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Jack Johnson
G. Love/ Donavon Frankenreiter

Köln, Palladium
10.05.2005

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Jack Johnson
Bei der "Familientour" von Jack Johnsons Brushfire Label war ein hierzulande eher seltenes Spektakel zu beobachten: Ein Konzert, bei dem es zwar keine Crowdsurfer, wohl aber eine Surfer-Crowd gab. Jack Johnson ist nämlich so etwas wie ein Phänomen links von der Mitte. Fragt man den durchschnittlichen Musikliebhaber nach Jack Johnson, so wird man vermutlich eher Schulterzucken ernten. Auch für die normalen Konzertgänger ist der Name kein Begriff. Bei der Plattenfirma wurde das Thema unter "ferner liefen" abgehandelt und nicht mal die Leute von der Konzertagentur hatten das Ganze einschätzen können: So musste das Konzert aufgrund der riesigen Nachfrage nicht nur vom Prime Club in das etwas vier Mal größere Palladium verlegt worden, sondern es war obendrein ausverkauft. Es bleibt da nur eine Schlussfolgerung übrig, die auch halbwegs nachzuvollziehen ist: Jack Johnson ist das Kunststück gelungen, nur über seine Musik - und seinen Sport (das Surfen) - durch Mund-zu-Mund Propaganda innerhalb der Szene seine Reputation auf- und dann auszubauen, die dann dazu führte, dass er mittlerweile zu den größten US-Stars überhaupt zählt.
Nun also geht auch bei uns das Johnson Fieber um und die Halle war dann wirklich mehr als gut mit überdurchschnittlich vielen gut trainierten, sonnengebräunten jungen Menschen und Hawaii-Hemdchen gefüllt, die es sich nicht nehmen ließen, ihr Idol bei seiner Deutschland-Premiere als Headliner zu feiern. G. Love, der Jack zusammen mit dem dritten Labelmate, Donavon Frankenreiter (auch ein Surfer) auf dieser Tour supportete, hat für Jacks Erfolg eine einleuchtende Erklärung: Jack ist ein Mann aus dem Volk, mit dem man sich identifizieren kann, und der außer seiner Musik nichts bieten will - weder Starallüren, noch Skandale, noch Posen und schon gar keine Überheblichkeit, wie man sie von vielen großen Namen gewohnt ist. Insofern strahlten von diesem Konzert denn auch die wärmsten Vibes aus, die seit langem durch die eher ungastliche Architektur des Palladiums gewabert waren. Nicht, dass das nicht trotzdem anstrengend war: Die schiere Masse machte die Halle schnell zu einem Hexenkessel, in dem dann doch einige Fans aus den Latschen kippten. Dafür herrschte ansonsten aber eine geradezu friedvolle Atmosphäre.

Da die Johnson-Fans wohl gleich das ganze Label adoptiert hatten, hatte auch Donavon Frankenreiter einen leichten Stand. Obwohl sich der wortkarge Künstler alle Mühe gab, sich möglichst unauffällig in Szene zu setzen - oft im Schatten lungernd und mit tief in die Stirne geschobenem Redneck-Cappy schweigend sein Oeuvre darbietend - wurde auch er von Anfang an gefeiert. Im Vergleich zu den relaxten Tracks auf seiner Debüt-Scheibe, die dort denen von Jack Johnson gar nicht so unähnlich sind, legt der Mann auf der Bühne dann einen Zahn zu. Unterstützt von einer stramm marschierenden Kapelle bewegte sich besonders der Gitarrist Frankenreiter mehr in Richtung Southern-Rock als etwa - wie zu erwarten gewesen wäre - in Richtung Westcoast. Das liegt wohl daran, dass er - bei allen federnden Rhythmen und karibischem Vibes, die auch seinen Songs innewohnen - auch eine gute Portion Blues sein Eigen nennt. Deswegen überraschte es denn auch nicht so sehr, dass er G. Love bei einem Stück zum Gitarre- und Harmonika-Spielen auf die Bühne holte. Das auch deswegen nicht, weil sich, wie G. Love uns verriet, alle drei Musiker untereinander gute Freunde sind. Unter dem Strich outete sich Frankenreiter - im Vergleich zu dem später fast zurückhaltend agierenden Johnson und dem Powerhouse G. Love - als vielleicht sogar solidester Act des Abends. Das auch deswegen, weil er ausschließlich E-Gitarre spielte und trotz aparter Pop-Nummern wie "It Don't Matter" - bei der das Publikum erstmals als Chor einsetzte - vor allen Dingen ein Herz für rockigere Sounds hat. Das war jedenfalls ein richtig schön altmodischer 70's-Gitarren-Act.

