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Konzert-Bericht
 
Merci Düsseldorf!

Francoiz Breut
Mathieu Boogaerts

Köln, Stadtgarten
10.03.2006

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Francoiz Breut
"Tut uns leid, es gibt keine Karten mehr", meinte die Kassenwartin des Stadgartens zu der Schar Hoffnungsvoller, die im Regen darauf warteten, dass die Abendkasse öffnen möge, "die Band hat 70 Personen auf die Gästeliste setzen lassen." Ob das nun stimmte oder nicht: Das Konzert von Francoiz Breut und Mathieu Boogaerts erfreute sich außerordentlichen Zuspruches. Nicht nur, weil die gesamte französische Kolonie Kölns den Weg in den Stadtgarten gefunden hatte, sondern wohl auch, weil es viel zu selten Ereignisse dieser Art in unseren Landen zu bestaunen gibt. Die Karriere von Francoiz - der Frau, der Howe Gelb z.B. musikalische Briefe schreibt - verläuft bei uns doch ziemlich unter dem Radar. Ihre letzte Scheibe, "Une Saison Volée", musste man hierzulande regelrecht suchen. Was ein Glück, dass es die wackeren Enthusiasten von Le Pop gibt, die sich ihrer annahmen und nicht nur die Scheibe herausbrachten, sondern obendrein die Tour einleiteten und begleiteten. Dafür bedankten sich sowohl Francoiz wie auch Labelkollege Boogaerts, indem sie den Zugabenblock gemeinsam in Le Pop T-Shirts bestritten. Wie dem auch sei: Radar hin oder her, Francoiz kann dann doch auch eine solide Fangemeinde vertrauen, wie sich zeigte.
Mathieu Boogaerts überraschte auf seiner letzten CD "Michel" als phantasievoller Alleinunterhalter. Mit einer Heimorgel, Gitarre und viel Witz präsentierte er seine Chansons dort in ziemlich minimalistischen Versionen, die den Stücken aber nichts von ihrer fragilen Grazie nehmen. So wunderte es dann nicht, dass er live noch einmal zurückschaltete. Wenn überhaupt, dann allerhöchstens von einem einsamen Scheinwerfchern illuminiert stolperte er nach fast zwei Stunden Wartezeit (warum eigentlich?) barfuß und im Hemd auf die Bühne, stöpselte seine Fender-Gitarre ein und sang dann alte und neue Songs, zu denen er abenteuerliche Tanzschritte ausführte und mit seinem naiven Charme das Publikum sofort auf seiner Seite hatte. Bis auf den Herrn, der mitten im Vortrag brüllte, man möge doch die Anlage anders einstellen. Was Mathieu nutzte, das sofort in einen Impromptu-Song umzusetzen. "Merci Düsseldorf" bedankte er sich dann augenzwinkernd für diese Unterbrechung. Im Verlaufe seines Vortrages zeigte Booegaerts, wie wenig es doch eigentlich braucht, um glücklich zu sein. Seine Gitarrenbegleitung war ja schon eh nicht besonders aufwendig, dass es ihm aber gelang, ganze Passagen dann ganz ohne Musik und Gesang pantomimisch darzustellen - wie z.B. bei seinem heimlichen Hit "Domage" - und damit das Publikum auch noch zum Mitsingen zu bewegen, verwunderte dann aber doch schon. Und weiter ging's in dem Stil: Mal ließ er das Licht ganz ausschalten - stieg dafür aber andererseits auf einen Verstärkerkoffer, um den begeisterten Fans einen Tanz mit seinem Hinterteil vorzuführen und zum Schluss gab's noch eine Zugabe eines brasilianischen Songs, den er aber nur summte, weil er ja schließlich kein portugiesisch könne. Insgesamt zeigte sich Mathieu Boogaerts hier als humorvoller Entertainer, der sich aber in keiner Weise anbiederte, sondern mittels ungewöhnlicher Ideen und einer Prise sympathischen Humors überzeugte.
Als dann endlich Francoiz und ihr mulitinstrumenteller Begleiter, den sie als Francoiz Breut Big Band vorstellte, die Bühne betraten, ging es schon stramm auf Mitternacht zu. Egal, denn zu dieser Tageszeit passen die düster-romantischen Songs der aparten Bretonin schließlich am besten. Teilweise in gebrochenem Englisch und kaum von störenden Ansagen unterbrochen, boten auch Francoiz & Co. eine erstaunlich phantasievolle Show - ohne großen Aufwand, aber mit vielen guten Ideen. So hatte Francoiz z.B. einen Plattenspieler am Bühnenrand stehen, auf dem sie Schallplatten mit Natur- und Technik-Geräuschen abspielte. Ihr Musiker hingegen sampelte sich meist zunächst auf der Gitarre, um dann die Stücke mit einem rudimentären Drumkit, einem Glockenspiel und einem Mikro-Keyboard entsprechend zu illustrieren. Francoiz selber griff gelegentlich zur Melodica. Das verlieh den Tracks dann zuweilen ganz neue Dimensionen, so dass man sie kaum wiedererkennen konnte. Interessant an diesem Ansatz war, dass es dem Duo sogar gelang, jene Stücke mit stärkeren Melodiebögen oder gar Refrains, die bei Francoiz ja eher eine Nebenrolle spielen (wie z.B. bei "Sans Souci") durch geschicktes Timing perfekt umzusetzen. Nun, und wo alles nichts mehr half, wurden dann noch ein paar Passagen von der Harddisk hinzugespielt. Aber es blieb alles im Rahmen: Niemals hatte man den Eindruck, einer Konservenveranstaltung beizuwohnen, denn da war ja schließlich immer noch Francoiz faszinierende Stimme, derentwegen ja immerhin alle da waren. Francoiz sang konzentriert, meist mit geschlossenen Augen, aber oft auch mit einem verstohlenen Lächeln auf den Lippen. Obwohl natürlich ihre stets mit alternativer Attitüde aufbereiteten Songs weiter entfernt sind von der traditionellen Chanson-Kultur als etwa die jazzigen Elaborate von Mattheit und somit per se nicht lustig. Lustig wurde es dann aber doch noch mal, als, wie gesagt, Mathieu und Francoiz zur Zugabe zusammen auf die Bühne kamen und zusammen "Si Tu Disais", einen der schönsten Titel Francoiz' vortrugen. Die Begeisterung des Publikums trug dann zum Abschluss dazu bei, dass Francoiz und ihr Gitarrist nochmals herbeigeklatscht werden konnten und mit einem rein akustischen Vortrag aus dem Auditorium heraus einen würdigen Endpunkt setzten, bevor dann die Le Pop DJs die allgemeine Party einläuteten. Wie gesagt: Allzu oft bekommt man so etwas bei uns ja nicht zu sehen und somit war dieser Abend dann doch schon etwas Besonderes.

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Surfempfehlung:
francoiz.breut.free.fr
www.mathieuboogaerts.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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