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Konzert-Bericht
 
Don Quijote

Chris Cacavas
Sid Hillman

Köln, Gebäude 9
29.09.2005

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Chris Cacavas
Es ist ja selbst für etablierte Acts ein Wagnis, sich ohne aktuelle Scheibe auf Tour zu begeben. Wenn dann noch der Umstand hinzukommt, dass es, wie an diesem Tage, den Wintereinbruch mit kühlen Temperaturen und Regen zu begießen gibt, dann kann man nur den aufrechten Mut von Künstlern wie Chris Cacavas und Sid Hillman bewundern, die dann trotzdem ihr Programm durchziehen. Denn beinahe selbsterklärend hatte sich nur die Hand voll unentwegter Fans eingefunden, um das Konzert der beiden Barden zu begutachten. Machen wir uns nix vor: Auch wenn Chris sich seit einiger Zeit bemüht, von seinem alten Image als Neil Young-Clone bzw. melancholischer Songwriter zu lösen, in dem er Töne anschlägt, die auch bei angesagten Bands aus den Charts zu finden sind - so richtig hip wird der Gute wohl nicht mehr werden.
In besonderem Maße gilt das auch für den Support des Abends, Sid Hillman, der sich noch mehr der traditionellen Americana verpflichtet fühlt als Cacavas; der das Thema nun abgehakt zu haben scheint. "Schön, dass ihr gekommen seit", begrüßte Hillman - offensichtlich mit guter Miene zum bösen Spiel - die paar aufrechten Gesellen, die sich im Dunkel des Gebäude 9 versammelt hatten (Mädels-Musik ist das natürlich auch nicht, was die Herren da machen), "ich komme aus LA und da geht bei Regen nie jemand vor die Tür." Was ja auch nicht so oft vorkommt. Es galt also quasi im übertragenen Sinne gegen den Regen anzuspielen. Das erledigte der Mann ernsthaft und ordentlich, indem von seinen hier offiziell erschienenen CDs vorspielte und noch ein wenig aus der Mottenkiste und der Werkstatt vortrug. Allerdings fehlte bei der Sache dann doch etwas sein Quartett, das er aus Kostengründen nicht hatte mitbringen können, wie er wehmütig erläuterte. So ganz ohne Band, nur mit E-Gitarren-Akkorden untermalt, waren Hillmans Balladen dann doch ein wenig eintönig. Wenngleich man das keinesfalls den Songs selber oder seinem Gesang anlasten konnte! Und eine Überraschung hatte sich Hillman noch aufgespart: In der Kölner Fußgängerzone habe er einen griechischen Ziehharmonika-Spieler aufgetan, der ihm so gut gefallen habe, dass er ihn gleich zum Konzert mitgenommen habe. Natürlich war dies niemand anderes als Meister Cacavas persönlich, der Hillman zu eher verträumten Tracks wie "Dream Your Life Away" auf dem Quetschebüggel begleitete und gesangstechnisch unterstützte, was dann tatsächlich eine gewisse mediterrane Note herbeizauberte.
Nach einer viel zu langen Pause (wozu soll so etwas eigentlich gut sein?) betrat dann Chris Cacavas mit den beiden Mitstreitern seines Orchesters die Bühne - und kämpfte dann stoisch wie Don Quijote gegen alle Unbilden an. "Heute Abend gibt's neue Songs und neue Songs und dann noch ein paar neue Songs", meinte Chris in seiner typisch staubtrockenen Art, "was meint ihr, sollen wir diesen neuen Song spielen? Der nächste Song ist jedenfalls ein neuer Song." Damit hatte wirklich jeder begriffen, was der gute vor hatte und brauchte sich auch nicht zu beklagen, dass man die von der Konserve bekannten Töne quasi suchen musste ("Already Gone", "Stupid" u.ä.)- und dann auch dann noch ziemlich verfremdet vorfand. Dass Chris auf seinen Gitarristen Jason Victor verzichten musste (der bereitet sich gerade auf die Tour mit einem seiner anderen Chefs, Steve Wynn, vor), stellte sich dabei sogar noch als Pluspunkt heraus. So inspiriert hatte man Cacavas als Gitarristen schon lange nicht mehr erlebt. Dabei ging es keineswegs um Virtuosität oder gar Geschwindigkeit, sondern um einen Weg, links von der Mitte neues Terrain zu finden. Seine Effektgeräte beherrscht Chris heutzutage sehr gut (das war ja nicht immer so) und die Art, ungewöhnliche Harmonien und halbschräge Melodie-Ornamente aus seinem Instrument herauszukitzeln, erinnerte in der hier präsentierten unsteten aber genialischen Art sogar ein wenig an die inspirierteren Momente etwa eines Steve Malkmus. Dass Cacavas heutzutage von typischen Americana-Klischees weg möchte, ist ja bereits bekannt und dass er dabei dann auf eher straighte Rockmusik zurückgreift, die - was die Stimmungslage, nicht den Sound, betrifft - an die Grunge-Idylle der frühen 90er erinnert, ehrt ihn sehr. Vermutlich dennoch, ohne ihm Lorbeeren einzuspielen. Denn wenn Erwachsene diese Art von Musik spielen, wird ihnen das ja nicht so richtig abgenommen. Obwohl sich Cacavas damit - wie auch viele Kollegen seiner Zunft (von den Walkabouts über die Willard Grant Conspiracy bis hin zu Steve Wynn) auf seine Art zu seinen ursprünglichen Wurzeln zurückbewegt. Jedenfalls reiht sich Chris Cacavas in die Riege jener etablierten Musiker ein, die zu dem Schluss gekommen sind, dass in Zeiten wie diesen in der straighten Rockmusik zumindest für den Moment das Heilmittel zu finden ist. Cacavas neue Songs wie "Disarray" oder "I'm Not There" sind dabei übrigens teilweise recht brillant - denn er bleibt bei dem Bemühen sich weiterzuentwickeln sich selbst immer auch irgendwo treu - und sollten auf jeden Fall einmal den Weg auf einen Tonträger finden.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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