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Konzert-Bericht
 
Verjüngungskur

Katie Melua
Ira Losco

Bonn, Museumsmeile
02.09.2005

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Katie Melua
Nun, bald hat Katie Melua mit 21 ja das Alter erreicht, in dem sie in den USA sogar offiziell Alkohol trinken dürfte. Zeit also, sich ein wenig abzunabeln. Entstanden die Songs des kommenden Albums "Piece By Piece" noch mit der "alten" Besetzung, so wurde die Live-Band deutlich verjüngt. Es hatte ja durchaus irgendwie etwas cooles, wenn bei Cover-Versionen von Klassikern wie "On The Road Again" oder "I Put A Spell On You", die beide auch beim Bonner Konzert wieder gegeben wurden, Musiker auf der Bühne standen, die altersmäßig durchaus auch bei den Originalaufnahmen dabei gewesen sein hätten können. Andererseits wirkte es doch ein wenig befremdlich, dass Mike Batt, Jim Cregan oder Henry Spinetti durchaus auch Katies Großväter hätten sein können (und das sagte Henry Spinetti selber!). Und so wird Mike Batt dann künftig eher hinter den Kulissen die Strippen ziehen, während an seiner Stelle ein jüngerer Pianist Platz nimmt, während Jim Cregan durch einen neuen Gitarristen namens Justin ersetzt wurde - der ganz nebenbei auch keine Scheu vor E-Gitarren zu haben scheint.
Eröffnen durfte das Konzert - wie schon des Öfteren - Ira Losco aus Malta. Anders als die Beangrowers - Maltas anderer musikalischer Export - stammt Ira eher aus der Sparte der gepflegten Unterhaltungsmusik. Das merkte man der jungen Sängerin, die professionell vom Schlager-Altmeister Jack White betreut wird, dann auch irgendwo an. Mit einer akustischen Band im Rücken arbeitete sie sich durch ein solides Programm mit eigenen Stücken und Cover-Versionen - z.B. "Sweet Child O' Mine" oder "Time After Time" - die eines gemein hatten: Sie wurden alle kompetent, aber ohne jedwede Spannung, Risikobereitschaft oder gar Schweißeinsatz umgesetzt. Die Band spielte sauber und unaufgeregt und Ira sang dazu technisch adäquat aber mit begrenztem Stimmumfang und ein paar Manierismen zu viel. Das war angenehm zu konsumierende Mainstream-Mucke, die niemandem weh tat aber auch niemanden aufregte. Trotzdem kam das beim altersmäßig bunt gewürfelten Publikum gut an. Ira Losco wurde noch einmal zu einer Zugabe herausgeklatscht und spielte - wohl mangels anderen Materials - ihre Pop-Single "Love Me Or Leave Me" ein zweites Mal. Anerkennend erwähnt werden sollte noch, dass die Künstlerin sich in der Umbaupause die Mühe machte, den Fans in der ersten Reihe Autogramme auszustellen.
Pünktlich um 20 Uhr begann dann Katies Show mit dem schon erwähnten "On The Road Again". Das spielte sie ja bereits auf der letzten Tour und auf der kommenden CD ist dieser Track auch enthalten. Im Vergleich zum letzten Versuch geriet diese Nummer - wie auch so einige andere - ein wenig lebhafter. Das unter anderem auch deshalb, weil das neue Line-Up dieses Mal keinen zweiten Keyboarder enthielt. D.h.: Es wurde gar nicht erst der Versuch gemacht, die Opulenz der orchestrierten Arrangements der Scheiben zu reproduzieren. Was als Pluspunkt gewertet werden muss, da so Katies Stimme noch mehr Raum gegeben wurde. Denn machen wir uns nichts vor: Katie hat zwar eine Menge Sustain - d.h. Durchdringungsvermögen -, kann aber gegen eine Rockband bzw. eine üppige Soundwand nicht ansingen. Dafür gibt's ja durchaus andere Stärken - wie z.B. die, aus sparsamen Solo-Nummern mit ebenjener Stimme das Optimum herauszuholen. Die diesbezüglich vorgetragenen Tracks gehörten denn auch zu den Höhepunkten der Show. "Lilac Wine" z.B. - für das sie sich beinahe entschuldigte, weil es eben schon viele definitive Versionen von diesem Stück gibt, "I Think It's Going To Rain Today" - zur Solo-Piano Begleitung oder das Titelstück der neuen CD, "Piece By Piece", das Katie fast verstohlen als Zugabe hinterherschickte. Natürlich waren die neuen Stücke durchaus von Interesse, wurden jedoch eher beiläufig eingestreut. Wohl einfach deswegen, weil die Scheibe ja noch nicht draußen ist. Dennoch darf angemerkt werden, dass sich Katie hier nicht nur als Interpretin, sondern auch als Songwriterin als erstaunlich gereift präsentierte. Wenn man bedenkt, dass Katie ja erst seit drei Jahren bei der Sache ist, sind Stücke wie das melodisch hochinteressant konstruierte "Spider's Web" oder das mit erstaunlichen Harmonien aufwartende "Piece By Piece" doch Stücke, die vom songwriterischen Standpunkt aus durchaus beeindrucken. Dass die Texte dabei noch Entwicklungspotential haben, ist auch Katie klar. So erläuterte sie den Inhalt von "Spider's Web" und räumte ein, dass die Klaviertasten als Metapher für die Komplexität des Lebens doch ein wenig banal seien. Aber hey: Das haben Paul McCartney und Stevie Wonder sogar irgendwie noch platter hinbekommen! Zeit für eine gewagte These: Katies Musik wird von vielen ja als banaler Mainstream abgetan, für den man gar nicht erwachsen genug sein kann - aber unter dem Strich wäre es doch mal zu wünschen, dass z.B. den großen Stimmen der "ernsthaften" Underground Szene (Neko Case, Hope Sandoval, Chan Marshall usw.) hin und wieder Songmaterial zur Verfügung stünde, wie jenes, das Katie Melua sich da aus der Gitarre leiert.