G. Love kam im Anschluss dann gleich zur Sache - sich dessen durchaus bewusst, was sein Publikum von ihm erwartet. Noch bevor er nämlich die ersten Töne seiner aktuellen Single "Booty Call" anstimmte, wurde das Stück auch schon lauthals von ihm gefordert. G. erzählte uns ja im Interview, dass er es als Teil seiner Aufgabe ansehe, das Publikum zum Tanzen zu bringen. Das gelang ihm hier den Umständen entsprechend gut. Dies deshalb, weil die Halle ein wenig zu groß und zu dicht gepackt war, als dass wirklich eine echtes Disco-Feeling hätte entstehen können. Die Stimmung war indes riesig. Nicht nur, aber wohl auch, weil G. selber ein wahres Energiebündel ist. Auch wenn er häufiger auf einem Stuhl Platz nimmt, heißt das nämlich nicht, dass seine Show stationär ist. Immer wieder sprang er auf, ruderte mit den Armen, rannte auf der Bühne hin und her und croonte und rappte sich die Seele aus dem Leib. Dazu spielte er dann eine konzentrierte Funk-Gitarre und eine tierisch scharfe Blues-Harmonika, während seine Special Sauce-Mitstreiter Jimi "Jazz Prescott" und Jeffrey "Houseman" Clemens ihn mit tierischen Grooves und knackigen Rhythmen versorgten. Beim letzten Track, dem ziemlich harten "Astronaut" vom neuen Album "The Hustle", schossen sie dabei vielleicht sogar ein wenig über's Ziel hinaus - denn wann hat man schon das letzte Mal einen übersteuerten BASS incl. Feedback gehört? Wenn also jemand den Funk hat, dann ist es G. Love. Aber - und das darf angesichts einer so grandios abwechslungsreichen Scheibe wie "The Hustle" auch mal angemeckert werden: Er hatte leider nur den Funk. Die ganzen Zwischentöne, die Balladen oder die Pop-Nummern der neuen Scheibe wurden gnadenlos zugunsten knackiger Kracher a la "Back Of The Bus" ausgespart. Bis auf den einen oder anderen (dann auch noch für die Verhältnisse zu langen) Blues, gab's kontinuierlich die volle Dröhnung. Nun gut, so sieht sich G. Love eben - die eine oder andere stilistische Verschnaufpause hätte man sich indes dann schon gewünscht.

Dann betrat Jack Johnson die Bühne, schloss die Augen und sang - von wenigen schüchternen Ansagen unterbrochen - unbeirrbar einen seiner Songs nach dem anderen. Das Publikum übrigens auch. Und zwar fast jeden und vollständig. Egal welches der Stücke seiner mittlerweile drei Scheiben der Gute auch anstimmte: Die Fans waren mit dabei. Bei "Bubble Toes" gab's dann sogar ein echtes Duett mit dem Publikum. Vielleicht liegt das einfach daran, dass sich seine einfachen, angenehm groovenden und niemals hektischen Songs bestens zum Mitsingen eignen, vielleicht liegt es daran, dass sie so eingängig sind und nicht einmal der zynischste Kritiker wirklich etwas daran auszusetzen haben dürfte - jedenfalls gelang Johnson das, was vielen anderen eben nicht gelingt: Dass sich das Publikum zu 100% mit der dargebotenen Musik identifiziert. Performance gab es hingegen eigentlich keine nennenswerte. Weder er, noch seine Musiker bewegten sich irgendwie und alle Songs wurden nach dem gleichen simplen Schema dargeboten: Stimme und akustische Gitarre zu höchst reduzierter, organischer Rhythmusgruppe und der sehr zurückhaltend agierende Pianisten Zach als einzige Konzession an das Live-Ambiente. Aber scheinbar reicht das ja auch. G. Love hat da sicher nicht ganz unrecht, wenn er sagt, dass der Mann aus Hawaii da mit seiner natürlichen, zurückhaltenden Art eine Lücke gefunden hat, die in Zeiten von Britney und Co. lange Zeit unbesetzt gewesen war. Jedenfalls war die Stimmung bei Jacks Auftritt mit "heiterer Gelassenheit" nur unzureichend beschrieben. Auch mal schön, dass es hier ein Konzert gab, bei dem keine Ohrenstöpsel von Nöten waren. Zur Zugabe gab's dann noch mal eine Steigerung Jack-Style: Anstatt etwa eins draufzusetzen spielte er solo - was angesichts der aufgewühlten Fans dann ein eher zweifelhaftes Vergnügen war. Unter dem Strich aber war dies dann mit Sicherheit ein Konzertabend, bei dem alle irgendwie auf ihre Kosten kamen - und das ist ja viel Wert.

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Surfempfehlung:
www.jackjohnsonmusic.com
www.jack-johnson.de
www.g-love.com
www.universal-rock.de/g-love
www.donavonf.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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