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Konzert-Bericht
 
Countrygirl

Maria Solheim
Der Automat

Hamburg, Knust
23.09.2005

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Maria Solheim
Jener Automat, der für Maria Solheim das Vorprogramm im Hamburger Knust bestritt, ist zum Glück kein solcher, sondern ein energiegeladener, kurzweiliger, hanseatischer Entertainer, der sich als "sowas ähnliches wie einen Songwriter" sieht. Bewaffnet mit einer akustischen Gitarre und einer Multimediaanlage in Form eines Diaprojektors, auf dem illustrierenderweise unscharfe, schlecht sortierte, aber spaßige Familiendias eingeblendet wurden, arbeitete er sich durch sein Programm, das aus wortreichen, kurzweiligen Gitarrenpop-Songs über Themen wie "Sommerreifen" oder "Trabrennbahnen" bestand. Dazu imitierte er ganze Instrumentenwelten - vom Schlagzeug über den Bass bis zur E-Gitarre und erzählte dazwischen kurzweilige Stories über Tante Erna und Onkel Hermann, die auf den besagten Dias zu sehen waren. Das war dann alles recht kurzweilig und lustig - nur ein wenig lang, denn die Sache ging erst um halb zehn los und zog sich dann doch ziemlich dahin. Und wenn die Trabrennbahn musikalisch mal nicht sehr direkt von Jack Johnson beeinflusst war...
"Wir sind jetzt einfach mal hergekommen, um euch ein paar neue Songs und ein paar alte Songs mit neuen Arrangements vorzuspielen", erklärte Maria Solheim dann nach einer kurzen Umbaupause den zweiten Abschnitt ihrer Tour zur aktuellen Scheibe "Frail". Die neuen Stücke hatte Maria ja prinzipiell bereits bei einigen Auftritten früher im Jahr vorgestellt - doch wollte sie ihr Programm nun offensichtlich nicht einfach wiederholen. Gleich der erste Track, "Take My Heart Away", war in seinem neuen, folkseligen Arrangement kaum wiederzuerkennen. So etwas ist natürlich schon sehr anerkennenswert. Als Mittel der Wahl hatte sich Maria hierfür die Country-Musik ausgesucht. Das war dann indes halb so schlimm, wie es sich anhören mag: "Während ich zu Hause aufwuchs, hörten meine Eltern sehr viel Country-Musik", erklärte Maria ihre Hinwendung zu dem neuen Medium, "wodurch ich dann einen Hass auf diese Musik entwickelte. Bis ich schließlich selber aufgewachsen war und nun für mich entdeckte, wieviel Schönheit in dieser Musik steckt." Und um ganz ehrlich zu sein: So richtig waschechten Country spielte Maria dann natürlich doch nicht. Es waren eher folkige Gitarrenakkorde und eine leichtfüßige Rhythmik, die für Abwechslung sorgte - sowie mal ein lustig dahinmarschierender Bass hier und vor allen Dingen Multiinstrumentalist Tor Egils Banjo da - das der langjährige Wegbegleiter (und Marias rechte Hand) heutzutage immer öfter in den Vordergrund stellt und auch entsprechend zu bedienen weiß. Wie gewohnt trat Maria im bewährten Trio-Format ohne störenden Drummer an, so dass die Sache dann alleine mit den erwähnten Zutaten auskommen musste.
In diesem Gewande gefielen dann gleichermaßen "Klassiker" wie z.B. "Smile", die Coversion eines Gospel-Stückes, welches das erste war, das Marias Vater sie gelehrt hatte, sowie ein neuer Song mit dem Arbeitstitel "I Need You Now". "Das Stück ist so neu, dass ich eine Strophe zwei Mal singe", erklärte Maria gutgelaunt, "aber ich glaube nicht, dass ihr das merken werdet." Was nun die Sängerin und Performerin Maria Solheim betrifft, so gab es gleich mehrere Fortschritte zu vermelden. Marias Intonation erinnert z.B. heutzutage dann doch zuweilen ein wenig an Björk - zumindest, was das dynamische Herausbellen gewisser kieksend besonders betonter Passagen betrifft. Nicht ganz ohne Folgen: Gegen Ende der Show drohte gar ihre Stimme zu verschwinden. Jedenfalls war diese Show überhaupt nicht zu vergleichen mit den flüsternd dahingehauchten Kabinettstückchen auf der letzten Tour. Obwohl es natürlich nach wie vor nicht so richtig laut wurde. "Mir ist schon klar, dass das kein Rock-Konzert ist", meinte Maria dann auch erklärend, "wenn ihr also schlafen möchtet, dann tut das ruhig. Mir passiert das auch manchmal fast." Die kokett zwischen den Stücken eingeflochtenen Ansagen gewinnen dabei zusehends an Souveränität - auch wenn sie dabei immer noch gerne mit dem Image des schüchternen kleinen Mädchens spielt, sich ständig am Röckchen zupft und verlegen von einem Bein aufs andere tänzelt. Was indes bei anderen vielleicht peinlich wirken könnte, nimmt man Maria Solheim immer noch ohne weiteres ab, denn es passt alles zum Gesamtbild. Marias Konzerte verlässt der Zuhörer jedenfalls mit einem Lächeln - und das ist ja viel wert! Eine neue Scheibe ist auch bereits im Blickwinkel. Zur Zeit schreibt Maria gerade neue Stücke, die sie dann im Januar nächsten Jahres einzuspielen gedenkt. Bis dahin sollte man sich indes nicht die Gelegenheit entgehen lassen, diese alternative Country-Maria auf dieser Tour neu für sich zu entdecken.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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