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Musikalisches Trinkgelage

"Sit Down & Sing"-Tour
Wolke / Kristofer Aström / Maria Taylor

Köln, Prime Club
25.01.2007

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Sit Down & Sing
Das Tapete Label lud ein zur zweiten "Sit Down & Sing"-Tour - und im Wesentlichen kamen auch alle. Was dazu führte, dass nur knapp die Hälfte der Zuschauer im Prime Club tatsächlich auch sitzen konnte. Die drei recht unterschiedlichen Acts (von denen eigentlich nur Wolke auf Tapete sind) erwiesen sich dabei in mehrererlei Hinsicht als völkerverbindend. Nicht nur, dass sich das Publikum als bunt gemischter Haufen erwies - auch die Musiker untereinander verströmten ein heimeliges Zusammengehörigkeitsgefühl. "Eigentlich kannte ich die anderen vor dieser Tour gar nicht", verriet z.B. Maria Taylor vor dem Konzert, "aber inzwischen sind wir die besten Freunde und singen auch alle zusammen." Das stimmte wohl: Die übliche Aufteilung in Support-Act und Headliner entfiel bei dieser Show ebenso wie irgendeine klar abgegrenzte Aufgabenteilung: Jeder machte bei jedem mit und alle fühlten sich wohl dabei. Konzeptionell erwies sich der Abend als besonders interessant...
Wolke haben soeben ihr neues Album "Möbelstück" veröffentlicht und spielten auch neue Stücke hiervon - nur ohne die gewohnten Zutaten Beatbox und Bass. Kristofer Astrøm, der alte Schwede, sang solo ebenfalls neue Stücke - die aber wahrscheinlich oder bestimmt nicht auf seinem neuen Album, das er für April anpeilt befindlich sein werden. Maria Taylor schließlich - ursprünglich bekannt als die eine Hälfte von Azure Ray und begleitet von Bruder Macey und einem befreundeten Gitarristen - trug auch neue Stücke vor, die aber definitiv auf ihrem kommenden Album "Maria Teeter Flower" enthalten sein werden. Letztlich war das aber alles nicht von Belang, denn im Prinzip klang alles, was es an diesem Abend zu hören gab, irgendwie neu. Einfach deswegen, weil die Sachen sehr reduziert und sehr persönlich dargeboten wurden.

Oliver Minck von Wolke - der übrigens seit den Anfangstagen seinen Unterhaltungswert als Conferencier enorm gesteigert hat - meinte zwar noch scherzhaft, dass er sich einige Instrumente wie ein Glockenspiel oder eine Harmonika mitgebracht habe, um belegen zu können, dass er ein richtiger Musiker sei; dass aber bei Wolke überhaupt etwas fehlte, wäre einem unbedarften Beobachter kaum aufgefallen. Ganz im Gegenteil: Alte und neue Tracks wie "Kapitän" oder "Radfahren, lesen, Freunde treffen" gewannen im beschaulichen Chanson-Arrangement mit Piano und Stimme eher sogar noch an Tiefe und Benjamin Füllebocks Klavierspiel erschien ohne Taktgeber gelöster und verspielter als gewohnt. Dafür, dass es hier und jetzt gelang, eher Schwermütiges heiter und unterhaltsam vorzutragen, gebührt Wolke besonderes Lob. Für zwei besondere Clous sorgten dann die Gastauftritte von Kristofer und Maria: Kristofer sang eine Strophe des eingedeutschten Queen-Stückes "Ich will mich befreien" und Maria übernahm kurzerhand den Duett Part von Suzie Kerstgens, die auf Konserve bei "Wir werden immer jünger" mitmacht. Beides wurde übrigens auf Deutsch vorgetragen - wobei Kristofer nachher einräumte, keineswegs deutsch sprechen, sondern tatsächlich nur singen zu können.

Kristofer erschien dann für seine Verhältnisse geradezu lustig. Er habe sich sogar in seine beste Kluft gekleidet, weil ihm das Kölner Publikum so wichtig sei, erklärte der Mann in Schlabberjoppe und Jeans da mit einem Augenzwinkern. Dass er so gut gelaunt war, sei übrigens nicht darauf zurückzuführen, dass er zuviel getrunken habe - was aufgrund der zahlreichen Songs zum Thema "Trinken", die er im Programm hatte, ausdrücklich erwähnt werden musste - wie z.B. dem (ebenfalls nicht veröffentlichten) Song "I Got Me Drinking Again". "Ich bin kein guter Trinker", erklärte er stattdessen, "nach zwei Bier bin ich immer schon zu." Kristofer Astrøm verzichtete dann darauf, sein Duett-Stück, "The Wild", das er ansonsten immer mit Britta Persson aufführt, mit Maria Taylor zu singen, sondern bemühte sie stattdessen zu "Things Get Better". Der Höhepunkt seiner Show war dann aber indes die Zugabe. "Das ist der beste Song, den ich je geschrieben habe", kündigte er an - und spielte dann den alten Elvis-Gassenhauer "Always On My Mind", wozu Oliver Minck und Maria als Background-Chor mit Zunge in der Backe fungierten.

Maria Taylor schien dann am allerbesten von allen gelaunt zu sein. Bei ihrem letzten Gastspiel in Köln hatte sie vor lauter Nervosität noch viel zu viel getrunken (wie sie uns verriet) - doch davon konnte bei dieser Show keine Rede sein. Unterstützt von sanfter Bass-Untermalung, ein wenig Mandoline und Gitarrenklängen sang sie - begleitet von amüsanten Stories zu den einzelnen Stücken - die schönsten Songs ihres Debüt-Albums "11:11" sowie einige neue Stücke. Darunter "Ballad Of Sean Foley", eine entzückende Folknummer, die sie mit Conor Oberst zusammen über einen gemeinsamen Freund geschrieben hatte. Hierzu nahm dann noch einmal Benjamin Füllebock hinter dem Piano Platz, bevor dann zum offiziellen Abschluss alle beteiligten nochmals die Bühne betraten, um Marias heimlichen Hit "Song Beneath A Song" - bzw. dessen Refrain "It's not a love, it's not a love song" mitzusingen.

Fazit: Das war - alles in allem - ein wunderschöner Singer / Songwriter-Abend, der beeindruckend belegte, wie klein die Rolle der Herkunft doch zuweilen sein kann, wenn man sich auf die Musik als gemeinsame Sprache einigen kann. (Er wäre allerdings noch ein wenig schöner geworden, wenn man das Publikum nicht so unnötig lange hätte warten lassen.)

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Surfempfehlung:
www.tapeterecords.de
www.wolke-koeln.de
www.kristoferastrom.com
www.myspace.com/mariataylor
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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