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Neues aus Ratekau

Soulounge
Erwin Thomas

Köln, Stadtgarten
20.04.2006

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Soulounge
Normalerweise hätte man einen Singer / Songwriter wie Erwin Thomas aus Dänemark nicht unbedingt mit einer Band wie Soulounge in Verbindung gebracht. Aber nun ja: Bei Soulounge geht es ja vor allem immer erst um das zwischenmenschliche Miteinander - und dann um die musikalischen Erfahrungen, die dieses Miteinander so mit sich bringt. Ergo überraschte es dann auch nicht, dass ein gutgelaunter Sven Bünger es sich nicht nehmen ließ, den schüchternen jungen Mann selbst anzukündigen und als "Vorgruppe" dem Publikum ans Herz zu legen.
Thomas ist einer jener stillen Skandinavier vom Schlage eines St. Thomas - vielleicht mit der Seele eines Nicolai Dunger - und deckt insofern ungefähr die Bandbreite ab, die auch die beiden vorgenannten Herren an den Tag legen. Allerdings bevorzugt Thomas die eher leisen, subtilen Töne. Eine große Show oder lockere Ansagen sind nicht sein Ding: Konsequent spielte er eine traurige Ballade nach der anderen. "Ich weiß, es ist schwer, einem unbekannten Sänger zuzuhören, der unaufhörlich seine Songs vorträgt", versuchte er das laut plappernde Auditorium für seine Sache zu gewinnen. Daraus, wessen Geistes Kind er ist, machte Thomas keinen Hehl. Mit umgeschnallter Mundharmonika und sparsamen Fingerpicking war es eh schon jedem klar, dass er ein großer Dylan-Fan ist - noch bevor er zum Abschluss seines Sets dessen "Girl Of The North Country" anstimmte. Insgesamt machte Thomas seine Sache recht ordentlich - war aber bei einem Publikum wie diesem eher fehl am Platz. Denn die Soulounge-Fans wollten lieber Funk und Soul als klassische Betroffenheits-Poesie. Und das bekamen sie denn im Folgenden auch. Allerdings mehr Funk als Soul.

Doch der Reihe nach: Soulounge traten bei ihrem zweiten Besuch im Kölner Stadtgarten mit der kleinen Besetzung an. Das ist bei sieben Leuten auf der Bühne natürlich eine Übertreibung, aber öfters stehen bei Soulounge-Konzerten ja noch mehr Musiker bereit (man schaue sich mal auf der Gästeliste auf der Soulounge Website um) und auf dem neuen Album "Say It All", das es heuer zu featuren gab, ist ja gar noch ein ganzes Orchester mit dabei. Darauf wurde fast zwangsläufig verzichtet. Es gab ein eher reduziertes musikalisches Format - wohl auch bedingt durch die Abwesenheit Gabriel Gordons, der ansonsten mit seinen Gitarrensounds einen wesentlichen Teil des Klangbildes ausmacht. Dessen Fehlen war dann vielleicht auch der bemerkenswerteste Unterschied zum letzten Konzert an gleicher Stelle. Nichts gegen Sven Bünger - er ist sicherlich ein brillanter Rhythmus-Gitarrist und die treibende Kraft auf der Bühne: Aber seine Gitarrensoli wirken gegen das leichtfüßige Wirken des Virtuosen Gabriel doch hakelig und beinahe hölzern. Dass ihm im letzten Drittel eine Saite riss, dafür konnte er indes nichts.

Es führte aber gegen Ende der Show zu einem nochmals reduzierten Soundspektrum. Die Sänger des heutigen Abends indes - Platnum (auch als Root bekannt), Johannes Oerding und Esther Cowens - boten bewährte Qualität. Es war schon beinahe beängstigend, mit welch leichter Hand das Trio eine Vielzahl an Stilen und Stimmungen meisterte, dabei offensichtlich Spaß hatte und keine Sekunde verkrampft oder affektiert wirkte. Allerdings hätte man sich vielleicht sogar noch ein paar Stile und Stimmungen mehr gewünscht. Wie bereits angedeutet, stand bei diesem Konzert der Funk im Mittelpunkt. Abgerundet durch ein paar schöne Balladen zwar (gerade vom neuen Album), aber mit dann doch vergleichsweise wenig Soul und kaum Pop-Elementen, wie sie gerade die neue CD zieren. Das hat aber seinen Grund: "Für uns ist es immer ein Lob, wenn es funky klingt", erklärte uns Sven Bünger ein Mal. Soulounge lieben den Funk. Das wurde auch deutlich, als Bünger aus seinem Leben erzählte: Er lebe jetzt zwar in Berlin, komme aber aus Ratekau in Norddeutschland. Und James Brown und Prince stammen auch aus Ratekau. Das sei auch der Grund, warum er so gut Funk-Gitarre spielen könne. Das klang dann angesichts der dargebotenen, überbordenden rhythmischen Exzesse (mehr als einmal überholte Drummer Bela Brauckmann sich sozusagen selber) sogar glaubhaft. Abgerundet wurde das Set mit einem Gastauftritt einer Kölner Sängerin namens Christine, die die Band erst am Tag des Konzertes kennengelernt und eingeübt hatte. "What's Going On" und "Brown Skin" sang Christine souverän und mit bemerkenswerter Stimm-Kontrolle. Nur sollte ihr mal jemand sagen, dass man auch mit offenen Augen singen könnte. Zum Abschluss gab's zwei Zugaben, wobei die von Platnum vorgetragene Gänsehaut-Ballade "Safe & Warm" auch einer der Höhepunkte des Abends war. Fazit: Nach wie vor erstaunlich, dass eine so souveräne, organische, lockere Soul-Musik ausgerechnet aus Deutschland kommt...

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Surfempfehlung:
www.soulounge.de
www.erwinthomas.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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