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Keep On Rocking In The Bürgerhaus

Blue Rose X-Mas-Party 2005

Heilbronn, Bürgerhaus Böckingen
17.12.2005

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Edgar Heckmann
Zum vermutlich letzten Mal fand dieses Jahr die Blue Rose X-Mas-Party im Bürgerhaus Böckingen statt. Der ehemalige Betreiber ging am Tage des Ereignisses in Rente und die Stadt Heilbronn zeigt sich im Folgenden nicht sonderlich daran interessiert, den Veranstaltungsort entsprechend im Sinne von Blue Rose weiterzuführen. Mal sehen. Für dieses Jahr hatte Edgar Heckmann nochmal eine Spitzenbesetzung aufgeboten. Wie er selber ganz richtig meinte, die sicherlich beste für einen solchen Anlass. Mit Cindy Bullens und Steve Wynn hatte er zwei Acts eingeladen, die beide ordentlich Stimmung machen können, hauptsächlich dem Rock frönen und vor allen Dingen dem Live-Auftritt als solchem verpflichtet sind, als ginge es um ihr Leben. Außerdem sind zwei Acts überschaubarer zu handhaben als z.B. die Künstler-Melange vom letzten Jahr.
Die Weihnachtsfeier von Blue Rose ist ja für die angereisten Blue Rose Fans so etwas wie eine vorgezogene Bescherung. Und natürlich gab es auch wieder eine richtige Bescherung in Form der bereits bekannten Verlosung, bei der die Eintrittskarten (über 250!) als Lose herhalten und dann von Santa Edgar in bewährter Manier Blue Rose und Jack Wolfskin Artikel unters Volk gebracht wurden. Natürlich nie genug und nie die richtigen - wie im richtigen Leben! Fürs leibliche Wohl war auch gesorgt, indem die Blue Rose Crew selbstgeschmierte Semmeln und abenteuerliche Mengen von untotem Fleischkäse (so sah er jedenfalls aus) bereitgestellt hatten, von der indes locker die dreifache Menge an Menschen hätte ernährt werden können. Doch es ging ja eher um die Musik.

Nachdem Egdar (mit Rücksprache) die Zuschauer mit einer kleinen Cindy Bullens Retrospektive eingestimmt hatte, bei der er sowohl ihre Zeit als Backing Sängerin für Elton John wie auch die stilistischen Jugendsünden ihrer frühen LP-Cover würdigte, bedankte sich Cindy nochmals ausdrücklich bei Blue Rose und dem deutschen Publikum, dem sie ein echtes Interesse für Rockmusik und eine dementsprechende Aufmerksamkeit attestierte. Die Cindy Bullens Band präsentierte sich als Trio ohne Bassisten. Drummerin Ginger Cody und Gittarist Jorge Otero (den sie pikanterweise ihrem Kollegen Elliott Murphy, bei dem dieser als Bassist spielte, nach der letzten Weihnachtsfeier abspenstig gemacht hatte) mussten also eine Mischung aus Rhythmus-Truppe und die Gitarrenabteilung hinbekommen. Cindy selbst spielte großteils akustische Gitarre. Im Prinzip funktionierte das - nicht zuguterletzt aufgrund des enthusiastischen Publikums - ganz gut. Dennoch wäre es mit Bassist sicherlich noch etwas runder geworden. Cindy stellte zunächst noch mal fest, dass sie sich als Rockerin betrachte. Dies wissen Blue Rose Fans natürlich - dennoch unterscheidet sich die Cindy von heute deutlich von jener aus der Früh- und Mittelphase. Besonders die Stücke aus der Phase nach dem Tod ihrer Tochter lassen (verständlicherweise) jenen Biss vermissen, der sich gerade auf den Songs ihres aktuellen Albums, "Dream 29", findet. Dennoch passten sich diese eher nachdenklichen Balladen in der rauhen 2005er Version gut ins Gesamtbild ein. Als Performerin verfolgt Cindy eher einen No-Nonsense Approach ohne große Showeinlagen. Dafür gibt's zwischen den Tracks kleine Geschichten aus dem langen Künstlerleben der Cindy Bullens, die sich unmittelbar in den Stücken wiederfinden. Neben der aktuellen Titel, die natürlich besonders gut abgingen, gab's dann zum Schluss noch ein besonderes Bonbon für die treuen Blue Rose Fans: Eine mitreißende Version von Neil Youngs "Rockin' In The Free World", die - auch ohne Bass - genau das tat: Rocken. Sehr viel besser hätte man das alles nicht machen können.

