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Konzert-Bericht
 
Abenteuer im Gitarrenland

Chuck Prophet

Köln, Underground
29.03.2005

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Chuck Prophet
Alle, die den Meister schon mal live gesehen haben, wissen, dass ein Chuck Prophet-Konzert ziemlich von verschiedenen Konstanten abhängig ist (einmal abgesehen davon, dass er unter dem Strich auf seine Art letztlich doch immer alles gibt): Umgebungstemperatur, Bierlaune, Rauchmöglichkeiten, Publikumszuspruch, technische Gegebenheiten, Laune, Songauswahl etc., etc. Wie immer das dann gelagert oder gewichtet ist, kann ein Prophet-Konzert zwischen grandios und befremdlich schwanken. Dieses lag so ungefähr in der Mitte. Im frisch renovierten Underground zu Köln können nach dem Umbau nun ungefähr doppelt so viele Leute wie bislang die Bühne sehen. Was natürlich nicht heißt, dass diese auch kommen, aber immerhin: Eine erkleckliche Anzahl von Fans versammelte sich dann doch im Auditorium der eher unterschwellig beworbenen Tour.
Chucks Band hieß dieses Mal The Mission Express. Neben dem einzigen anderen Stamm-Mitglied Stephanie Finch (die Chuck dieses Mal nicht nur als die Frau, die mit eiserner Faust seinen Haushalt regiere vorstellte, sondern obendrein netterweise als besten Freund, den er auf der Welt habe) machte sich noch ein alter Bekannter an diversen Stimmgeräten und Gitarren (u.a. einer Pedal-Steel) zu schaffen: Tom Heymann, vielen noch bekannt von Go To Blazes oder Court & Spark, erwies sich als interessanter, sortierter Gegenpart für den an diesem Abend ziemlich impulsiv aufspielenden Chuck. Das Thema war klar: Es ging nicht um einen direkten Showcase des letzten Albums "Age Of Miracles", sondern eher um den Spaß an der Gitarre. Nahezu alle Tracks waren als epische Live-Versionen angelegt, bei der Tom Heyman und die Rhythmusgruppe für einen fetten Groove sorgten, und Chuck dann so richtig loslegen konnte. So weit, so gut. Wenn da nicht die technischen Probleme gewesen wären: "Das summt ja hier, als würde sich jemand rasieren", grummelte Chuck sichtlich genervt und diskutierte eifrig die Subtilitäten des Soundmixes mit Stephanie Finch. Hinzu kam ein Brummen und Aussetzer bei Chucks Mikrophonen, was erst im letzten Drittel durch den Austausch eines Kabels behoben werden konnte. Das alles wäre dem Zuhörer wohl weniger aufgefallen, als den Musikern selbst, und so etwas drückt dann letztlich auf die Stimmung. Das waren dann schon zwei Abzüge in der Wellness-Note. Ein dritter war - aus Sicht des Zuhörers - dann mit Sicherheit die Songauswahl. Chuck favorisierte - s.o. - jene Tracks, die mächtig daherstampften, Druck machten, funky groovten, aber eher die Zwischentöne vermissen ließen. Zwar brillierte Chuck durchaus auf Stücken wie "Apology", "Run Primo Run" oder bei der Zugabe auch mit "Automatic Blues" - nur weiß man ja, dass er ein brillanter und vielseitiger Gitarrist ist. Und nach drei Elaboraten dieser Art in Folge hatte man sich diesbezüglich dann doch ein wenig sattgehört. Dass er daneben auch ein mindestens ebenso vielseitiger Songwriter ist, ging - zumindest bei dieser Show - ein wenig unter. Am besten funktionierten deshalb Stücke, die sich dann ein wenig vom Rock-Faktor wegbewegten. "Summertime Thing" vom letzten Album "No Other Love" (dessen Titelstück leider von der Setlist gestrichen worden war) zum Beispiel geriet mit Tom Heymans Steel-Gitarren Licks, den per Besen gespielten Drums und Stephanies marodierender Orgel zu einem sympathisch lockeren Country-Folk-Shuffle, bei der Chucks Soli dann auch sehr viel besser zur Geltung kamen, als wenn etwa alle gleichzeitig Druck machten. Ebenso gefiel dann "Pin A Rose" vom aktuellen Album - vielleicht deshalb, weil er hier zum einzigen Mal zur Akustik-Gitarre griff. Von den lauteren Stücken kam das ebenfalls vom letzten Album stammende "Elouise" am besten weg - einfach weil das dann eher kurz und knapp an den Mann gebracht wurde. Die dezenten Soul-Akzente der letzten beiden Scheiben gingen dann allerdings - trotz Stephanies Bemühungen an den Keyboards - im allgemeinen Jam Modus eher unter. Immerhin verriet Chuck noch, was er an dem Zeitalter, in dem wir Leben, so wunderlich findet: Dass es in den USA zum Beispiel Express-Lines in Fast-Food-Ketten gibt oder eine Creme gegen Entzündungen für Leute, die keine Zeit für Entzündungen haben (so, als gäbe es Leute, die Zeit dafür hätten).

Abgerundet wurde das Programm dann noch mit einer sehr schönen Version von "After The Rain", bei der Stephanie Finch mit Gitarre ans Mikro trat und einer "erzwungenen" zweiten Zugabe (freiwillig spielte Chuck nur "Automatic Blues" - ein Zeichen für das mittelmäßige Laune-Level), bei der der Meister dann mit seiner Gitarre durch das Publikum wanderte. Insgesamt war dies trotz allem keine wirklich schlechte Chuck Prophet-Show - jedoch ist der Gute durchaus zu großartigeren Leistungen imstande. Wenn denn die Rahmenbedingungen 100%ig stimmen...

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Surfempfehlung:
www.chuckprophet.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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