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Konzert-Bericht
 
Schwarze Luft

Nina Nastasia
The Cape May

Köln, Gebäude 9
09.11.2006

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Nina Nastasia
Gleich beim ersten Song, "Dear Rose" - dem ersten Track ihrer ersten Scheibe "Dogs" - verhaspelte sich Nina Nastasia auf der Gitarre - was ihr ein verlegenes Lächeln entlockte und sie dazu veranlasste, noch einmal anzufangen, weil nun ja alles nur besser werden könnte. Das war dann aber fast auch schon die einzige Regung, die an diesem Abend von der Bühne zu vernehmen war. Schon das Interview per Telefon zur letzten Nastasia-CD "Run To Ruin" hatte vermuten lassen, dass die direkte Kommunikation nicht unbedingt die Stärke der schüchternen Songwriterin aus New York ist, die lieber die Musik für sich sprechen lässt. Das bestätigte sich bei dieser Show, einem der sehr seltenen Nastasia-Gastspiele in unseren Landen.
Konzentriert, aber beinahe schon autistisch arbeitete sich Nina mit ihrer Band durch ihr Oeuvre, das im Live-Kontext deutlich mehr in Richtung ihrer düsteren, spinnerten Psycho-Folk-Songs geht, wie sie auch wieder auf ihrer neuen CD "On Leaving" zu finden sind, als etwa in jene der sperrigen Elaborate des "Run To Ruin"-Albums mit dem übermächtigen Albini-Touch. Trotz aller musikalischen Leichtfüßigkeit und Transparenz: So richtig lustig ist so ein Nastasia-Auftritt nicht gerade. Das fing schon beim Rahmenprogramm an. Zunächst spielten drei von Ninas Begleitmusikern als The Cape May unter eigenem Namen auf. Die drei Herren traten dann dermaßen missmutig, muffelig und staubtrocken vor das doch immerhin interessierte Publikum, dass es den Eindruck erweckte, dass ihre Musik langweilig sei. Dabei war das gar nicht mal der Fall: Die Kanadier aus Calgary, die sich als Prairie-Kinder betrachten, brauchten nur relativ lange, um in die Gänge zu kommen. Der zeitlupenartige Alternative-Folk ihres neuen Albums "Glass Mountain Roads" steigerte sich gelegentlich vom Flüstern zum Sturm, war atmosphärisch dicht und klang im Vergleich zu ähnlichen Acts äußerst logisch und nachvollziehbar. Zwar schienen sie erst so richtig in Schwung gekommen zu kommen, als Drummer Jeff MacLeod beim letzten Track zur Gitarre griff und Sänger Clinton St. John so richtig aus sich heraus ging - aber im Prinzip passte halt alles. Lediglich die grüblerische Haltung der Jungs war dann doch ein wenig zu viel des Guten: Da strömte eine fast greifbare negative Energie von der Bühne. Zum Spaß jedenfalls, schien das Trio nicht auf Tour gegangen zu sein.
Doch vielleicht war das auch einfach bloß die Tagesform oder der Tour-Koller am Ende derselben - denn im Prinzip setzte sich die gefühlte Eiszeit in geschwärzter Luft (in Anlehnung an Ninas zweites Album "The Blackened Air") auch bei ihrem Konzert fort. Hier kamen dann noch Cello und Piano hinzu und gelegentlich griff Bassist Matt Flegal zum Akkordeon. Aber alle Beteiligten starrten schweigend vor sich hin und machten emotionslos ihre Arbeit. So richtig gute Laune wollte da natürlich nicht aufkommen. Rein musikalisch aber machte das alles durchaus Sinn. Der Wechsel zwischen intimen, zerbrechlichen Folk-Songs, die Nina zuweilen mit der Intensität eines Gebetes vortrug, und den transparent arrangierten Band-Passagen (die hin und wieder auch einmal richtig laut wurden und Druck machten), war ein genaues Abbild dessen, was auch Ninas Scheiben auszeichnet. Allerdings ohne, dass das Material in Fragmente zerfiel, wie das auf Konserve schon mal hin und wieder vorkommt. Die "Ruin"-Tracks - etwa das spröde "Regrets" - verloren im Live-Kontext etwas von ihrer Sperrigkeit und die leisen Töne gewannen noch ein Mal an Intensität. Auch Songs, die von beidem etwas boten, wie z.B. das klagend vorgetragene, eindringlich-sehnsüchtige "Counting Up Your Bones" von der neuen Scheibe, gefielen. Nina Nastasia mag vielleicht nicht die größte Entertainerin unter der Sonne sein, aber eine tolle Songwriterin und intensive Performerin ist sie dann doch irgendwie. Und wie gesagt: Sie ist ja auch im richtigen Leben nicht wirklich eine Quasselstrippe, die ihr Innerstes nach Außen kehrt und alles erklären möchte, was sie tut. Ein Mal richtete sie sich dann aber doch ans Publikum. "Unser Bus ist von der Polizei durchsucht worden, als wir gerade aus Amsterdam kamen. Das war ziemlich interessant", meinte sie, um dann auf Nachfrage noch hinzuzufügen: "Sie haben es aber nicht gefunden..."

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/ninanastasia
www.southern.com/southern/band/NASTA/
flemisheye.com/thecapemay.php
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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