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Im Labyrinth

My Brightest Diamond
Ellen Klinghammer

Köln, Gebäude 9
14.02.2007

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My Brightest Diamond
Da kann man so angesagt sein, wie man möchte: In Köln gegen Karneval, Fußball und schlechtes Wetter gleichzeitig anspielen zu müssen, stellt schon eine besondere Herausforderung dar. Das mussten auch Shara Worden (a.k.a. My Brightest Diamond) und Ellen Klinghammer erkennen, die diesen Tag zugewiesen bekommen hatten, um auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tour in der Domstadt zu gastieren. Gerade mal 30 Zuschauer verloren sich auf den bereitgestellten Stühlen und Bänken im Gebäude 9, das durch diesen Umstand wenigstens nicht ganz so desolat wirkte. Beiden Künstlerinnen muss indes attestiert werden, dass sie sich durch diese eher deprimierenden Umstände keineswegs unterkriegen ließen.
Die Show eröffnete Ellen Klinghammer aus Frankfurt. Die arme Frau wird aufgrund dessen, dass sie Klavier spielt und mehr als passable, eigenständig geformte englischsprachige Songs mit intelligent formulierten Texten und beeindruckend klarer Gesangsstimme vorträgt, mit jeder musizierenden Geschlechtsgenossin verglichen, die gleiches tut. Dabei ist das gar nicht so einfach mit den Vergleichen, denn Ellen hat eine sehr selbständige Art, an die Sache heranzugehen. Und die besteht gewiss nicht darin, dass sie irgendwen zu kopieren versucht. Vielmehr hat sie einen Weg gefunden - mit jazziger Leichtigkeit und ohne Berührungsängste zu klassischen Formen - Songs zu konstruieren, die sich dem gängigen Pop-Schema verschließen und stattdessen ihre eigene, wellenförmige Struktur finden, innerhalb derer Ellen sich leichtfüßig, mit zum Teil gewagten Harmoniesprüngen, und sympathisch unsicher menschelnd, was ihre Bühnenpräsenz betrifft, hin und her bewegt. Ellen spielte Material ihrer selbstverlegten CDs "Holly's Songs" und "Demo" und als krönende Dreingabe eine Coverversion von The Cures "Spiderman", die ein gutes Beispiel für ihren Ansatz darstellte: Zunächst nur am Text zu erkennen, bewegte sich die Interpretation dann - wellenförmig - auf das musikalische Thema zu, ohne dieses zu erdrücken. So etwas hat man alles schon sehr viel banaler und vorhersehbarer gesehen und insofern ist es Ellen Klinghammer zu wünschen, dass sie mit ihrer Musik die Öffentlichkeit erreicht, die ihr eigentlich zustände.

Irgendwelche Unsicherheiten, sich auf der Bühne zu präsentieren und darzustellen, waren bei Shara Worden nun wirklich nicht auszumachen. Gekrönt von einer verwirrten Frisur und extravagant gewandet stellte sich Shara hinter das Mikro und hatte das Publikum vom ersten Ton an im Griff. Es hilft natürlich, wenn man als Künstlerin etwas zu sagen hat - weniger inhaltlich (Shara singt tatsächlich über Libellen, sprechende Uhren, Pferde und magische Hasen), sondern was das künstlerische Statement betrifft. Shara ist da quasi ein lebendes Gesamtkunstwerk. Dabei gibt es kaum irgendwelche Vergleichskriterien: My Brightest Diamond (später kamen noch ein Bassist und ein Drummer hinzu) bietet nichts, was man in dieser Kombination oder Tonlage schon mal gehört hätte. Bereits nach zehn Minuten war der Zuhörer mit Nina Simone, Ravel, sprechenden Uhren, einer Kalimba und einer Ode für vom Valentinstag Vernachlässigte konfrontiert worden. Und so ging das weiter. Unterbrochen von lustigen Spielchen und Sprüchen bot Shara eine exquisite Zusammenstellung von Songs ihres Debütalbums "Bring Me The Workhorse", neueren und älteren Tracks und ausgesuchten Coverversionen. Überraschend in dem Zusammenhang war dabei die positive Energie, mit der die zierliche Person die auf Konserve z.T. desolaten und düsteren Elaborate darbot. Zwar macht Shara dezidiert KEINE Rockmusik, aber zuweilen - nicht nur bei Led Zeppelin-Coverversionen - ging auf der Bühne ganz schön der Bär ab. So sehr sogar, dass Bassist Nathan die dickste Saite seines Instrumentes riss. Und so etwas passiert nicht einmal bei Punk-Konzerten häufiger.

Sharas Songs sind dabei alles andere als pflegeleicht und zugänglich - schon alleine deswegen nicht, weil sie sich für jedes Stück ein eigenes Format unter Vernachlässigung all dessen, was etwa Musiklehrer als richtig bezeichnen würden - zusammenschraubt. Aber live dargeboten und mit Unterstützung von Musikanten, die die Begleitung noch als Lebensaufgabe sehen, vermittelten die Tracks eine eigenartige, hypnotische Faszination und - zumindest Stellenweise - auch eine spröde Schönheit. Und das ohne erkennbare Melodien oder greifbare Songstrukturen. Mit Gesangsharmonien, wie sie Shara z.B. für Künstler wie Sufjan Stevens beisteuert, hatte das alles nicht viel zu tun. Auch als Sängerin sucht Shara ihre eigene Form. Und da darf dann z.B. auch ein Mal geknurrt oder gefaucht werden. Im Zentrum des Vortrages standen folglich eigentlich weniger die Songs, sondern Sharas intensive Performance und das, was sie aus dem Material herauskitzelte. Am Ende blieb die Begeisterung über so viel musikalischen Wagemut - und eine Cover-Version von Princes "How Come You Don't Love Me Anymore" als Zugabe. Ein My Brightest Diamond-Konzert - das ist wie ein seltsamer Trip durch ein musikalisches Labyrinth, bei dem es letztlich egal ist, ob man da wieder herausfindet oder nicht, denn es macht Spaß sich auf diese Art zu verlaufen; zumindest, wenn man Shara Worden als Führerin hat.

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Surfempfehlung:
www.mybrightestdiamond.com
www.myspace.com/mybrightestdiamond
www.ellen-klinghammer.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über My Brightest Diamond:
Interview
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