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Augen zu und durch...

Ane Brun
Wendy McNeill

Köln, Underground
16.04.2005

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Ane Brun
"Du solltest dir unbedingt Wendy McNeill anschauen", meinte Katharina Nutall - Ane Bruns Freundin und Produzentin, die Ane als Multi-Instrumentalistin auf ihrer Tour begleitet - verschwörerisch vor der Show, "sie macht für uns den Support und sie ist wirklich gut." Normalerweise dient der Support Act ja dazu, das Publikum für den Headliner "weichzuklopfen". Hier war das jedoch etwas anderes: Wendy McNeill aus Alberta in Kanada war nämlich, wie sich herausstellte, zweifelsohne die ideale Ergänzung zum atmosphärisch anspruchsvollen Act Ane Bruns und ihres Trios. Dennoch ist es ja eher ungewöhnlich, wenn dann der Headliner Werbung für den Support macht. Doch offensichtlich verstand man sich so gut, dass Wendy quasi von der skandinavischen Truppe um Ane Brun adoptiert worden war: Nur mit akustischer Gitarre, Ziehharmonika, Sampler und Stimme (allerdings einer sehr beeindruckenden Stimme) verstand es Wendy, das Publikum mit ihrer exaltiert / spinnerten Art von der ersten Minute an zu verzaubern.
Dabei half es sicher, dass die kleinwüchsige Kanadierin ihre melancholischen Tragikomödien um eher schräge Charaktere mit beeindruckender Hingabe und glockenklarer Diktion vortrug - allerdings war es dann doch die ausdrucksstarke Bühnenpräsenz, die letztlich das I-Tüpfelchen ausmachte. Es war schon ziemlich spannend zu beobachten, wie Wendy das Instrument ihrer Wahl bearbeitete, mal als Tanzpartner zu missbrauchen schien und sich dazu im mit dem rechten Fuß energisch in den Bühnenboden gebohrten, selbstgemachten Takt wog wie eine liebestolle Schlangenbeschwörerin. Hinzu kam, dass das Songmaterial ihrer drei Alben - insbesondere das von der aktuellen CD namens "Such A Common Bird" - zweifelsohne auch nicht von schlechten Eltern ist. Sicherlich ist Wendy McNeill eine absolut empfehlenswerte Live-Entdeckung - die wir vielleicht demnächst auch öfter genießen werden können, denn sie zieht immerhin jetzt von Alberta nach Paris...

Ane Brun ist da schon sehr viel minimalistischer, was die Performance betrifft: Denn was ihre Songs nicht hergeben, das versucht sie auch nicht, durch irgendwelche Show-Elemente vorzugaukeln. Das meint: Ein Ane Brun-Konzert ist eine relativ puristische Angelegenheit. Das bedeutet aber nicht, dass die Arrangements der Songs ihre beiden CDs künstlich reduziert werden, sondern dass sie eben mehr auf ihre Musik setzt als etwa auf Schauspielerei. So singt sie meistens mit geschlossenen Augen, bewegt sich nicht besonders viel und auch was das Palavern mit dem Publikum betrifft, gibt es noch Entwicklungsmöglichkeiten. Aber: Dennoch dürfte sich niemand an diesem Abend gelangweilt haben, denn was Atmosphäre und Intensität betrifft, macht Ane so schnell niemand etwas vor. Ganz im Gegenteil: Es schien so, dass sich Ane dann am wohlsten fühlt, wenn sie ganz alleine auf der Bühne steht und so quasi vollständig in ihrer Musik aufgehen kann. Zum Beispiel bei einem ihrer betont melodischen Stücke "Rubber & Soul". Zwar bevorzugt Ane offensichtlich die jeweils desolatestmögliche Stimmungslage, in der sich eine Ballade vorträgen lässt ("Ich bewege mich hier von depressiv nach mega-depressiv" beschrieb sie z.B. - nicht ganz ernsthaft - diese Herangehensweise) - jedoch ging es durchaus auch anders. Zum Beispiel bei dem "Song No. 6" ihres aktuellen Albums "A Temporary Dive". Natürlich hatte sie den Duett-Partner Ron Sexsmith nicht mit auf Tour bringen können, dennoch war es dann beachtlich, was Ane, ihr Gitarrist Stefan Johansson und Katharina Nutall stimmungsmäßig dann aus der Nummer herausholen konnten. Nicht, dass der Laden deswegen gleich kochte - aber das war definitiv Anes Nummer mit den positivsten Vibes. Zum Glück aber war das Publikum ja auch gekommen, um Anes introspektive, schwermütige Songs zu hören - wie zum Beispiel den Titeltrack von "Dive" - wobei Ane bat, den doch positiv aufzunehmen, da man nach dem Fall in eines dieser Löcher, die das Leben so bereithält, ja meistens doch immer wieder herauskrabbeln kann.

Musikalisch wurde das eher spärliche Setting dann durch einige nette Details aufgewertet. So hatte Ane quasi gleich drei Morgans mitgebracht (wie wir von ihrem Debüt wissen, heißt ihre Gitarre ja "Morgan"), scheute sich im Live-Kontext auch nicht vor den großen Hallflächen, die auf CD so gut funktionieren und outete sich zudem streckenweise als passable Slide-Gitarristin. Stefan Johansson, der (wie z.B. bei "Song No. 6") durchaus eine phantasiereiche Rock-Gitarre zu spielen imstande ist, verstand es daneben mittels einer Lap-Steel-Gitarre und punktgenau eingesetzten Effektgeräten ein Maximum an Atmosphäre mit einem Minimum an Aufwand zu erzeugen und Katharina Nutall spielte dazu passend auch eher atmosphärische Keyboard-Flächen, Percussion, Glockenspiel (ihr Lieblingsinstrument) und obendrein ein Wasserglas, mittels dessen sie gleich ein ganzes Orchester simulierte.

Zum Abschluss gab es dann als Bonbon noch eine Coverversion von Sam Browns "Stop", Anes Lieblingssong aus den 80s, der natürlich in einer eigenartig verbogenen Version dargeboten wurde. Denn - so hatte uns Ane beim Interview erzählt - normale Akkordfolgen und Melodiebögen interessieren sie ja nicht so besonders. Und zuguterletzt wurde noch einmal Wendy McNeill mit auf die Bühne gebeten, um das gute Verhältnis noch einmal zu untermauern (bevor dann das Disco-Publikum das Auditorium übernahm). Fazit: Ane Brun offenbarte sich auch auf dieser von Gaesteliste.de präsentierten Tour als bemerkenswert originelle Songwriterin wie auch als überraschend emotionale Interpretin. Und so wurde dieser Abend - auch ohne große Show-Einlagen - zu einem intensiven Konzerterlebnis.

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Surfempfehlung:
www.anebrun.com
www.wendymcneill.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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