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Sturmgeflüster

Walkabouts
Transmissionary Six

Amsterdam, Melkweg
29.08.2005

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Walkabouts
Chris Eckman hatte uns ja schon vorgewarnt: Die neue Scheibe, "Acetylene", würde auf der laufenden Tour mit Sicherheit komplett gespielt werden - denn dafür sei sie ja geschrieben worden, und auch der Rest sollte im "Rockmodus" gebracht werden. Ohrenstöpsel waren also angesagt. (Obwohl der Melkweg Club eine Dezibel-Begrenzung hat, da er mitten in einem Wohngebiet liegt.) Die Ohrenstöpsel durften aber zunächst einmal draußen bleiben, denn die Show eröffneten The Transmissionary Six - was sich ja anbot, da Terri Moeller ja schließlich in beiden Bands zu finden ist. Und nein - es mache ihr gar nichts aus, jeden Abend zwei Sets zu spielen, verriet sie uns vor der Show - nur mit dem Jet-Lag habe sie noch immer zu kämpfen.
Die Show in Amsterdam war erst die vierte der Tour (inkl. eines Geheim-Gigs in Beverungen). Transmissionary Six traten zu dritt an: Neben Terri und Ehemann Paul Austin war noch John Hyde an der E-Gitarre (und als Harmoniesänger dabei). Das war's dann aber auch schon: Es gab weder Drums noch Bass noch irgendwelche Effekt-Teufelsmaschinen, sondern nur ruhige, melancholische, melodische - und schöne - Songs. "Das erste Mal, wenn die Leute abends ein Schlagzeug hören, sollte das bei den Walkabouts sein", erklärte uns Paul das Konzept, "weil wir doch sehr ruhig spielen, wird die Überraschung dann um so größer sein. Und meinen Sampler habe ich zu Hause gelassen, weil mir doch mittlerweile klar geworden ist, dass es mir mehr Spaß macht, damit herumzuspielen, als dem Publikum, sich das anzuhören." Auch wenn John Hyde das etwas anders sah, und meinte, einige gezielte Effekte seien schon wichtig, ging das Konzept unter dem Strich jedenfalls auf: Ohne die Sound-Experimente, die sich auf den regulären Alben von T6 befinden, kamen die Tracks allesamt intensiver und emotionaler rüber als bislang. Da hilft es sicherlich auch, dass Paul und Terri als Songwriter immer besser werden. Zeugnis davon legt die neue Mail-Order-Only Scheibe "05.21.05" (weil sie an diesem Tag live im Studio eingespielt wurde) ab: Von dieser CD spielten T6 gleich vier neue Songs und das waren die Höhepunkte des 40-minütigen "Warm-Up Sets".
Und dann ging's los: Von den ersten Takten von "Fuck Your Fears" an wurden die Regler hochgefahren und in dieser Stellung belassen - bis auf eine in dem Zusammenhang ebenso überraschende wie notwendige Verschnaufpause in Form von "The Light Will Stay On" und des ewigen Walkabouts-Klassikers "Last Train To Mercy" in der Mitte der Show - wieder mal in einer überarbeiteten Fassung. "Das Stück ist so einfach, dass wir es immer wieder neu erfinden können", verriet Chris Eckman nach der Show das Rezept. Die Stücke, die nicht vom neuen Album stammten, passten dann zumindest von der Geisteshaltung zum neuen Material: "Jack Candy" gab es in einer leicht verschleppten Version, "Grand Theft Auto" - wie gewohnt straight und natürlich laut, "Good Luck Morning", erstaunlicherweise der einzige Track von "Setting The Woods On Fire" sowie die "Bonus Tracks": Eine schnittige Version des Uralt-Stückes "Still Ashes Burn" sowie eine Coverversion des Buzzcocks-Stücks "Something's Gone Wrong Again" - "...für alle Punks im Publikum", wie Chris meinte, "oder zumindest die, die eine Sicherheitsnadel dabei haben." Überraschend war also nicht so sehr, was die Walkabouts spielten, sondern wie sie es taten. Alle Anflüge von Tristesse und Trip-Hop Ästhetik, die in den letzten Jahren Usus geworden waren, schienen verflogen und vergessen. Die Tracks von "Acetylene" (oder C2H2, wie der Aufkleber auf den Walks-Gitarren belehrte) machten in diesem Zusammenhang tatsächlich noch mehr Sinn als auf der Scheibe. Kaum eine Gelegenheit wurde ausgelassen, die Stücke aufzubohren und mit Soli und unerwarteten Keyboard-Parts von Glenn Slater (Piano bei "Good Luck Morning", Orgel bei "Light Will Stay On" sowie des Öfteren analoge Synthie Sounds, die Chris Eckman gar an Pere Ubu erinnerten) aufzuwerten und alle Beteiligten - allen voran natürlich die Rock-Fans Bassist Michael Wells und Keyboarder Glenn Slater (der seine Haare entgegen anders lautender Gerüchte übrigens freiwillig abrasiert hatte). Der Sound war folgerichtig rauh, ruppig und greifbar. Richard Thompson, der zeitgleich im Saal nebenan ein Solo-Set spielte, wird jedenfalls seinen Spaß daran gehabt haben. Auch Carla Torgerson war kein Kind von Traurigkeit, fand sich ganz gut in der Rockband Walkabouts zurecht und steuerte manches Feedback bei. "Ich weiß gar nicht, wann er zuletzt diese Gitarre gespielt hat", meinte Carla dann, als Chris immer wieder seine Gibson herauskramte, um richtig die Sau rauszulassen. Nachher verriet er es uns: Nahezu zehn Jahre war es her - und selbst da waren die Walkabouts nicht so rockig wie auf dieser Tour - denn bei der Tour zu "Setting The Woods On Fire" gab es ja zum Beispiel immerhin einen versöhnlichen Akustik-Teil. Auch wenn Chris anschließend meinte, die Band sei sicherlich noch steigerungsfähig und habe an diesem Abend nicht ihr Optimum erreicht (weil alle den ganzen Tag durch Amsterdam gelaufen waren): Diese Show war ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man eine perfekte Rock-Show aufzieht - ohne dabei zu langweilen. Nicht nur für die Fans scheint also diese Walkabouts Tour zu einer aufmunternden Frischzellenkur zu geraten...

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Surfempfehlung:
www.thewalkabouts.com
www.transmissionarysix.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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