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Koteletten und Krawatten

The Jessica Fletchers

Köln, Underground
27.04.2005

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The Jessica Fletchers
Sicherlich hat es nicht gerade geholfen, dass nirgendwo Plakate für den Auftritt der Jessica Fletchers im Kölner Underground zu finden waren und dass diese Show auch nicht im Monatsprogramm des Clubs auftauchte (was angesichts der erratischen Planungspolitik der Norweger vermutlich nicht mal dem Venue selber anzurechnen war). Der Zuspruch war jedenfalls ziemlich mager für eine doch immerhin fünfköpfige Band, die somit kaum auf ihre Kosten gekommen sein dürfte. Vielleicht gibt es mittlerweile aber auch ganz einfach zu viele Bands dieser Art von Retro-Combos, die die 60er Jahre zu ihren Bedingungen neu definieren möchten.
Seit immerhin acht Jahren pflegen die Jessicas diese Tugend und haben sich recht komfortabel in einer Nische zwischen Yardbirds und Zombies-Ästhetik (wegen des Keyboards eher letztere) eingerichtet und schreiben munter reihenweise historisch anmutender Gitarrenpop-Hits. Darin sind sie indes sehr gut und auch als Live-Truppe haben die fünf Herren einiges, was für sie spricht. Da ist zunächst mal das Outfit: Abgesehen von den schnieken Krawatten, die dem ganzen ein gewisses Mod-Flair verleihen, war das Quintett nämlich angetreten, als gelte es, einen Kings Of Leon Lookalike-Contest zu gewinnen - inklusive Koteletten, Bärten und antikem Equipment (u.a. einem beeindruckenden, bobelnden Gibson-Retro Bass und bis zu zwei Tambourins). Das ist witzig, da die KOL ja auch eine Retro-Band sind, die aber aufgrund einer glücklichen Fügung des Schicksals sehr viel erfolgreicher sind, als die Jungs aus Norwegen. Die übrigens keinen Deut schlechter - eher sogar noch abwechslungsreicher und origineller - agieren als die Predigersöhne. Denn - auch wenn sich das jetzt alles bisher ziemlich negativ angehört haben mag - als Live-Truppe sind die Fletchers einsame Spitzenklasse. Das liegt daran, dass sie sich richtig schön und mit voller Inbrunst ins Geschehen stürzen und aus den kompakten Rausschmeißern vom Stile "It Happened Tonight", "Magic Bar" oder "Driving Song" durch vollen Einsatz auch wirklich das letzte herausquetschen - inklusive Drum-Breaks, Gitarren-Soli und Keyboard Gedudel.

Der Titel ihrer letzten CD, "Less Sophistication" ist dabei wohl eher ironisch zu verstehen, denn so richtig simpel sind die Tracks alle nicht, sondern zuweilen sogar richtig verstiegen - auf jeden Fall aber abwechslungsreich und kurzweilig. Mit Schönklang haben die Jungs dabei nix im Sinn: Da muss es immer ordentlich scheppern und krachen. Sogar das auf der CD dann doch zu ambitionierte "Summer Holiday & Me" geriet hier auf beiläufige Weise zum Gassenhauer. Die Fletchers spielten stramm zusammen und ließen nichts anbrennen. Ein Feature, das auf den Scheiben eher beiläufig zum Tragen kommt, überraschte dann indes schon. Und zwar der zwar nicht lupen-, dafür aber im coolen Sinne astreine, teilweise vierstimmige Harmoniegesang. Das klang dann zuweilen wie die Garagenversion der Beach Boys. Als Bonbon gar es dann noch neues Material und eine Coverversion, die ziemlich gut die Geisteshaltung der Fletchers widerspiegelte: "Send Me A Postcard" von Shocking Blue. Viele andere hätten sich da zweifelsohne "Venus" ausgesucht. Doch die Fletchers sind eben eher an der obskuren, spinnerten und verschrobenen Seite der 60s - deutlich links von der Mitte - interessiert. Jedenfalls passte dieses solide Stück Euro-Trash-Beat hervorragend ins allgemeine Ambiente und geriet auch gleich zum Höhepunkt der Show. Dass der Spuk dann nach bereits einer Stunde schon wieder vorbei war, überraschte dann nicht mehr besonders. So hat man ja damals, in der goldenen Zeit des Beat gearbeitet: Short, sharp und shocking.

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Surfempfehlung:
www.thejessicafletchers.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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