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We are not amused

Sophia
Vito

Köln, Blue Shell
28.04.2006

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Sophia
Robin Proper-Sheppards einzigen greifbaren Auftritt in zumutbarer Reisenähe ausgerechnet ins Kölner Blues Shell zu legen, zeugte wahrlich von Wagemut und Unternehmergeist. Bereits eine Stunde vor dem verspäteten Öffnen der Eingangstüren war der Schuppen praktisch schon überfüllt (die meisten der Gäste hatten ihren Platz per Internet gebucht). Robin selbst schien zunächst guter Dinge, nachdem der von technischen Problemen überschattete Soundcheck dann doch noch irgend wann zu Ende ging - meinte aber gleich zur Begrüßung, dass er keine neuen Songs spielen werde. "Das haben wir zeitlich einfach nicht hinbekommen", erklärte er diesen Umstand, denn er war nicht mit seiner Stammband unterwegs, sondern mit seinen neuen Flower Shop-Protegés Vito (auch um deren bevorstehende Veröffentlichung zu promoten). "Wenn ich schon mal solo spiele, dann muss ich meine bekannten Stücke bringen. Es bleiben eh immer Wünsche seitens des Publikums offen. Außerdem bin ich noch gar nicht fertig mit den Aufnahmen zum neuen Album. Wir haben jetzt sechs Wochen aufgenommen, brauchen aber mindestens noch mal so lange und dann wird gemischt. Wir haben eine Oktober-VÖ ins Auge gefasst." Sagte er und verschwand dann im Backstagebereich, um sich in Schale zu werfen.
Seine Schützlinge durften derweil mit einer eigenen Show den offiziellen Teil des Abends eröffnen. Vito - das sind fünf sympathisch wirkende, ernsthafte jüngere Herren, die sich dem melodisch-atmosphärischen Zeitlupenrock-Pop verschrieben haben. Mit bis zu drei Gitarren gleichzeitig und zwei Glockenspielen obendrein kreieren die Jungs episch aufwendige Strukturen, die - versehen mit gewissen introvertierten Post-Rock Elementen - in Gefilde vorstoßen, in denen sich Bands wie Mogwai, Sigur Ros und teilweise auch Sophia recht wohl fühlen. Allerdings fast durchweg mit Gesang, dafür aber ohne jene Identität oder jene brillanten Einfälle, die diese ganze Aktion zwingend notwendig hätte erscheinen lassen können. Das war zwar alles recht akzeptabel, aber auch ein wenig langweilig und vorhersehbar. Immerhin: Vito sind mit Herz und Seele bei der Sache - vielleicht ein wenig zu egozentrisch ausgerichtet - und wissen, wie man Musik wie diese konstruiert. Aber wie gesagt: Der X-Faktor geht Vito ein wenig ab.
Über den braucht sich Robin Proper-Sheppard eigentlich keine Sorgen mehr zu machen. Songwriter, die - wie er - ihr Innenleben mittels melancholisch-depressiven Betroffenheits-Songs nach außen kehren, gibt es ja viele. Allerdings kaum welche, die das so perfekt, so glaubwürdig, so konsequent und mit ähnlich großem Erfolg tun wie er. So ist Robin einer der wenigen Vertreter seiner Art, der auf mindestens 50% weibliche Fans im Publikum zählen darf. Irgendetwas muss er also richtig machen. Die Sache ließ sich gut an: Jovial und forsch, wie das so seine Art ist, begrüßte er das Publikum, bat darum, dass man sich hinsetzen möchte, fragte nach Song-Vorschlägen, aus denen er dann eine Setlist zusammenstellte und mahnte auch gleich, während des Vortrages bitte ruhig zu sein. Damit nahm das Unglück seinen Lauf. Denn obwohl das Publikum bei Vito tatsächlich ziemlich laut war, war es dies bei Robins Vortrag eher nicht. Trotzdem verbiss sich der Meister in die Idee, dass sich einige Personen im Auditorium gegen ihn verschworen hatten und ihn durch Lachen und Tuscheln aus der Facon zu bringen trachteten. Dies versuchte er dann durch direkte und persönliche Beleidigungen zu klären. Nun, die Sache ist die: Robins Songs sind alle recht emotional und persönlich. Dass er mit geschlossenen Augen singt, hat zum Beispiel einen ganz konkreten Grund. So erklärte er uns nämlich einmal, dass seine Technik, den Songs ihr Leben einzuhauchen, die sei, sich bei jeder Performance die zugrundeliegenden Stories vorzustellen und diese zu durchleben. Selten nur - wie bei "The Sea" - liegen diesen Stücken ja nun positive Emotionen zugrunde. Insofern ist die Sache jeweils ein zuweilen schmerzvoller, auf jeden Fall aber intensiver Prozess. Besonders im Solo-Kontext. Das machte Robin auch noch einmal deutlich, als er nämlich erklärte, dass "So Slow" gerade jener Song sei, der überhaupt der Grund für das Bestehen des Sophia Projektes sei und unmittelbar nach dem Tod seines God Machine-Kollegen und besten Freundes Jimmy entstanden sei. Verständlich also, dass in einem solchen Zusammenhang ein lautes Publikum stört. Und dann ist es ja auch so, dass man es auch als Zuhörer nicht goutiert, wenn die Leute durch lautes Plappern das Ganze torpedieren.

