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Konzert-Bericht
 
Die Traumdiva

Dayna Kurtz

Solingen, Steinenhaus
22.10.2006
Dayna Kurtz
In unserem für solche Sachen empfänglicheren Nachbarland Holland wird Dayna Kurtz mittlerweile bereits anerkennend als "Diva" tituliert. Die aparte Songwriterin und Interpretin hat sich mit ihrer sehr eigenständigen Mischung aus Jazz, Blues und folkorientierten Songs verschiedener Schattierungen dortselbst bereits eine solide Fanbasis erspielt. In unseren Breiten finden aber auch zunehmend Freunde intelligenten Songwritings, das stilistisch äußerst vielseitig und handwerklich bemerkenswert virtuos vorgetragen wird. Wie zum Beispiel in Solingen, dem "Ohio Deutschlands", wie Dayna vergleichsweise feststellte.
Dayna Kurtz
Solo sollte Dayna Kurtz nach Berichten Eingeweihter für gewöhnlich sogar noch intensiver rüberkommen, als mit Band. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Konzert im Steinenhaus. Dayna Kurtz ist dabei eine der Interpretinnen, der man besser aufmerksam zuhören sollte, wenn sich die volle Wirkung des Vortrages entfalten soll. Denn viele ihrer Stücke erschließen sich erst durch das Umfeld bzw. die Stories hinter den Songs vollständig. So erfuhren die Zuhörer dann hier so einiges zu Daynas eigenen Songs - aber auch über die ausgesucht exzentrischen Coverversionen. "Nola", zum Beispiel, ist eine Abkürzung für "New Orleans, Louisiana" - könnte aber auch der Name einer Frau sein, weil New Orleans unter den Städten der USA am ehesten wie eine Frau sei, erklärter Dayna. Ihr Song "Venezuela" basiere auf einem Traum, in dem ein Fremder auf sie zugetreten sei, und sie gebeten habe, sie zu heiraten, weil er sein ganzes Leben auf diese Traumbegegnung gewartet habe. Das sei aber leider nicht möglich gewesen, weil sie ihr Herz bereits in einem anderen Traum vergeben habe. So, oder ähnlich vermischen sich in Danyas Songs Realität und Phantasie, Tatsächliches und Mögliches zu einem lyrischen Ganzen, das durch die mehr als einfühlsame Interpretation jeweils nochmals aufgewertet wird. Aber auch wenn Dayna Cover-Versionen ankündigt, heißt das nicht, dass man sich dann als Zuhörer auf bekanntem, überschaubarem Terrain befindet. Johnny Cashs "All Over Again" oder Princes "Joy In Repetition" zum Beispiel haben - rein musikalisch - mit den Originalen nichts zu tun. In der Tradition der großen Interpreten macht Dayna die Stücke zu ihren eigenen. Und das bedeutet in diesem Fall: Zu spannungsgeladenen, intimen Jazz-Balladen. Dabei lenkt sie den Blick auf ganz andere Akzente, als es die Autoren vielleicht beabsichtigt haben. So stand bei dem Prince-Stück plötzlich nicht mehr der Rhythmus oder das Arrangement im Vordergrund, sondern die Story hinter dem Song.
Dayna Kurtz
Dayna trug ihre Songs dabei auf zwei unterschiedlich gestimmten akustischen Gitarren vor, wobei sie souverän zwischen Fingerpicking und Slide-Gitarre wechselte und einen Track, "Banks Of The Edisto", der davon erzählt, wie man Libellen zähmen kann, spielte sie auf dem Banjo. Wie schon an anderer Stelle bemerkt, klingen Daynas Stücke dabei absolut zeitlos - gerade so, als seien sie immer schon dagewesen. Deswegen braucht sie sich auch nicht zu bemühen - und tut das auch gar nicht erst - etwas Neues zu erfinden oder gar auf erzwungene Art hip zu klingen. Qualität wie diese setzt sich eben durch. Hinzu kommt, dass Dayna Kurtz als Instrumentalistin - wie angedeutet - absolut souverän agiert. So einfühlsam, effektiv und rationell gehen nur Leute vor, die genau wissen, was sie wollen und wie sie dieses erreichen können. Danyas beeindruckend raumgreifende Stimme reicht dabei vom berühmten Säuseln bis zum dröhnenden Orkan - den sie freilich nur punktuell aufbrausen lässt. Dazu unterhält sie mit kleinen Histörchen vom Tourleben und eben den Erläuterungen der Songs. Dass sie sich dabei - besonders im eher intimen Rahmen - das Rauchen und die Blitzfotografie verbittet, ist dabei dann weniger als Allüre oder divenhaftes Verhalten, sondern als Notwendigkeit zu verstehen, denn Dayna Kurtz möchte den Vortrag eben so nuanciert wie möglich hinbekommen. Das funktionierte auch im Steinenhaus ziemlich perfekt. Wo akustische Künstler in einem Auditorium mit Restauration ansonsten oft gegen ein deutliches Plapperlevel ankämpfen müssen, wäre hier praktisch die ganze Zeit über die sprichwörtliche fallende Stecknadel zu hören gewesen. Für Freunde traditionell orientierten (aber nicht belasteten) Liedgutes ist Dayna Kurtz mittlerweile zu einer allerersten Adresse geworden. Bereits Anfang des Jahres kehrt sie - dann mit Band - auf europäische Bühnen zurück.
Surfempfehlung:
www.daynakurtz.com
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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