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Konzert-Bericht
 
Goldener Herbst

Lunik
Amstrong

Köln, Yard Club
07.11.2005

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Lunik
Das Gespann Amstrong (Dänemark) und Lunik (Schweiz) schien nur auf den ersten Blick eine gewagte Kombination darzustellen. Denn erstens haben es sich beide Bands - jede auf ihre Art - auf ihre Fahnen geschrieben, die Möglichkeiten moderner Popmusik auszuloten und zweitens verstanden sich beide Bands ganz prächtig. Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Konzertabend.
Trotz beachtlichen Airplays - besonders von Lunik - war der Yard Club überschaubar besucht. Dies führte dazu, dass sich die Zuschauer an den Tischen und Bänken verteilt hatten, die die kuschelige Bistro-Atmosphäre des Clubs ausmachen. Die Fläche vor der Bühne blieb - trotz der vereinten Bemühungen aller Musikanten - weitestgehend leer. Vielleicht war das aber gar nicht sooo schlecht. Sowohl Lunik wie auch Amstrong machen schließlich keine reine Tanzmusik - auch wenn die einen oder anderen Beats den Ton angeben. Und letztlich ist es ja auch eine Art Anerkennung, wenn die Fans mal konzentriert zuhören. Marie-Louise Munck und ihre Truppe klangen live gleich mehrere Stufen gelöster als auf dem etwas distanziert produzierten Album "Lack Of You". Das soll nicht heißen, dass die Dänen vollkommen ausrasteten, sondern vielmehr, dass ihre Energie ziemlich kanalisiert bündelten und kontrolliert auf den Punkt brachten. Zwar amüsierten sich Jens Danielsen und Jacob Leth an Keyboards und Bass ganz königlich, aber gerade Marie-Louise Munck, die konsequent mit geschlossenen Augen sang oder Gitarristin Tanja Jessen, die eine perfekte Shoegazerin abgegeben hätte - wenn sie denn Schuhe getragen hätte - bildeten sozusagen den ruhenden Pol des Geschehens. Aber wozu meckern: Die Kombination aus elektronischen Impulsen, schrammeligen New-Wave Gitarren und wummernder Rhythmusgruppe überzeugte dann unter dem Strich doch. Auch wenn die diesbezüglich titulierten Tracks gegen Ende des Konzertes nun beim besten Willen keine Rock-Songs waren, wie Marie-Louise verlautbaren ließ. Eher schon verstanden es Amstrong mit den Mitteln der Dynamik so eine Art von - sagen wir mal - Klangwellen zu erzeugen, die sich auf und abbäumten und so ihre Wirkung entfalteten.
Lunik haben in Köln bereits einen gewissen Namen, denn hier spielten sie vor einiger Zeit zur Veröffentlichung der CD "Weather" bereits einen Showcase. Wer nun etwa dieses Konzert gesehen hatte, der durfte erfreut feststellen, dass Sängerin Jael und ihre Buben nun nicht einfach die Songs erneut herunternudelten, sondern diese seither kräftig überarbeitet hatten. Insgesamt bewegen sich Lunik dabei immer weiter weg vom Trip-Hop Sound, der auf ihren ersten beiden Alben und auch noch auf "Weather" vorgeherrscht hatte. Zwar klingen Lunik immer noch so, als haben die Schweizer nicht nur Ricola, sondern auch die Pop-Musik erfunden - sie scheuen sich indes auch nicht, zwischendurch mal richtig hinzulangen. Bestes Beispiel dafür waren der Titelsong, "Weather", der mittels Betonung der Gitarrenarbeit und eines neuen Mittelteils zu einer epischen Rocknummer ausgewalzt wurde und "You Won't Stop Me", das mittlerweile fast zu einem Punk-Song geraten ist. Auch andere Tracks, wie z.B. "Waiting For A Miracle" profitierten von der stärkeren Ausrichtung in Sachen Rock, die besonders Gitarrist Luk Zimmermann mit seinen Soli besorgte. Dennoch gab es nach wie vor viel Raum für Jaels brillante Sangeskunst und ihre samtweiche Stimme - das Markenzeichen uns Aushängeschild von Lunik. Auch wenn die ganz elegischen Balladen wie z.B. "Slide" dieses Mal eher ausgespart wurden. Für die Performance galt, dass alle offensichtlich ihren Spaß hatten (auch die Mitglieder von Amstrong, die - anders als bei ihrem eigenen Konzert - nun ausgelassen vor der Bühne hin und hertanzten), dass die Gesten vielleicht immer noch eher für größere Hallen konzipiert zu sein scheinen und dass letztlich dann unter dem Strich dann doch wieder die Songs wichtiger sind als die Gesten. (Aber nur knapp.) Zwischen den Stücken erläuterte Jael die Texte und dabei erfuhr man viel Wissenswertes. Zum Beispiel, dass Lunik-Songs nicht unbedingt von dem handeln, was der Titel zu assoziieren scheint. "Weather" zum hat somit nicht viel mit dem Wetter zu tun, wie Jael erläuterte, sondern handelt vielmehr von den Männern in Jaels Leben und deren Launenhaftigkeit. Dieses Thema scheint ihr am Herzen zu liegen, denn da blitzten die Augen auf und ein verschmitzes Lächeln huschte über's Gesicht. Es gab auch einen neuen Song namens "Summer's Gone" - eine Hommage an den soeben erfolgreich durchlebten Tour-Sommer und als Zugabe den Song "Mastermind" von der zweiten Lunik-CD - der im Vergleich zu dem neuen Material mit seiner New-Wave-Ästhetik dann doch etwas deplaziert wirkte. Insgesamt war dies aber ein recht überzeugender Gig, der gespannt sein lässt auf die nächste Lunik-Scheibe. Sollte es nämlich gelingen, den Rock-Drive, den die Live-Band Lunik aufzubauen weiß, auf Konserve zu retten, dann ergäbe dies eine ganz reizvolle eigene Spielart des Trip-Hop-Pops.

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Surfempfehlung:
www.lunik.com
www.lunik-fans.com
www.lunik-board.com
www.amstrong.dk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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