre oder "Believe" im Zugabenblock (wobei Meissner die Harmonien sang) gefiel dann wieder mal der aparte Gegensatz zwischen Walters grummeliger Knödelstimme und den lyrisch / sehnsüchtigen Melodien, die er zuweilen so lostritt. Wenn es jemanden gibt, der den gebrochenen Männerschmerz so richtig schön knarzig verkörpern kann, dann ist es Salas-Humara. Dazu gehört natürlich auch eine Portion trockenen Humors. "Was wäre ein so kalter Abend in Köln ohne eine zünftige Selbstmord-Ballade" kündigte er z.B. den Track "Get Out" an. (Dazu sollte man noch wissen, dass dies wieder mal die bis dato kälteste Februarnacht der Nachkriegszeit war.)

Abgerundet wurde das Programm mit einigen Bonbons, wie z.B. dem auf spanisch gesungenen "Sangre Y Langrimas" von "Laser Beam", gelegentlichen Ausflügen in die Historie - so gab es z.B. das länger nicht mehr gehörte "Miles Away" von "Hasta La Victoria" - und ausgesuchte Coverversionen, von denen der Dream Syndicate-Klassiker "Tell Me When It's Over" von Walter-Kumpel Steve Wynn sicherlich zu den Höhepunkten zählte. Und letztlich gab es auch noch einen ganz neuen Track namens "Tell Me You Love Me", den die Herren erst auf der Tour geschrieben hatten und dessen noch druckwarme Worte auf einem frisch geschriebenen Zettel auf dem Boden klebten. Abschließend muss noch gesagt werden, dass die Herren trotz der eher widrigen Situation ein solides Set hinlegten - auch wenn die hippen Kids alle bei Evan Dando gewesen sein mögen...

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www.thesilos.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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