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Konzert-Bericht
 
Wie ein Fels in der Brandung

Waterboys

Köln, Live Music Hall
21.11.2000
Waterboys
Nun gut: Jetzt wissen wir also, daß Kingston, New York, so ziemlich der langweiligste Ort auf Erden sein muß. Diesen Eindruck vermittelte jedenfalls ein bemerkenswert unorigineller Songwriter namens "Adam Snyder", der ebendort herkommt und dessen zweiter Name "Mittelmaß" war. Zum Glück endete seine auf der elektrischen Gitarre vorgetragene akustische Darbietung (?!?) ebenso schnell und wenig nachhaltig, wie sie begann.
Dann wurde es dunkel und es gab - Trockeneisnebel. Kann man so was verzeihen, wenn eine Band eine Show mit dem Jaulen eines Theremins beginnt? Das bleibt dem geneigten Leser überlassen. "Das letzte Mal war ich hier in der Kantine, nicht wahr?" frug der Waterboys-Geschäftsführer Mike Scott zu beginn des Konzertes, "das ist fünf Jahre her. Viel zu lange." Womit er sicherlich recht hatte. Scott - mit seinen beiden (brillianten) Solo-Alben nicht eben erfolgreich, hatte beschlossen, die Waterboys als Band wieder aufleben zu lassen. D.h.: Als Mike Scott und beliebige Musiker. Die Gründungsmitglieder Karl Wallinger und Anthony Thistlethwaite sind schon lange nicht mehr mit dabei. (Anthony spielte immerhin ein bißchen Mandoline auf der aktuellen CD). Dieses ist eines der großen Paradoxen des Rockbiz - daß nämlich die Namen der Bands diejenigen ihrer Schöpfer ersticken (siehe die Finn-Brüder, Frank Black, Ian Astbury und und und...). Egal: An diesem Abend gab es die volle Dröhnung. Nahezu die gesamte neue Scheibe und das letzte Studio-Album "Dream Harder" wurden dargeboten, angereichert mit einigen behutsam ausgewählten älteren Tracks: Give the People what they want - and plenty of it.

Das ging soweit auch ganz in Ordnung: Die Band spielte druckvoll und kompakt, Mike Scott agierte energetisch und sichtlich gutgelaunt und die "Hits" kamen Knall auf Fall. Mal abgesehen davon, daß die abgespeckten Arrangements den Hymnen des letzten Albums, "A Rock In A Weary Place" gar nicht mal so gut bekamen - was eher ungewöhnlich ist und besonders beim Titeltrack offensichtlich wurde - gelang die Darbietung ziemlich makellos. Was den positiven Gesamteindruck jedoch ziemlich beeinträchtigte, war die hemmungslose Art, mit der sich einer der beiden Keyboarder überbordend einbrachte. Da blieb kein Sampler unbenutzt, kein Effektgerät unbeachtet, kein Ton ausgespart. Wenn ein Keyboarder mittendrin die Toccata anspielt, dann weiß man, daß die Notbremse gezogen werden müßte. Der Mann schaffte es sogar, die folkige Zwischenphase, in der Scott akustisches zum Besten gab, mit aufdringlicher Klimperei zu zerschießen. Das tat jedoch der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch. Die Leute schienen allesamt mit den Waterboys aufgewachsen zu sein, gaben sich homogen, unaufgeregt und sangesfreudig. (Ein Umstand, der Scott's Erfolglosigkeit auf Solo-Pfaden umso unerklärlicher macht.)

Waterboys
Zum Schluß gab Scott dann - mit goldener Gitarre - das erfolgreiche und im Vergleich zu anderen Tracks eher mittelmäßige - "Whole Of The Moon" zum Besten. Für Waterboys-Freunde der ersten Stunde eher ernüchternd war dann wieder die eher die seltsam holpernde Glam-Rock-Version von "Savage Earth Heart", die allerdings in ein mutmaßlich improvisiertes, zugegebenermaßen interessantes "Satisfaction" umschlug. Überhaupt schien sich Scott am wohlsten zu fühlen, wenn er aus dem Schema ausbrechen konnte. Sei es durch so was oder die spontane zweite Zugabe ("Fisherman's Blues") oder ein improvisiertes Geburtstagsständchen für den Drummer. Eine andere Fähigkeit Scott's trat auch an diesem Abend wieder zu Tage: Die Zuhörer durch brilliant gesponnene Texte und intensiven Vortrag in seinen Bann zu ziehen - auch im Rock-Ambiente, in dem sich Scott mit akzentuierter und trotz sympathischer "Schottismen" deutlicher Diktion Gehör verschaffte. Der Mann ist halt einer der großen Songwriter unserer Tage. Wünschen wir uns doch einfach, daß er sich mal wieder Leute hinzuholt, die ihm auch auf der kreativen Ebene Paroli bieten können und ihn so zu noch größeren Leistungen anspornen.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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