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Jägermeister aus der Hölle

Big John Bates & The Voodoo Dollz

Köln, Sonic Ballroom
23.05.2006

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Big John Bates & The Voodoo Dollz
Auf der Website von Big John Bates ist das Foto einer amerikanischen Baptisten-Kirche zu sehen, auf deren Billboard zum Widerstand gegen die "Satanische Musik und die Porno-Kapelle von Big John Bates" aufgerufen wird. Nun ja: Jemand der auf der Bühne offen zum Konsum von Jägermeister auffordert, muss wohl mit so etwas rechnen. Aber Ernst beiseite: Die diesjährige Auflage von Big John Bates und seinen Burlesque Tänzerinnen (dieses Mal Little Miss Risk and Darla Devine) bot im Vergleich zu seinen letzten Touren ein eher gewohntes Bild. Sehr viel satanischer und pornographischer als bislang war die Sache also nicht direkt geworden.
Immerhin hatte der Meister eine neue CD namens "Take Your Medicine" im Gepäck - nachdem es ihm gelungen war, mit dem letzten Werk "Mystiki" gleich mehrfach zu touren. Es gab also einen echten Anlass für eine Big John Bates-Tour. (Nicht dass es so etwas wirklich bräuchte.) Der Ort - der Sonic Ballroom - war dem Anlass entsprechen geeignet. Der schmutzige kleine Punk-Schuppen mit den bemerkenswert moderaten Getränkepreisen bot die ideale Bühne für eine weitere Vollversammlung der Kölner Rockabilly-Szene. Die angesagte Supportband wurde durch eine zweistündige Wartepause ersetzt und gegen 22 Uhr ging's dann endlich los mit einer ordentlichen Prise "Western Swing". Was nach wie vor weder Western noch Swing ist, sondern mit atemberaubender Geschwindigkeit dahin geschrammelter Rockn'n'Roll-A-Billy-Twang. Insgesamt ist das Big John Bates Trio eine Spur straighter geworden. Zwar gibt es immer noch Titel wie "Voodoo Barbeque", doch der Voodoo Faktor wurde merklich zurückgefahren. Stattdessen gibt es fast ausschließlich Up-Tempo-Nummern vom Kaliber "Trainwreck", "Take It Off", "Sunset Strip", "Crankenstein" oder "Kitten With A Whip", einen neuen Drummer namens Von Warunkenstein (!) und kaum noch Cover-Versionen. So spielte John lediglich "Tainted Love" und das Dead Kennedys Manifesto "Too Drunk To Fuck" ("der nächste Song ist von einer Punkband - aber nicht von Green Day oder Offspring", meinte John erklärend). Die Cramps, Johns erklärte Vorbilder, wurden hingegen nur noch zitiert und nicht mehr kopiert.
Ach ja: Der Trash Faktor wurde offenbar noch mal ein paar Grad gesteigert. Big John und die Seinen geben sich gar nicht mehr die Mühe, irgendetwas ernst nehmen zu wollen. Alleine der Spaß an der Freude zählt. Obwohl Big John nach wie vor ein exzellenter Gitarrist ist, dem ab und an gar auch mal ein paar nette Soli rausrutschen. Zum Beispiel als er sich während des Konzertes zunächst auf, dann hinter der Theke des Sonic Ballroom zu schaffen machte und von dort aus die Fans begeisterte. Und wenn es um musikalische Details geht: Von Warunkenstein ist ein ziemlich guter Techniker, der eine Menge Effét in die an sich gleichförmigen Tracks einzubringen weiß. Das klingt jetzt aber alles so, als seien die Fans wegen der Musik gekommen. Das ist natürlich nur zum Teil so. Die Hauptattraktion einer Big John Bates-Show sind natürlich immer die jeweiligen Vodoo Dollz, die auch hier nicht enttäuschten. Aber: Zwar waren die Mädels andere, die Routine indes die Gleiche. Das erklärte Big John dann so, dass es hier ja schließlich um klassische Burlesque geht. Und so gab es dann wieder die übliche Mischung aus Krankenschwestern-Kostümen, peitschenschwingenden Kätzchen und bösen Mädchen, die in die Hölle gehören. Mädchen, nebenbei bemerkt, die es so nur in Kanada gäbe, wie Bassistin sCare-oline erklärte. Aufgrund der beengten Verhältnisse musste die Feuertechnik dieses Mal weitestgehend außen vor bleiben - dafür war aber die Nähe zum Publikum unausweichlich. Natürlich war es auch kein großes Problem, einen Freiwilligen zu finden, der sich zum Titeltrack des Albums "Take Your Medicine" Lebertran verabreichen ließ. Und zum Beginn des reichhaltigen Zugabenteils gabs dann natürlich auch wieder einen Bauchtanz von sCare-oline - die übrigens aus unerfindlichen Gründen einen Galgenstrick um den Hals trug. Big John Bates & The Voodoo Dollz 2006 - das war wieder mal beste Unterhaltung und eine ordentliche Prise "satanischer Musik", gespielt auf der schnellsten Gretsch des Westens. Schade übrigens, dass es Big John auch mit der aktuellen CD nicht gelungen ist, den Drive seiner Konzerte auf der Konserve adäquat einzufangen...

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Surfempfehlung:
www.bigjohnbates.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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