Letztlich zeigte sich bei den neuen Tracks - zu denen auch noch "Nine Million Bicylces" gehörte wie auch "Just Like Heaven", den Titelsong des gleichnamigen US-Films mit Reese Witherspoon, der im Herbst anläuft und ganz zufällig neben "Love Cats" eine weitere Cure-Coverversion ist. Anders als das ziemlich straight gespielte "Love Cats" (das immer noch als eine der wenigen Up-Tempo-Nummern herhalten muss), gab's hier auch wieder einige harmonische Überraschungen, die für Katies empathische Art sprechen, mit Cover-Versionen umzugehen. Obwohl es da bei der Auswahl doch manchmal Fragezeichen gibt - weil sie (z.B. "Spell" oder "My Aphrodisiac Is You") einfach vom Typ her nicht zu einer zierlichen, lockenköpfigen Sängerin passen. Als Bonbons gab's noch einen Georgischen Folk-Song - frenetisch bejubelt von einigen fahnenschwingenden Landsleuten (d.h.: Jetzt nicht mehr - Katie ist seit kurzem britische Staatsbürgerin) und ein Kopfnicken an die nach wie vor solide Rhythmus-Gruppe mit Herny Spinetti und Bassistin Lisa Featherstone, die bei "Love Cats" beide kurze Soli spielen durften. Ein Aspekt, der das eigentlich positive Gesamtbild der Show ein wenig minderte, war dann allerdings der neue Pianist. Man kann ja Mike Batt vorwerfen was man möchte, aber bei Live-Konzerten verstand er es stets, seine Vorlieben für Opulenz und Dramatik zu unterdrücken und einen leichtfüßigen, jazzigen, und im entscheidenden Moment unspektakulären Stil hinzulegen. Nicht so der neue Mann namens Jim: Der legte eine Hotelbar- bzw. in den schlimmsten Momenten eine operettenhafte Kaffeehaus-Attitüde an den Tag, die doch bei einigen Passagen in die Nähe der Parodie rückten. Unter dem Strich aber zeigte sich Katie Melua in dieser neuen Phase genau an der Position, an der sie Mike Batt bereits bei Beginn des ganzen Unternehmens sah: Als eine Künstlerin, die sich langsam aber stetig weiterentwickelt, ohne auf ihre eigenen Qualitäten zu verzichten. Der Erfolg gibt ihr sicher recht. Auch ohne laute Gitarren.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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