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Konzert-Bericht
 
Blues mit Stuhlgang

Jason Molina
Lucky Fonz III

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
11.02.2007

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Jason Molina
Was kommt nach dem Blues? Nun, wenn es nach Jason Molina geht, offensichtlich ein zünftiger Stuhlgang. Jason Molina - bekanntermaßen der Kopf hinter Songs: Ohia und Magnolia Electric Co. - war auf Solo-Tour bei unseren Nachbarn in der malerischen Kapelle des Landgutes Roepaen angekommen - das mittlerweile bei Musikfreunden schon den Ruf als das "Paradiso des Ostens" genießt. Dort stand er dann also - wie gewohnt zünftig gekleidet (im Flanellhemd und Holzfäller-Halstuch) und ohne großartig als Musikant erkennbar zu sein - aber dafür mit gekämmtem Haupthaar; sang seine Songs zur Solo-Gitarre und trank abwechselnd Bier und Wasser.
Das hätte er sich wohl besser überlegen sollen, denn mitten in seinem recht kurzen Set (und eben nachdem er musikalisch bereits die Frage "What Comes After The Blues?" gestellt hatte) drückte auf einmal die Blase und Molina musste - Entschuldigungen murmelnd - die Toilette aufsuchen. Das ist in Roepaen übrigens jene mit der Kirchenbank; sodass er zeitgleich Buße tun konnte. Als er dann zurückkam, entschuldigte er sich nochmals und bemerkte ganz richtig, dass das ja nun keineswegs etwas Rockstar-mäßiges an sich gehabt habe. Das käme drauf an, was auf der Toilette abgegangen sei, warf ein spitzzüngiger Zuschauer ein - worauf Jason indes nicht weiter einging. Unterhaltungsmäßig war es das denn aber auch schon, denn ansonsten sagte Molina rein gar nichts zwischen seinen Songs und ließ alleine diese wirken.

Da legte sich sein Support schon mehr ins Zeug: Der schlaksige junge Mann aus Amsterdam stellte sich als Songwriter namens Lucky Fonz III vor. Dieses Manko machte er dann aber durch seine Songs wieder wett. Die von amüsanten Stories umrahmten Geschichten über Leuchttürme, Inseln, und Seeleute hatten einen ganz eindeutig maritimen Charakter und musikalisch muss Fonz durchaus eine eigene Note attestiert werden. Er spielte ein virtuoses, aber leises Fingerpicking, und sang dazu eindrücklich und dynamisch mit klagender, hoher Stimme. Das zwang geradezu zum Zuhören - was die Zuschauer dann auch taten: Andächtige Stille füllte die Kapelle, wie sich das gehört. Ein passenderweise "Hallelujah" betiteltes Stück trug der Meister auf einem Harmonium vor, das auf einem Nähmaschinentisch aufgebaut war und einige Stücke spielte er am Klavier, wobei er sich durchaus als kompetenter Instrumentalist mit jazziger Note bewies. Zum Schluss wurde die Sache mit Songs wie "I Once Was A Lady" zwar ein wenig albern, aber unter dem Strich hinterließ Fonz - trotz des abenteuerlichen Namensgebildes - einen guten Eindruck.

Auf so etwas legt Jason Molina ja bekanntlich keinen so großen Wert. Der Mann lebt halt nicht für die Imagepflege, sondern für und durch seine Musik. Das war im Prinzip solo nicht anders als mit Band: Molina sang jeden Song, als sei dies sein letzter und streichelte dazu seine Gitarre mit bemerkenswert fingerfertigem Einfühlungsvermögen. Rein technisch und was die Atmosphäre betraf, gab es da nichts auszusetzen. Lediglich der Umstand, dass Molina wirklich jeden seiner Songs auf die gleiche, lamentöse Weise intonierte - gleichwohl das im Einzelfall durchaus beeindruckend klang -, wirkte auf die Dauer doch ein wenig ermüdend. Gegen Ende der Show ließ er die Tracks auch mehr oder minder Medley-artig ineinander übergehen. Dafür war aber die Sache - wie gesagt - nicht besonders lang. Nach ca. 50 Minuten (und bereits abzüglich der Toilettenpause) gabs von der Bühne nach "Lone Twilight" ein zünftiges "Adios!" und das war es dann auch schon. Dass Molina keine Zugabe geben würde, hatte der Veranstalter bereits im Vorfeld angekündigt.

Im Prinzip bekam man bei dieser Show also als Zuhörer genau das, was auch draufgestanden hatte: Jason Molina solo und seine Songs. Nicht mehr und nicht weniger. Für alle, die den Mann bislang nur mit seinen Band-Projekten erlebt hatten, war die Sache dennoch ihr Geld wert, da man so einmal eine ganz andere Facette Molinas zu Gesicht bekam. Anders als auf seinen z.T. doch recht eigenwilligen Solo-CDs galt bei diesem Konzert übrigens dankenswerterweise das Prinzip: Keine Experimente. Alle Stücke wurden ohne jedwede Schnörkel oder musikalischen Eskapaden vorgetragen. Das war Jason Molina pur. Und wie er mit Band klingt, kann man in zwei Monaten schon wieder nachprüfen, denn da kommt er mit Magnolia Electric Co. zurück auf unsere Bühnen.

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Surfempfehlung:
www.magnoliaelectricco.com
www.secretlycanadian.com/artist.php?name=molina
de.wikipedia.org/wiki/Jason_Molina
www.luckyfonziii.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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