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Konzert-Bericht
 
Das Herz einer Boxerin

Aimee Mann

Bonn, Museumsmeile
04.07.2005

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Aimee Mann
Also, ob das mit einem Fotopass klappen würde, sei fraglich, meinte das Label im Vorfeld, denn die gute Aimee lasse sich nicht gerne fotografieren. Dabei gibt es dafür doch nach wie vor keinen gewichtigen Grund: Als Live Performerin macht Aimee Mann nach wie vor eine ausgezeichnete, elegante Figur. Auch wenn sie niemals müde wird zu betonen, dass sie ja nunmehr das Boxen angefangen habe: Sehen kann man das zum Glück nicht. Für ihre Verhältnisse geradezu heiter und gelassen und mit einer bemerkenswert cool agierenden und exzellent aufspielenden Band im Rücken leitete Aimee an diesem Abend das Publikum durch die Geschichte ihres neuen Konzeptalbums "The Forgotten Arm". Darin geht es um die Geschichte eines typischen Aimee-Mann-Pärchens - dem "King Of The Jailhouse" (zufälligerweise auch ein Boxer) und der "Queen Of The Road". Auch der Titel des Albums, der eine Figur aus dem Boxsport bezeichnet, ist dem Genre entlehnt: Aimee nimmt das offensichtlich schon sehr ernst.
Die Geschichte, so erfuhren die Fans, wird zwar nicht chronologisch erzählt, sondern schlängelt sich mit allerlei Höhen und Tiefen vor sich hin, hat aber durchaus einen Anfang und ein Ende - und das ist dann sogar das einzige Happy End, das Aimee bislang zustande gebracht hat, wie sie leicht ironisch, aber nicht ohne Stolz vermeldete. Außer den neuen Tracks spielte Aimee fast nur noch die Titel des "Magnolia"-Soundtracks - was ja gewissermaßen Sinn macht, denn auch hier geht es ja um ein Konzept. Da gab's dann also keine Überraschungen. Aber Überraschungen sind ja auch nicht das, was ein Aimee Mann-Konzert so ausmacht: Hier geht es ja doch eher immer nur um die Songs und Aimees Stimme. Und hier wurde auch gepunktet: Wem etwa die seltsame Ping-Pong-Stereo Manier, mit der Joe Henry das "Arm"-Album zurechtproduzierte (es sollte ja ein gewisses 70s-Feeling haben) nicht so sehr gefällt, der wurde hier mit straighten Versionen der Stücke beglückt, die allesamt durch das No-Nonsense-Live-Treatment gewannen. So wurde das Prinzip der Konserve - eine Band und ihre Songs - auf die Spitze getrieben, nur halt ohne soundtechnische Oddities. Das ging sogar so weit, dass nahezu ganz auf Effekte verzichtet wurde und dafür lieber mal die Instrumente gewechselt wurden. Gitarrist Julian Coryell ließ sich z.B. zu nahezu jedem Track eine anders klingende Gitarre reichen, Bassist Paul Bryan (der auch Aimees Sparring-Partner beim Boxen ist und dem es nichts ausmacht, Mädchen zu hauen, wie Aimee verriet) spielte hin und wieder einen obskuren Vox-Bass mit einem ungewöhnlichen Sound und Aimee selber wechselte munter zwischen akustischer Gitarre, Bass sowie je einmal Piano ("King Of The Jailhouse") und E-Gitarre ("Driving Sideways") hin und her. Dadurch ergab sich ein sehr abwechslungsreiches Klangbild, das - zusammen mit Jebin Brunis dieses Mal eher zurückhaltender Keyboard-Akzente - stets die jeweiligen Stärken der Songs betonte.
Bislang hatte Aimee ja immer Schwierigkeiten gehabt, aus den doch ziemlich durchorganisierten Mini-Dramen so etwas wie gangbare Live-Versionen herauszukitzeln, so dass Aimee Mann-Konzerte immer so ein wenig der Ruch der Jukebox-Veranstaltungen angehaftet hatte. Jetzt scheint sie ein Rezept gefunden zu haben, das schlicht darin besteht, die Stücke nach dem eigentlichen dramaturgischen Ende noch ein wenig weiterzuspielen, noch mal 'ne Strophe dranzuhängen, und dann auch ihren Musikanten Raum zur Entfaltung zu geben. Ihrem Grinsen nach zu urteilen, scheint ihr das auch Spaß zu machen. Und so kam man dann hier erstmals in den Genuss von Jam-Session artigen Passagen bei einem Aimee Mann-Konzert. Nun ja, das mag vielleicht ein wenig übertrieben sein, aber "Sugar Coated" oder die allerletzte Zugabe, "Deathly", waren definitiv "richtige" Live-Versionen mit ausufernden, psychedelisch anmutenden Gitarrensoli und jeweils fulminanten Finalen. "Deathly" war - neben einer leicht folkigen Version von "Little Bombs" - auch das einzige Stück, das wesentlich von der Studio-Fassung abwich. Cover-Versionen verkniff sich Aimee dieses Mal (sieht man mal von Nilssons "One" ab, das Aimee auf dem "Magnolia"-Soundtrack aber für alle Zeiten zu ihrem Stück gemacht hat). Dafür gab's im Zugabenblock "4th Of July" von ihrer ersten Solo-Scheibe "Whatever" (weil es nun mal der vierte Juli war) und im Mittelteil "Amateur" von "I'm Stupid". Außer dem Umstand, dass das Konzert bereits um kurz nach neun zu Ende war und damit für viele der Fans, die sich vielleicht die teuren Kategorien im bestuhlten Auditorium ausgesucht hatten, entschieden zu kurz gewesen sein dürfte, gab es an diesem Konzertabend absolut nichts auszusetzen. In entspannter Atmosphäre und bei kurfristig angesetztem schönen Wetter spielte Aimee Mann einige ihrer schönsten Songs. Was will man mehr?

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Surfempfehlung:
www.aimeemann.com
de.v2music.com/site/act.asp?ID=83
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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