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Aus dem schwarzen Tal

Kristofer Aström
Britta Persson

Köln, Prime Club
11.04.2006

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Kristofer Aström
Kristofer Aström hat - als Musiker - wenigstens drei Seelen in seiner Brust: Da ist zunächst mal der laute, rockige Fireside-Aström - etwas, das niemand erwarten würde, der den ruhigen, grüblerischen Künstler privat oder in seinen beiden anderen Inkarnationen begegnet. Als da wären: Der sensible, neuerdings aber sogar poppige Songwriter, der sich zusammen mit seiner "Zweitkombo" Hidden Truck musikalisch weiterbildet und letztlich der introvertierte Solo-Künstler, der mit wenigen hingehauchten Akkorden und klug gewählten Worten sympathisch nachvollziehbare, leicht lamentöse Kitchen Sink-Dramen darbietet. Um Letzteren ging es natürlich bei dieser Solo-Tour, die er zusammen mit der von ihm im Vorfeld immer wieder hochgelobten Britta Persson bestritt (die man bereits von seinen Studio-Werken als Background-Sängerin her kennt).
Wie der Meister auch, macht auch Britta nicht viel Aufheben um ihre Kunst. Ohne das Publikum großartig mit Ansagen oder ähnlichem zu belästigen, hauchte sie ihre akustischen Folksongs ins Rund des mit vielen - vorwiegend jugendlichen - Liederfreuden gut gefüllten Auditoriums. Doch halt: Von "hauchen" kann man nicht wirklich sprechen, denn obwohl Britta rein optisch den Eindruck eines singenden Hungerhäkchens hinterließ, ist ihre Stimme doch alles andere als schmächtig, sondern - im Gegenteil - raumgreifend und durchdringend. Zumindest wenn sie es will. Dazu greift sie Akkorde und kombiniert Harmonien, die manchen Kollegen, der vielleicht weniger abenteuerlich denkt, blass aussehen lässt. Doch Britta meisterte die Aufgabe, dieses komplexe Spiel und ihre nicht weniger anspruchsvollen Gesangsmelodien unter einen Hut zu bringen, mit Bravour. Allerdings war nicht ganz nachzuvollziehen, warum sie dabei so grummelig dreinblicken musste und nur selten einmal ein Lächeln sich auf ihr Gesicht verirrte. Schreiben wir es mal der Konzentration zu. Zu ihrem letzten Stück erschien dann Kristofer selber und begleitete sie auf der E-Gitarre - bevor dann beide unerklärlicherweise für über eine halbe Stunde wieder verschwanden. Und wieder einmal sei die Frage erlaubt, warum das Publikum zuweilen dermaßen auf die Geduldsprobe gestellt werden muss?
Kristofer hatte sich schließlich drei Gitarren mitgebracht: Neben der erwähnten E-Gitarre waren das noch zwei akustische - eine mit Nylon-, die andere mit Stahlsaiten. Das war sicherlich keine schlechte Idee, denn so konnte er seinen Folk-Songs, die sich auf Tonträger (wie z.B. auf "Loupita" oder der eben erschienenen EP "Black Valley") dazu tendieren, doch recht ähnlich zu klingen, immer wieder neue Klangfarben entlocken. Wie schon an dieser Stelle erwähnt (und eifrig diskutiert), ist Kristofer nicht unbedingt jemand, der über eine besonders charismatische Stimme verfügt. Aber: Was Intensität und Glaubwürdigkeit im Vortrag betrifft, macht ihm so schnell niemand etwas vor. Wie auch viele seiner skandinavischen Kollegen, setzt Kristofer nicht unbedingt auf große Gesten oder Effekte, sondern bemüht sich - erfolgreich -, seine Emotionen beim Vortrag offen zu legen. Meist singt er mit geschlossenen Augen und scheint tatsächlich die Geschichten, die er erzählt, jedes Mal aufs Neue zu durchleben. "Gleich hat er mich zu Tränen gerührt", murmelte jemand aus dem Publikum - und das ist wohl das schönste Kompliment, das man einem Solo-Künstler wie Kristof machen könnte. Was die Songwauswahl betraf, so gab es natürlich hier keine Rock- oder Pop-Songs. Von wenigen Ausnahmen wie "In The Wild" abgesehen (das es ja auch in der Band-Version gibt), gab es vor allen Dingen leise Balladen, darunter besonders viele neue Stücke, wie z.B. "Finally Home", von besagtem "Black Valley" oder "Little Out Of Tune" (das natürlich NICHT verstimmt war) - weil ihm das mehr Spaß mache, wie er beiläufig erwähnte. Ab und an kam Britta Persson noch einmal auf die Bühne, um mit Kristofer einige sehr schöne Duett-Passagen zum Besten zu geben. Auch hier wieder erstaunlich war das exakte Timing und das, was der Opernsänger als Koloratur bezeichnet (also das Verfolgen von Melodielinien mit der Stimme), das den Vortrag letztlich auszeichnete. Für einen Track seines "Loupita"-Albums hatte Kristofer noch seinen Kumpel Mattias Friberg als Überraschungsgast auf Tasche. Mattias ist selber Songwriter in der von Kristofer gelobten Band Logh und trug mit Kristofer ein gemeinsam geschriebenes Stück vor. Nach ca. einer Stunde war es dann offiziell auch schon wieder vorbei - doch das Publikum wollte natürlich mehr. Also ließen sich Kristofer und Britta noch einmal zu Zugaben herausbitten - darunter das Elvis-Cover "You Were Always On My Mind", das Kristofer offensichtlich spontan ausgewählt hatten, was das Verhaspeln beim Text erklärte. Fazit: Welche Version von Kristofer Aström am besten gefällt, sollte jeder für sich entscheiden. Was aber die Solo-Performance betrifft, so hatte Kristofer sicherlich das Beste daraus gemacht.

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www.kristoferastrom.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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