Steve Wynn hatte sich dann zum Abschluss seiner achtwöchigen (!) Europa-Tour noch mal etwas Besonderes einfallen lassen. Obwohl alle Musiker mittlerweile unter irgendwelchen Verschleißerscheinungen litten - sei es eine rauhe Stimme, entzündete Handgelenke oder schlichter Tour-Koller (Gitarrist Jason Victor fuchtelte gegen Ende bedrohlich mit einem Holzschwert herum) - gab es noch mal eine besondere Herausforderung: Zwei Sets mit unterschiedlichen Themen. Im ersten Teil spielten Steve & Co. das aktuelle Album "...tick...tick...tick" in Original-Reihenfolge 1:1 durch. Das macht ja durchaus Sinn, da die neuen Stücke ja eh für Live-Auftritte der Miracle 3 geschrieben wurden. "Wir sind heute Abend die Ticks" kündigte Steve den Auftritt an, "und spielen jetzt ein 'Tribute To The Ticks'-Konzert." Interessant in diesem Zusammenhang war dann anzuhören, wie sich einzelne Tracks im Laufe der Tour graduell verändert hatten. "Your Secret" z.B. war vom Funk-Rocker zu einer Art Shuffle Nummer mutiert während "Freak Star" nach Steves Aussage zu einem "Prog-Rock-Nummer" ausgeufert war - nicht dass es den Songs selbst geschadet hätte. Irgendwie gerieten viele der Stücke bei dieser Show dann sogar nochmal eine Nummer druckvoller als bislang. Jedenfalls war dieser Auftritt sicherlich einer der Höhepunkte der Show. Bassist Erik (der verriet, dass ihm während der Tour nicht nur eine, sondern ganze fünf Saiten gerissen waren) ließ es sich nicht nehmen, sogar Purzelbäume zu schlagen. Nach dem letzten Feedback von "No Tomorrow" ging es dann zum "Kostümwechsel" in den Backstage-Raum. Denn hatte die Band bisher "...tick...tick...tick" T-Shirts getragen, so gab es für den zweiten Teil des Auftrittes Dream Syndicate T-Shirts und - ganz folgerichtig - einige Dream Syndicate-Klassiker, die ansonsten ja immer paritätisch im Set verstreut sind. Und schließlich wurden als "Überraschungsgäste" dann noch einmal Cindy Bullens und Jorge Otero auf die Bühne gebeten. "Was sollen wir denn spielen?", überlegte Steve kurz, "versuchen wir's mal damit." Und dann gab's allen Ernstes "Honky Tonk Women" und "Satisfaction" (wobei Steve der einzige gewesen zu sein schien, der das Gitarrenriff drauf hatte - und sogar er meinte, noch ein paar Akkordwechsel vermasselt zu haben). Nicht dass das jemanden gestört hätte: Da blieb kein Auge trocken im Auditoruim. Auch nicht bei den Musikern: "Ich melde mich jetzt arbeitslos und schlafe für eine Woche", meinte z.B. Jason Victor nach der Show. Den Gaesteliste.de-Vorschlag, doch einfach sein zukünftiges Leben als Zugabe zu dieser Tour zu betrachten, wollte er wohlwollend prüfen...

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Surfempfehlung:
www.bluerose-records.com
www.cindybullens.com
www.stevewynn.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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