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Konzert-Bericht
 
Von Teddybären, Kotztüten und verwunschenen Flughäfen...

Jackie Leven
Mutz

Solingen, Steinenhaus (Cornish Pub)
20.06.2006

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Jackie Leven
"Herzlichen Glückwunsch zu eurem Fußballspiel", begrüßte Jackie Leven das trotz WM zahlreich erschienene Publikum im Solinger Steinenhaus, deutete dann jedoch auf eine im Verstärker steckende schwedische Fahne, "wir unterstützen allerdings Schweden." Dazu muss man wissen, dass zum Zeitpunkt von Jackies Auftritt gerade England gegen Schweden spielte, und der Schotte Jackie Leven selbstredend jede Mannschaft unterstützt hätte, die gegen England spielte. Jackies langjähriger Partner, der Keyboarder Michael Cosgrave - der Jackie trotz Krankheit auch in Solingen unterstützte - ließ sich während des Auftrittes per SMS von seiner Frau über die jeweilige Gemengelage des Spiels unterrichten, so dass auch die Fußballfreunde nichts versäumten. Nicht, dass allzu viele davon anwesend waren...
Beginnen durfte den Abend ein gewisser Mutz - laut Veranstalter Fritz Kappner ein höchst kompetenter Lokalmatador, der sich im Vorfeld durch geschickte Anbiederung beim Veranstalter den Slot erstritten hatte. Mutz überraschte im Folgenden als - nun ja: extrem kompetenter Lokalmatador und obendrein als menschliche Jukebox. Zu höchst kompetentem Gitarrenspiel sang der Meister mit angenehmem Bariton nämlich die größten Hits der 80er Jahre. Zuweilen in recht ungewöhnlichen Versionen. So kam man dann in den Genuss, "London Calling" als verschleppten Jazz oder "Golden Brown" ganz ohne Spinett geboten zu bekommen. Das war das, als das es Fritz angekündigt hatte: Eine schöne Einstimmung auf das Konzert mit Jackie.

Aufgrund eines Missverständnisses - Jackie wartete Backstage auf Fritz Kappners Einsatzbefehl, während dieser im Gegenzug auf Jackie Leven wartete - begann das eigentliche Konzert dann etwas verspätet. Jackie, den selbst gute Freunde ehrfurchtsvoll als "ziemlich füllig" beschreiben, versucht heutzutage gar nicht erst mehr, seine Körperfülle durch Design-Accessoirs zu verbergen, sondern nutzt seinen Leibesumfang schlicht als Resonanzboden. So ist denn auch gewährleistet, dass seine Stimme nach wie vor prägnant und beeindruckend kräftig im Raume steht. Allerdings fiel dieses Konzert - im Vergleich zu anderen Jackie-Shows - ziemlich ruhig aus, so dass es hier eher auf die subtilen Zwischentöne ankam. Michael Cosgrave - aufgrund des Unwohlseins weit von seiner Bestform entfernt - beschränkte sich auf eine vergleichsweise unspektakuläre Begleitung (immerhin mit neuen Gimmicks, wie Jackies gesampelter Stimme ausgerüstet) und gab dem Troubadour Raum und Muße, sich zu entfalten. Und das tat dieser dann auch und präsentierte ein Programm, das quasi seine ganze Karriere abdeckte: Beginnend bei der aktuellen CD "Elegy For Johnny Cash", deren Titeltrack auch gleich zu den Höhepunkten des Abends gehörte, bot er Kostproben aus allen Phasen seiner an Höhen und Tiefen wahrlich nicht armen Laufbahn. So warb er für die vor kurzem erschienenen Doll By Doll Live-CD "Revenge Of Memory" (die einzige CD der Original-Jackie-Band), seine von Virgin aufs Eis gelegtes Album von '83 (von dem er ein Bootleg zum Kaufe feilbot) und seine unter dem Tarnnamen Saint Vincent Lone aufgenommene Projekt-CD "Songs For Lonely Americans". Hiervon spielte er z.B. den Song "Moscow Train", zu dem er die - unglaubliche - Entstehungsgeschichte erzählte: Auf einer Bahnfahrt in Russland habe ihm Bob Dylan erzählt, dass dieser die Moskauer U-Bahn nicht möge, weil er sich dort von Frauen mit geschlossenen Augen beobachtet fühle.

Was Jackies Stories betrifft, so scheint er sich hier durchaus ab und zu neue zuzulegen, nur führen diese heutzutage seltener zu einer Pointe als etwa früher. So sind seine Anekdoten über einäugige Fensterputzer, mit Teddybären prügelnde schwedische Kleinkinder, German-Wings-Kotztüten oder Flughäfen, die von den Geistern verstorbener Fahrkartenkontrolleure heimgesucht werden, zwar immer noch amüsant (besonders wenn Jackie diese mit entsprechenden Gesten und Grimassen illustriert) - führen so recht jedoch immer seltener irgendwo hin. Rein musikalisch aber war der Abend dennoch ein Erfolg, denn besonders stimmlich überzeugten Jackie und auch der Harmoniesänger Michael Cosgrave dann letztlich doch. Dass Jackie als einfühlsamer Gitarrist agiert, der zuweilen seine Gitarre auch als Perkussion-Instrument verwendet, war den Anwesenden ja bereits bekannt und die üblichen Jackie Hits - vom "Single Father" über "Cold Mother Of Lonely Fields" bis zu den "Classic Northern Diversions" - gab's natürlich auch. Fazit: Als leichtfüßige Sommerunterhaltung und Alternative zur Fußball-WM war das alles Bestens geeignet, allerdings hat man Jackie Leven und Michael Cosgrave auch schon mal brillanter und inspirierter gesehen. Ach ja: England spielte 2:2 gegen Schweden und Jackie Leven ist wohl tatsächlich einer der wenigen Inselbewohner, der NICHT darauf hofft, dass die Mannschaft die WM gewinnt...

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Surfempfehlung:
www.jackieleven.com
www.indigo.de/unser_programm/529/
de.wikipedia.org/wiki/Jackie_Leven
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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