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Same prodecure as last year

Bob Dylan

Gelsenkirchen, Amphitheater
02.07.2006
Bob Dylan
Wenn wir es uns einfach machen wollten, würden wir einfach an dieser Stelle unseren letztjährigen Review noch einmal hochladen. Denn während wir uns jahrelang an der ständigen Abwechslung in Dylans Repertoire und seinen Performances berauscht haben, galt dieses Mal für das einzige Deutschland-Konzert diesen Sommer in Gelsenkirchen: Same procedure as last year: Die gleiche Band, (zu) viele wiederholte Crowdpleaser, die gleiche Erkenntnis: Dylan, inzwischen 65, fordert sich, seine Band und sein Publikum längst nicht mehr so sehr heraus wie früher.
Schlimmer noch, zum ersten Mal in seiner Karriere überhaupt scheint er Spaß daran zu haben, auf der Nostalgiewelle mitzureiten, und spielt deshalb nicht mehr und nicht weniger als seine Greatest Hits. Dabei hat er im Februar bereits ein neues Album aufgenommen, das Ende August erscheinen wird. "Modern Times" soll es heißen und sehr gut sein - gespielt hat Dylan in Gelsenkirchen daraus leider nichts. Nicht ein einziges Lied! Stattdessen: Altbekanntes. Genauso wie vor Jahresfrist wieder "Maggies Farm" am Anfang, ebenso vorhersagbar das Ende mit "Summer Days" und den stagnierenden Zugaben "Like A Rolling Stone" und "All Along The Watchtower", die so klingen, als wüsste Dylan selbst nicht mehr, warum sie überhaupt noch allabendlich im Programm sind.

Um es nicht vollkommen langweilig werden zu lassen, hat er inzwischen fast alle Songs seines letzten Studioalbums "Love & Theft" von 2001 aus dem Programm geworfen. Nach mehr als 500 Shows, um dieses Album zu promoten, langweilten ihn die Stücke vermutlich selbst ein wenig. Auch neu: Statt sein Keyboard auf "Pianosound" zu programmieren wie in den letzten Jahren, wählt er inzwischen das Preset "Orgel" an, was für fröhlich quietschende Zwischentöne sorgt, leider nur bei den wenigsten Songs wirklich funktioniert.

Immerhin füllte er die Lücken zwischen langweiligen und gelangweilt auf Autopilot absolvierten Songs wie "The Times They Are A-Changin'", "Highway 61 Revisited" und einem abermals schrecklichen "I'll be Your Baby Tonight" mit einigen willkommenen Raritäten. Mit "Senor" zum Beispiel, mit interessanter Phrasierung und einem unvermuteten Reggae-Break, einer atemberaubenden Version von "Desolation Row" mit einem effektvollen Intro als Duo nur mit Akustikgitarre und Orgel und der wohl programmtechnisch größten Sensation, "New Morning", mit einem dramatischen "Kirchenorgelsolo" zu Beginn. Dass die selten gespielten Songs der Band (und Dylan) höchste Konzentration abverlangten, tat den Stücken dabei merklich gut.

Doch leider galt: Die Höhepunkte waren hoch, doch die Tiefpunkte auch wirklich tief. Natürlich wollen wir von Dylan alles andere als Mittelmaß hören, ein wenig mehr Balance hätte aus einem guten aber sicher auch ein sehr gutes Konzert am Ufer des Emscherkanals machen können.

Surfempfehlung:
www.bobdylan.com
www.boblinks.org
www.expectingrain.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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