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Konzert-Bericht
 
Pop Muzak

Gus Black
Roachford

Bonn, Harmonie
20.10.2005

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Gus Black
Ehrlich gesagt war "Pop Muzak" nur der Titel des gleichnamigen Songs, den Roachford in seinem Set spielte. Irgendwo fehlte bei dieser Kombination der aktuellen Crossroads-Reihe nämlich das verbindende, themengebende Element, mittels dessen Gus Black und Andrew Roachford etwa zusammen in eine Schublade hätten gedrückt werden können. Außer vielleicht, dass beide Act bestens unterhielten - auf ihre jeweils spezifische Weise.
Gus Black entpuppt sich immer mehr als Mann der Widersprüche. Rewind: Bei seiner ersten Promo-Tour präsentierte er sich als nachdenklicher, ernsthafter Gesprächspartner, der indes eine leichtfüßige, poppige Songwriter-Scheibe präsentierte. Beim zweiten Besuch zeigte er sich als gutgelaunter, unterhaltsamer Plauderer, der dann aber von der gar nicht lustigen, frustrierenden Trennung von seiner Frau berichtete, die er soeben in nachdenklichen, düsteren, ja desolate Rocksongs verpackt hatte. Diese interpretierte er dann wieder bemerkenswert fröhlich bei der anschießenden Release-Party. Der Auftritt in Bonn - mit Band - zeigte Gus nun von allen Seiten. Zunächst begann er das Set betulich mit Solo-Tracks wie dem Titeltrack seiner aktuellen Scheibe "Autumn Days", bevor sich bei "Long Beach" dann seine Band hinzugesellte. Und damit wurde es dann selbstredend lauter - und rockiger. Zwar schlug sich Gus' Hobby - die Hardrock Musik - erst zum Schluss mit einem Van Halen-Cover (inkl. angedeuteter Neil Young-Zitate) so richtig nieder, aber mit seinen Jungs im Rücken entpuppte sich Gus mehr als Rocker denn als nachdenklicher Poet oder gar als Pop-Fuzzi. Das ging schon gut los, was die Herren da auf's Parkett legten und steigerte sich auch zusehends. Nicht nur, dass Gus im zweiten Teil von der akustischen auf die E-Gitarre umstieg und sich gar Duelle mit seinem Guitarrero Luther Russel lieferte, sondern auch dahingehend, dass die Setlist aufgemischt wurde, als mit einer epischen und mitreißenden Live-Version von "Cadillac Tears" der Höhepunkt erreicht wurde. Statt der geplanten Balladen wurden Gassenhauer vom Schlage "Certain Kind Of Light" oder das gekonnte R.E.M.-Cover "You Are The Everything" eingestreut, die das Publikum noch mal so richtig zum Mitgehen animierten. Eine Eigenschaft, die Gus aufgrund seiner CDs oft angedichtet wird - "verträumt" nämlich -, suchte man hier zum Glück vergeblich. Gus steht als Musiker mit beiden Beinen fest auf dem Boden, weiß was er will (auf jeden Fall kein Weichei sein) und vermag die nach wie vor vorhandenen Sentimente zur richtigen Zeit dennoch gekonnt an den Mann (oder besser: Die Frau) zu bringen. So sorgten bei den Zugaben wieder die nachdenklicheren Töne, wie z.B. bei dem bitterbösen Abrechnungs-Traktat "Devil's Spine", für Ordnung, bevor dann mit Van Halen noch mal so richtig die Post abging und Gus das Publikum bat, durch Mitsingen zusammen einen kitschigen Rock-Konzert Moment zu erzeugen. Black überzeugte in Bonn als Allround-Könner mit dem Herz am rechten Fleck.
Roachford - der Mann mit "einer der schönsten Stimmen des Business", wie Rembert Stiewe einleitend bemerkte - war Mitte der 80er auf dem besten Wege, mit seinem cleveren Soul-Pop die Karriere seines Lebens zu machen. So lange, bis ihn dann Kollegen wie Terence Trent d'Arby, Seal oder Lenny Kravitz links und rechts überholten und ihn erfolgstechnisch in die Warteschlange schoben. Bis ihn dann vor einiger Zeit ausgerechnet Mousse T. reanimierte - was dann letztlich zum oben angesprochenen "Pop Muzak" führte und dann im neuen Album "Word Of Mouth" gipfelte, das er hier und jetzt vorstellte. Dazu hatte sich Roachford eine Band aus routinierten Cracks zusammengestellt - unter anderem mit Gabriel Gordon an der Gitarre -, die bestens geeignet war, seinen lebendigen, impulsiven und unterhaltsamen Vortrag mit Leben zu erfüllen. Nach einem dramatischen Intro, dem neuen Track "River Of Love" und einem gelungenen Gag auf Kosten von Angela Merkel ("Noch beklagt sich ja niemand - das kommt aber sicher noch...") ging Roachford dann ziemlich straight zu älteren Tracks über. Zu Recht, denn die Fans kannten sich bestens aus, und waren in der Lage, ihm ganze Passagen gesangstechnisch abzunehmen - wie z.B. beim Shout & Response-Teil seines Klassikers "The Way I Feel", bei dem das Publikum ordentlich eingebunden wurde. Spaßig hierbei übrigens, dass sich dieses teilweise ebenso aus Mutter-Tochter-Gespannen zusammensetzte - wie jenes beim (vergeblichen) Terence Trent d'Arby Comeback-Konzert vor einiger Zeit. Es waren dann vornehmlich die alten Gassenhauer wie z.B. "This Generation", die das Haus zum Kochen brachten. Großen Anteil am Gelingen hatte dabei die Band, mit der Andrew genauso seine Späßchen trieb, wie mit den Leuten vor der Bühne. Da machte es auch nix, wenn er sich z.B. mit seinem Mikro-Kabel bei seinem Bassisten Raoul verhedderte. Das bekamen die Jungs genauso gut in den Griff, wie auf Zuruf Breaks und Soli einzustreuen. Nun war das alles nicht neu oder weltbewegend, aber immens unterhaltsam. Auch wenn die Sache thematisch ein wenig aus dem Rockpalast-Rahmen herausfiel. Andrew Roachford - und das musste einem der Neid lassen - machte das bestmögliche aus seinen (nicht immer erstklassigen) Songs. Sei es, dass er z.B. "Ride The Storm" solo am Piano vortrug oder "Only To Be With You" bei der Zugabe zu einem energiegeladenen Showcase für seine Band nutzte. Dazu überzeugte er als begeisterter Entertainer und lebhafter Animateur. Roachford 2005 - das war Live-Unterhaltung, wie man sie besser kaum noch hinbekommen kann.

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Surfempfehlung:
www.roachford.co.uk
www.gusmusic.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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