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Konzert-Bericht
 
(Mousse) T-Party

Roachford
Carl Franklin jr.

Köln, Kantine
20.11.2005

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Roachford
Eigentlich war ja gar kein Party-Abend in der Kantine angesagt. Die Ü-30er und Single-Börsen-Fans kamen aber trotzdem auf ihre Kosten - obwohl das Publikum vorwiegend aus Pärchen bestand. Denn Erfolgsproduzent Mousse T. hatte mit dem wieder entdeckten Soul-Pop-Veteranen Roachford wahrlich einen Unterhaltungskünstler der Sonderklasse am Start. Und auch dessen Labelkollege, Anheizer Carl Franklin jr. ist nicht eben ein Kind von Traurigkeit. Das heißt: Eigentlich doch. Denn Franklin hat sich der Sparte "deutschsprachiger Soul" verschrieben.
Und so beackerte der Mann dann - unterstützt von einer messerscharfen Band der Stax-Schule - eifrig jenes Terrain, das vor allen Dingen Xavier Naidoo bei uns salonfähig gemacht hatte. Mit allen Vor- und Nachteilen. Der Vorteil bei dieser Art von Musik ist der, dass die Basis prinzipiell der Funk ist - mit halbwegs kompetenten Leuten ein todsicherer, wenngleich nicht eben origineller Selbstläufer. Und die Jungs (und die Keyboarderin) waren - wie angedeutet - nicht nur halbwegs kompetent. Der Nachteil ist dann - wie auch hier - der Gesang selber. In dem Bemühen, möglichst viel "Bohlen-Feeling" in seinen Vortrag zu packen, litt sich der arme Franklin durch eine See voller Magengrimmen. Jedenfalls sah das so aus, wie er da mit großen, wedelnden Gesten, Körperkrümmungen und geschlossenen Augen seinen Gesang illustrierte. Dass bei so viel "Gefühl" oft und gerne mal die Substanz ins Hintertreffen kommt und z.B. die Texte nicht mehr als generische Love-Song-Hülsen am Rande der Parodie sind, muss bei solcherlei Musik offensichtlich in Kauf genommen werden. Was blieb, war der Rhythmus, bei dem jeder mit muss und der Eindruck, dass ein kluger Songwriter hier durchaus noch mehr hätte herausholen können. Als Performer aber überzeugte Franklin durchaus.
Gute Songs hat Andrew Roachford in seiner Karriere ja schon einige geschrieben. Das erklärte er dem zahlreich aufgelaufenen Publikum aber vorsichtshalber lieber noch einmal - denn dank des erfolgreichen Wiederbelebungsversuches durch Mousse T. (der die ganze Show von der Seite der Bühne aus verfolgte) hätte es ja sein können, dass er vielen als neuer Act erschienen wäre. Doch weit gefehlt: Das Publikum konnte viele der alten Texte genauso gut mitsingen wie die neuen und rastete bei den alten Hits wie z.B. "This Generation" und "Cuddly Toy" dementsprechend positiv mit aus. Die Stimmung der Zuschauer war jedenfalls prächtig. Aber: Roachford hatte ja vor einigen Wochen bereits einen Aufwärm-Gig für die Rockpalast Crossroads-Reihe in Bonn eingespielt und dagegen fiel der Gig in der Kantine dann ein wenig ab. Gitarrist Gabriel Gordon erklärte das nachher so, dass auf der Bühne eine nicht näher bestimmbare seltsame Spannung geherrscht habe. Außerdem hatte Gabriel die liebe Not mit der Technik: Gerade bei den Up-Tempo-Zugaben riss ihm zunächst eine Gitarrenseite, dann funktionierte der Anschluss der Ersatz-Gitarre nicht und zuletzt fiel der Verstärker aus, so dass ihm nichts anderes übrig blieb, als den Rest der Show auf der Akustik-Gitarre zu bestreiten. Andrew Roachford hingegen flirtete wie gewohnt mit dem Publikum und verstand sich sowohl als Conferencier, Comedian wie auch als Sänger - und überzeugte auch weitestgehend. Gegenüber der Aufwärm-Show gab es aber Abzüge in der B-Note - auch deswegen, weil die Energie auf der größeren Bühne ein wenig verpuffte und auch die Versionen der Stücke selbst nicht unbedingt besser waren als in Bonn. Das liegt aber auch daran, dass Roachford und seine Jungs nicht nach einem vorgegebenen Schema vorgehen, sondern je nach Stimmungslage jeden Abend ihre Arrangements variieren. Das ist auf jedem Fall steriler Perfektion vorzuziehen, auch wenn - wie hier - nicht unbedingt das Optimum dabei herauskommt. Unterhaltsam war die Sache dennoch unbedingt. Sei es, dass Roachford das Publikum in souveräner Art zum Mitmachen animierte (und dabei als Chorleiter bei "Feel" tatsächlich die Boys-Girls Trennung hinbekam, was nicht vielen Performern gelingt), dass er kleine Stories zu den Songs erzählte (z.B. auf humorvolle Weise erklärte, was Blues sei) oder aber seinen brillanten Musikanten Raum viel Raum ließ, sich zu verwirklichen. Im Gegensatz zu Bonn bildete hier das neue Material den Löwenanteil des Programms - und dieses fällt dann, von Highlights wie dem Comeback-Hit "Pop Muzak" abgesehen, qualitativ ein wenig gegenüber der Klassiker ab. Wobei man nicht vergessen darf, dass Roachford aber selten einen Tonträger ablieferte, der durchgängig gut gewesen wäre. Insofern blieb das dann alles im Rahmen. Fazit: Roachford 2005 - das ist Live-Unterhaltung wie sie besser nicht sein kann - inklusive aller Warzen und Krähenfüße, die "richtige Musik" nun mal auszeichnen.

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Surfempfehlung:
www.roachford.co.uk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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