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I'm so talking right now...

Shivaree
Schizophon

Köln, Prime Club
16.06.2005

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Shivaree
Der Name Shivaree löst ja hierzulande nicht gerade Assoziationsstürme aus. Das Projekt um Sängerin und Frontfrau Ambrosia Parsley mit der seltsamen Veröffentlichungshistorie (die zweite CD, "Rough Dreams", sah in den USA nie das Licht des offiziellen Vertriebes) ist ja eher Insidern ein Begriff, die auf der Suche nach außergewöhnlichen Stimmen sind, als etwa dem breiten Publikum. Und so hatte sich dann auch eine eher überschaubare Schar von (wahren) Fans im Prime Club versammelt, um den Predigten von Frau Petersilie zu lauschen.
Zunächst aber mal spielten Schizophon aus Köln auf. Schizophon ist eigentlich ein Duo und besteht aus Sängerin Stella und DJ Jens. Hier und jetzt überraschten diese als komplette Band und mit einer gesunden Portion technokratischen Wohlfühlpop. Musik wie diese kann man wohl nur machen, wenn man sonst keine anderen Sorgen mehr hat. Zwar wird diese Mischung aus polternden Rhythmen, knallenden Bassläufen, Heavy Gitarren, multilingualen, quasi-philosophischen Slogans und den blubbernden Zutaten von gleich zwei Macs nicht unbedingt die Welt verändern, aber Spaß machte das schon irgendwie. Nicht zuletzt wegen der Bemühungen von Stella und besonders dann, wenn, wie im Falle von "Infiziert" zum allgemeinen energischen, schweißtreibenden Aktivismus auch noch Melodien oder im Falle von "Wunst" (= Kunst, die man will, aber nicht kann) auch Wortwitz hinzu kamen. Das einzige Problem war dann, dass diese Art von Musik so gar nichts mit dem Headliner des Abends zu tun hatte.

Ambrosia scheint sich irgendwie mit ihrem Status als unterbewertetes Ausnahmetalent abgefunden zu haben, und machte einige dünne Witzchen, die sich auf die geringe Publikumsdichte bezogen und dann schon eher sarkastisch als unterhaltsam klangen. Gleiches galt auch zu ihren Bemerkungen über das (ziemlich laut) brabbelnde Publikum. "Ihr mögt meine traurigen Lieder (wie z.B. "I Close My Eyes) nicht", stellte sie fest, "weil ihr ja dauernd quatscht. Aber das ist mir egal. Das ist ja schließlich eine Bar hier..." Nun, zum Glück haben Shivaree neben der jazzig-bluesigen Balladen heutzutage auch Up-Tempo Stücke wie die haarsträubende Geschichte der "Fat Lady Of Limbourg" im Gepäck. Das rockte dann tatsächlich eher als dass es (wie auf Tonträger) swingte. Dennoch wurde deutlich, dass Shivaree schon lieber vor einem größeren Auditorium aufgetreten wären. Aber vielleicht ist ihre Musik ja auch ein wenig zu speziell? Immerhin muss man sich als Zuhörer schon irgendwie auf die Stimmung einlassen. Und diese liegt - trotz einiger Rock-Elemente - immer noch im Schnittbereich zwischen Jazz, Soul, Gospel, Bues und Country. So richtig locker abfeiern lassen sich die doch eher anspruchsvollen Shivaree-Songs jedenfalls nicht. Hinzu kommt, dass Ambrosia nicht eben leicht zu verstehen ist und konsequent mit geschlossenen Augen singt - was ja nicht gerade den Zugang fördert. Immerhin ist der Sound schon etwas kompakter als auf den eher sparsam arrangierten Tonträgern. Das gilt dann auch für besagte Balladen wie "New Casablanca" oder das als offiziell letzten Titel gespielte "Lost In A Dream", die so konkreter rüberkamen, als etwa die akustischen Studio Versionen.

Allerdings: Ausufernde Jam Sessions durfte man auch wieder nicht unbedingt erwarten. Irgendwie wurde jeder Song kontrolliert und ohne Firlefanz kurz und knapp unter Dach und Fach gebracht. Auch wohl deswegen, weil Ambrosia auf der Bühne nicht so recht weiß, was sie tun soll, wenn sie mal nicht singt. "I am a Bird now" stand auf ihrem T-Shirt. Und auch wenn sich das auf die befreundete Band Anthony And The Jonsons bezog: Irgendwo wirkte Ambrosia beim Singen schon etwas wie ein zerbrechlicher Vogel. Das galt aber NUR für die Gesangsparts, bei denen sie sich mit der zum Trademark gewordenen, leicht ätherischen Stimme in den zuweilen doch recht düsteren Mord- und Totschlag Geschichten auslebte, die das Gros ihrer Songs ausmacht. Ansonsten wirkte Ambrosia alles andere als zerbrechlich. "I'm so talking right now!", wies sie ihren Gitarristen, Duke McVinnie zurecht, als diesem mal ein Feedback entfleuchte, als sie gerade dem Publikum eine Geschichte erzählen wollte. In der erfuhr man dann von ihrer Großmutter, die einen untreuen Liebhaber mit einem Küchenmesser bearbeitete. Wie gesagt: Mord und Totschlag. Diese Story war dann das Intro zu einer dementsprechend düsteren Version von "I Don't Care" von ihrem Debütalbum "I Oughta Give You A Shot In The Head For Making Me Live In This Dump". Dieser Song war neben "Goodnight Moon" aus dem "Kill Bill"-Soundtrack (und dem obligaten Neil Young-Cover zum Schluss) einer der wenigen Tracks aus der Historie. Ansonsten beschränkten sich Shivaree darauf, fast das komplette aktuelle Album "Who's Got Trouble" zu spielen. Neben Danny McGough, dem dritten festen Mitglied von Shivaree, der die ganze Show fast ausschließlich mit einem fetten Orgel-Sound begleitete, gefiel hierbei besonders der von der Joe Jackson Band bekannte Graham Maby am Bass. Nachdem Ambrosia sich dann noch ausführlich über das lokale Bier (Zunft Kölsch) informiert hatte, ging der Abend dann nach etwas über einer Stunde relativ schnell zu Ende. Festzuhalten wäre noch, dass das rein musikalisch schon ein recht brillantes Konzert war - einfach deswegen, weil die Stücke mit wesentlich mehr Bestimmtheit dargeboten wurden, als auf der Scheibe. Allerdings ließ die merkwürdige Stimmung zwischen Selbstverliebtheit und Defätismus keine richtig ausgelassene Begeisterung zu (einmal abgesehen von den wenigen Passagen, wo es etwas zum Mitsingen gab). Eher, so scheint es, ging dies als Shivaree-Arbeitssieg durch.

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Surfempfehlung:
www.shivaree.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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