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Sperrfeuer

Juliette & The Licks
Quit Your Dayjob

Köln, Bürgerhaus Stollwerck
04.12.2005

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Juliette & The Licks
Normalerweise sind ja die Ausflüge von Schauspielern ins Musikgenre mit Vorsicht zu genießen. Allzu oft meinen diese Damen und Herren ja, man könne Rockmusik durch striktes Abarbeiten mit links emulieren wie z.B. eine Rolle. Das ist zwar bei Juliette Lewis und ihren Licks ansatzweise auch zu beobachten - das Ergebnis überzeugt dann aber zugegebenermaßen doch auf seine Weise. Vielleicht deshalb, weil Juliette & The Licks einfach alles richtig machen.
Zunächst mal durften Quit Your Dayjob aus Schweden ran. Das Wikingertrio überraschte mit Frontalattacken der rudimentärsten Art: Knatterndes Drum-Stakkato, minimalistische Gitarrenriffs und simpelste Bass-Synthi-Läufe bildeten die Basis für krude Slogans, die Frontmann Jonas mit geradezu beängstigender Energie und Intensität herausbellte. Das alles zielte direktemang auf die Eingeweide, erinnerte ein wenig an die Cramps und vermied das Kleinhirn wohlweislich. Aufgrund der eigenartigen Texte, die sich mit psychedelischen Randfiguren wie dem "She-Male Godzilla" oder dem Problem des Kokusnussknackens beschäftigten, gab es zudem einen versöhnlichen Schmunzelfaktor, der aber aufgrund der dargebotenen musikalischen Explosionen auch dringend angeraten erschien. Mal abgesehen davon, dass es keine Songs zu erkennen gab, war das kurzweiliges Entertainment und als Anheizer gerade richtig.
Die Wirkung dieses Supports wurde dann aber gleich wieder verspielt, weil ein einzelner, gewissenhafter aber nicht eben flinker Roadie ziemlich lange brauchte, die Bühne für die Licks herzurichten. Dass dabei nicht an alles gedacht wurde, zeigte der Umstand, dass das Drumset von Drummer Jason "Hercules" Morris sich des Öfteren selbständig machte und während des Vortrages umgebaut werden musste. Aber sei's drum: Die Licks sind absolute Vollprofis, die so etwas nicht aus der Bahn werfen. Das gilt sowohl für Juliette wie auch ihre Musikanten, die allesamt so cool daherkommen, dass sie drohen umzukippen, wenn sie nicht gerade posen. Allerdings brauchte sich niemand sorgen zu machen, dass das passieren würde, denn jedes Rock-Klischee wurde von den Herren astrein bedient. Dem stand Frontfrau Juliette Lewis in keinster Weise nach. Jeden Trick, den man als Performerin harter Rockmusik draufhaben kann, hatte sie genauestens studiert und wandte diesen auch an. Da blieb kein Auge trocken, keine Hand ungeschüttelt und letztlich auch kaum etwas zu wünschen übrig. Dass die Licks die Rockmusik nicht erfunden haben, war sowieso jedem klar, also versuchten sie auch gar nicht, dieses vorzugeben. Was die Licks letztlich von anderen Bands dieser Art unterscheidet, ist die Qualität, mit der sie alles darbieten. Da trifft exaktestes Timing auf beinahe virtuose Handhabung der Technik (insbesondere der Effektpedale) und dennoch wirkte dies alles nicht steril, sondern so, als hätten alle auch mächtig Spaß.

Und zwar durchweg: Von den ersten Tönen des Openers "Mad Mad World" über die begeistert gefeierten "Hits" des Albums "You're Speaking My Language" - darunter der Titeltrack bis zur Zugabe gab es Dauer-Vollgas. Balladen: Fehlanzeige. Die Halle kochte die ganze Zeit über. Das Programm war dabei relativ einfach gestrickt: Es gab Songs der Debüt-CD, ein neues Stück, was auf der im nächsten Jahr erscheinenden zweiten CD erscheinen wird, sowie eine Cover-Version von den Stooges. Dass Iggy zu den großen Vorbildern von Juliette zählt - jedenfalls musikalisch -, verhehlt sie ja nicht. Dass sie sich aber ausgerechnet an "Search And Destroy" versuchte und damit reüssierte, ehrte sie dann aber doch. Zumal sie es sich nicht nehmen ließ, eigenhändig ins Publikum zu springen und sich crowdsurfend durch das Auditorium zu bewegen. Tatsächlich ist Juliette live mehr Iggy als Patti Smith (der andere große erkennbare Einfluss). Der Spuk war relativ schnell vorbei - was sich aber bei Musik dieser Art durchaus positiv bemerkbar macht. Denn so blieb dieser Gig tatsächlich als einer der überzeugendsten - auf jeden Fall aber perfektesten - Rockshows des Jahres im Gedächtnis haften.

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Surfempfehlung:
www.julietteandthelicks.com
www.quityourdayjob.org
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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