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Like Birds In The Trees

Ephemera
Anne Marie Vestrheim

Köln, All Area
12.05.2005

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Ephemera
In Japan, so erzählten uns die Mädels von Ephemera vor dem Konzert, seien Fans zu ihnen gekommen, die gesagt hätten, dass die Damen wie "die Vögel in den Bäumen" sängen - was sie besonders liebreizend gefunden hätten. Man muss dafür noch wissen, dass das Trio in ihrer Heimat Norwegen und auch in Japan richtige Stars sind, und somit ein solches Lob somit durchaus Gewicht hat. Es ist aber auch etwas dran: Der ungewöhnlich hohe, tadellos aufeinander eingeschossene Harmoniegesang von Ephemera hat etwas leichtfüßig-ätherisches, das man durchaus mit Vogelstimmen in Verbindung bringen könnte. Was übrigens in keinster Weise abwertend gemeint ist, denn es passt zum ganzen Ephemera Konzept.
Ephemera - die Eintagsfliegen - sind keine Rock-Band im üblichen Sinne. Sie sind auch - trotz der Betonung des stimmlichen Anteils - keine klassische Pop-Band und auch keine echten Singer- / Songwriterinnen, sondern haben sich quasi ein eigenes Genre irgendwo in der Schnittmenge der o.a. Stile eingerichtet. Anders übrigens als der Support an diesem Abend, Heidi Marie Vestrheim. Heidi Marie ist auch eine Songwriterin aus Norwegen, die dort vor kurzem ihre Debüt-Scheibe "Signs And Fiction" veröffentlicht hat, die demnächst auch bei uns erscheinen wird und von der sie zur Einstimmung einige Stücke vortrug. Da ihre Stücke alle recht rationell aufgebaut sind, sich besonders auf den Inhalt konzentrieren und sie sich wohl auch nicht als Virtuosin sieht, kam ihr Auftritt eher als konventioneller Songwriter-Act rüber. Große Melodien sucht man im Oeuvre von Heidi Marie vergebens. Dafür gibt es allerdings jede Menge verschiedene Stile und auch Experimente, wie das nach Ani DiFranco-Art eher perkussiv vorgetragene Stück "Pigs", das sich mit dem Nord-Süd-Gefälle und entsprechenden Gegensätzen in den Lebensgewohnheiten beschäftigt. Das war aber eher die Ausnahme: Heidi Marie ist eher eine Songwriterin, die von persönlichen Erfahrungen zehrt, die sie dann in Situationsschilderungen umsetzt. Obwohl die Sprache dabei zuweilen ein wenig unbeholfen wirkt, und auch ihre Ansagen noch ausbaufähig erscheinen, hat sie dennoch jene Bühnenpräsenz, die man als Solo-Künstlerin einfach braucht, um im Live-Kontext bestehen zu können. Anne Marie ist offensichtlich eine Künstlerin, die ihren definitiven Weg noch finden muss (so spielte sie sowohl ihr allererstes selbstgeschriebenes Stück, bis hin zu Material, das bereits neuer ist, als die noch nicht veröffentlichte CD), jedoch ohne weiteres auch über diesbezügliches Potential verfügt.

Ephemera überraschten dann mit einem Bühnenaufbau, der für ihre filigrane, luftige Musik doch eher überraschte. So gab es neben den von Annika Larsen bedienten Keyboards vor allen Dingen jede Menge Effektgeräte - hauptsächlich für Christine Sandtorvs Gitarre - und ein Glockenspiel, das dann zur Verzierung diverser Tracks hinzugezogen wurde. Die Band - ein Drummer und ein Bassist mit einem sechssaitigen Bass und einem "Polizei"-T-Shirt - arbeitete subtil aber effektiv im Hintergrund und wurde eher punktuell zur Betonung bestimmter Passagen eingesetzt. Wenngleich gesagt werden muss, dass bei diesem Konzert wirklich alles perfekt aufeinander abgestimmt war und es - abgesehen von einem Kabelproblem - auch keinerlei Unstimmigkeiten gab. Gegen Ende des Sets legte die ganze Band stellenweise - z.B. bei dem Track "Tornado" - einen richtigen Rock-Drive mit Jam-Elementen hin. Das war indes eher die Ausnahme. Stücke wie "Capsized", der "Countrysong" oder die Hitsingle "Girls Keep Secrets" sind eher typisch für den Ephemera Sound. Dieser ist nicht dabei nicht unbedingt nur (aber oft) leise und zurückhaltend, sondern vor allen Dingen stets verspielt und vielschichtig. Daran haben besonders die mit enormen Hall-Effekten versehenen, aber sparsam eingesetzten Keyboards einen großen Anteil, mit Hilfe derer die zum Teil vertrackten Arrangements der Scheiben wirkungsvoll emuliert werden können. Ein Großteil des Programmes bestand zum Beispiel aus Stücken des neuen Albums "Monolove", das bei uns erst Mitte des Jahres erscheinen wird. Hier agieren Ephemera noch differenzierter als auf der aktuellen Scheibe "Air" und arbeiten zum Beispiel mit kunstvoll arrangierten Streicherarrangements - die dann im Vergleich beim Live-Vortrag überhaupt nicht zu fehlen schienen. Das zeigt schon, dass die Gewichtung bei den Mädels woanders liegt. Im Zweifelsfall auf dem Song selber und eben dem Gesang. Dieser ist übrigens, wie erwähnt, nahezu makellos, akzentuiert und glasklar - allerdings singen die Damen nahezu konsequent mit geschlossenen Augen, was dann doch ein wenig irritiert. Ansonsten etablierten sich Ephemera auf dieser Tour auch bei uns als durchaus ausgeklügelter, abwechslungreich agierender, origineller Live-Act mit einer geradezu friedvollen Grundtendenz. Es muss ja auch nicht immer Rock-Musik sein. Wut oder Zorn gibt es in der Musik von Ephemera jedenfalls vergebens - eher schon Melancholie oder Verletzlichkeit.

Eigentlich war dies ein sehr schöner, runder und angenehmer Konzertabend. Aber: Dem Club sei mal gesagt, dass die Beleuchtung doch vielleicht auf die andere Seite der Bühne gehört. Jedenfalls sollte es ja üblicherweise so sein, dass die Musiker angestrahlt werden und nicht das Publikum, oder?

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Surfempfehlung:
www.ephemera.no
www.heidimarie.no
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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