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Konzert-Bericht
 
Kultivierte Rockmusik

Steve Wynn

Amsterdam, Paradiso
25.04.1999
Steve Wynn
"Dieses Stück habe ich 1986 zum ersten Mal in Amsterdam gespielt", kündigt Steve Wynn den Dream Syndicate Klassiker "Medicine Show" an. Mensch, wie die Zeit vergeht, denkt man sich dabei. Zeitlos jedoch die Musik Wynn's. Mit den Jahren ist der Mann irgendwie abgeklärter geworden und hat seine Sturm & Drang-Zeit erstmal weggesteckt. Trotzdem rockt ein typischer Steve Wynn Set immer noch ganz gut. Auch mit dem Material des neuen Albums, "My Midnight", das ja eigentlich kein Rock-Album sein sollte. Das liegt natürlich daran, daß Wynn zunächst mal ein "Rock-Brat" allererster Couleur ist. Und dann sind einige Tracks des neuen Albums auch wieder ganz schön knackig geworden - wie z.B. "Nothing But The Shell", mit dem er den Set eröffnet. Und dann ist da ja noch die Band. Getrieben vom nahezu unheimlichen Körpereinsatz Linda Pitmon's an den Drums, legte die Band eine solide marschierende Kompaktleistung hin, in dem jedem gewisse Freiräume zur Verfügung standen, die ganz unterschiedlich genutzt werden.
Steve Wynn
Am wenigsten fiel hier bei noch der neue Keyboarder, Steve Espinola, auf, einfach deshalb, weil man ihn auch am wenigsten hörte. Auch waren die Keyboards nicht immer sonderlich geschickt plaziert. Während z.B. "My Midnight" auf Platte vom Orgelsound geprägt wird, entschied man sich in der Live-Version für Piano. Das klappte dann nicht so gut. Der Bassmann Dave DeCastro tat dafür ein bißchen zuviel des Guten. Weniger wäre hier mehr gewesen. (Gleichwohl ein bißchen Posing ja auch nicht schaden kann.) Chris Brokaw (Come) an der Gitarre bildete ein schön unbequemes, freieres Gegenstück zu Steve's eher solider Gitarrenarbeit. Da stimmte zwar nicht jeder Ton, aber dafür gab's andererseits interessante Kombinationen, die ohne Wagemut so nicht zustandegekommen wären. Zudem überraschte der Mann in einer geschickt plazierten akustischen Passage des Sets mit einem soeben erst erworbenen Banjo, was in diesem Zusammenhang eher für eine düstere Note sorgte. Linda's Energieausbrüche, die indes das übliche Maß nicht wirklich erkennbar überschritten (sie spielt halt immer so) erklärten sich daraus, daß sie an diesem Abend krank war und deswegen besonders heftig hinlangte, um praktisch die Erkältung in die Flucht zu spielen. Sowas nennt man positive Arbeitsauffassung. (Dazu gehörte dann auch, daß sie anschließend mitten in der Nacht noch Wäsche waschen ging.) Neben dem Material des neuen Albums brachte Steve viel Material aus älteren Phasen. Neben den Klassikern wie "That's What You Always Say", waren dies aber auch seltener gespielte Tracks wie "Layer By Layer", die es hier zu entdecken galt. Darüberhinaus geriet die Angelegenheit schön spontan, weil man sich an die Setlist nur bis ca. zur Hälfte hielt und dann sponatn der Stimmung entsprechende Tracks spielte. Insgesamt war dieses Konzert wieder mal ein Beweis dafür, daß Steve Wynn zur Zeit eine der besten, straightesten, No-Nonsense-Live-Shows aufs Parkett legt, die man sich nur wünschen kann. Ein wenig kurz war's allerdings an jenem Abend (oder vielleicht nur kurzweilig?). Für Deutschland hat Steve aber diesbezüglich Besserung angesagt. Für jeden Freund kultivierter Rockmusik sollte deshalb der Besuch eines der anstehenden Wynn-Konzerte zur Pflichtkür gehören!
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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