So weit so gut - alles nachvollziehbar. Nur war es an diesem Abend eben nicht besonders laut und es wäre durchaus möglich, dieses Anliegen in einer nonchalanteren Art vorzutragen, als jene, die Robin an diesem Abend an den Tag legte. Die Folge war, dass er ständig auf dieses Thema zurückkam, sich direkt mit den betroffenen Personen anlegte und der Eindruck entstand, dass diese Aktion die allgemeine Stimmung der Performance negativ beeinflusste. Dabei gab's hier eigentlich kaum etwas auszusetzen. Robin spielte seine größten Hits, ging ständig auf die Wünsche aus dem Publikum ein und erklärte einige seiner Texte ein wenig näher. Dabei gelang es ihm sogar, einige Tracks, die er bei den letzten Touren unerklärlicherweise fast regelmäßig vor die Wand gefahren hatte (darunter ausgerechnet "Oh My Love") in diesem Kontext deutlich aufzuwerten. Zum Beispiel dadurch, dass er sie langsamer spielte, wie auch den berüchtigten "Holiday"-Song, der - und das machte er noch einmal besonders deutlich - KEIN fröhlicher Urlaubs-Hit sei. Nach dem akustischen Teil holte Robin die Vito-Jungs noch einmal auf die Bühne und spielte die zwei Songs des letzten Albums - "Desert Song #2" und "The River Song", die für eine solche Konstellation am besten geeignet erschienen. Hier gab es dann sogar vier Gitarren auf einmal und jede Menge Noise im Abschluss. Der Schweiß floss in Strömen und auch die Rockfans kamen so auf ihre Kosten. Dass das nur eine Fingerübung für den krönenden Abschluss war, ahnten die, die die Berichte im Web aufmerksam verfolgt hatten: Wie auch schon bei den Konzerten vorher, gab's zur Zugabe noch eine Neuauflage der May Queens mit den Songs "Theme For The May Queen No. 1 - Alright (Oh Yeah)" und "Rollin'". Das heißt: Übersteuerter Vollgas-Non-Nonsense Hardrock mit Spaßfaktor 10. Fazit: Dieser Auftritt bot die Chance, Robin noch einmal in einem intimeren Rahmen zu erleben, als mittlerweile üblich, Schade nur, dass der insgesamt positive Eindruck der Show, durch den Streit mit dem Publikum doch ein wenig getrübt wurde.

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Surfempfehlung:
www.sophiamusic.net
www.vitomusic.co.uk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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