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Konzert-Bericht
 
Gelungener Tourauftakt

Eleni Mandell

München, Rote Sonne/ Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
07.03.2007/ 31.03.2007

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Eleni Mandell
Mit "Miracle Of Five" hat uns Eleni Mandell ein Album geschenkt, das unter die Kategorie zeitloses Meisterwerk fällt. Entsprechend gut ist die Rote Sonne in der Münchner Innenstadt gefüllt. Ein ziemlich gemischtes, eher erwachsenes Publikum drängt sich in dem gemütlichen Kellerclub, steht still und lauscht dem Auftaktkonzert der aktuellen Tour.
Eleni im selbst genähten Kleid, routiniert, lässig, lasziv. In blindem Einverständnis ihre alt gedienten Mitstreiter. Kevin W. Fitzgerald am Schlagzeug und Ryan Feves am Bass erinnern in ihrer schlafwandlerisch sicheren Performance an Joey Burns und John Convertino, als die noch teil von Giant Sand waren. Dazu ist ein neues Gesicht gekommen. Der junge Jeremy Drake hat offenbar die Aufgabe, auf der Tour die ornamentalen Elemente der luftigen Arrangements des aktuellen Albums mit seiner Stromgitarre nachzuempfinden, was ihm kongenial gelingt. Er schließt die Lücke, die auf der letzten Tour hier und da entstanden war, als Eleni auf einen dritten Mitmusiker verzichten musste. Besonders augenfällig wird das bei den Songs von Miracle of Five, die damals als noch unveröffentlichte Titel zu Gehör gebracht wurden.

Auf der Bühne wie auf Tonträger entfernt sich Eleni so vom alternativen Underground und nähert sich dem Adult Contemporary Segment an, irgendwo zwischen Country, Folk, Jazz und erwachsenem Pop. Man mag an Carla Bruni denken, an Aimee Mann und an Norah Jones, ohne allerdings eine Anbiederung an den Massengeschmack konstatieren zu müssen. Einzige Reminiszenz an frühere Zeiten und Vorbild und Mentor Tom Waits auf der heutigen Playlist sind Titel wie "Dangerous" und "Pauline", die hypnotisch holpernde Kontrapunkte zum vergleichsweise zugänglichen Material des aktuellen Albums setzen.

Das alles ist ein Schritt in die richtige Richtung. Geradezu frenetisch wird Eleni von ihrem begeisterten Publikum gefeiert und spielt zwei Zugaben-Sets. Bleibt zu hoffen, dass nun auch ein größerer kommerzieller Erfolg nicht mehr lange auf sich warten lässt. Ein gelungener Abend, ein gelungener Tourauftakt.

Am Ende ihrer langen Europa-Tournee hatten Eleni Mandell und ihre Jungs es eilig, nach Hause zu kommen: So traurig das auch sei, nach einem Monat habe sie dann doch Heimweh nach Kalifornien, meinte Eleni anlässlich einer der wenigen Gelegenheiten, bei der sie sich direkt an das Publikum wendete. Dass sie bei ihren Konzerten nicht eben als kommunikative Quasselstrippe verschrien ist, möchte man ihr bitte nachsehen, informierte uns Eleni einmal bei einem Interview. Bei den Konzerten konzentriere sie sich immer so sehr auf den Vortrag, dass es ihr schlicht nicht möglich sei, locker mit dem Publikum zu scherzen. Das zahlt sich allerdings in dem Fall einmal aus. Ein Konzert von Eleni Mandell ist stets eine zwar ruhige, aber auch intensive Angelegenheit. Selbst Jeremy Drake, der neue Mann an der Gitarre, den ja bereits Kollege Ducar bei seinem Bericht aus München erwähnte, spielte z.B. bestenfalls in Zimmerlautstärke. Letzterer war es übrigens auch, der das Set von Eleni nach ihren "Country"- und "Jazz"-Phasen wieder ein wenig in Richtung Abenteuerland führte. Er hantierte mit einem beeindruckenden Set von Effektgeräten und manchmal klang das, was aus dem Verstärker kam, eher nach Keyboardsounds als nach reiner Gitarrenkunst. Sein Stil - mit Haken, Ösen, kunstvoll platzierten Schrägtönen und Störfeuern - orientiert sich dabei übrigens an jenem von Konzeptkünstlern wie z.B. Marc Ribot. Was ja nicht wirklich wundert bei einer Chefin, die geradezu auffällig penetrant darauf hinweist, dass sie sich von ihrem großen Vorbild Tom Waits lösen möchte.

Das gelingt ihr - zugegebenermaßen - heutzutage immer besser. Und zwar nicht nur wegen des immer selbständigeren Songmaterials, wie z.B. jenem der neuen Scheibe, "Miracle Of Five", sondern auch, weil Eleni mittlerweile als Sängerin eine ganz eigene Klasse erreicht hat und - im Vergleich zu früheren Touren - auch deutlich an Charisma zugelegt hat. Hinzu kommt, dass die Rhythmusgruppe mit Kevin W. Fitzgerald und Ryan Feves nicht nur sehr organisch zusammenspielt (das sollte eine Rhythmusgruppe ja eh tun), sondern auch viel zum Soundbild der Eleni Mandell Live-Experience beiträgt; unter anderem wegen des sehr speziellen Retro-Instrumentariums. Gerade deswegen wirken ältere Songs, wie z.B. der "Snake Song" heutzutage nicht mehr wie Fremdkörper: Eine Eleni Mandell-Show ist heutzutage eine Sache aus einem Guss. Wie bereits angekündigt, hält sich Eleni heutzutage nicht mehr mit Cover-Versionen auf. Außer einer Hommage an Tammy Wynette gab es nur eigene Songs - und diese outen sich immer mehr als solide, zeitlose Klassiker. Natürlich gab es hier keine Studiotricks, wie auf der "Miracle"-Scheibe, sondern die Songs mussten einfach in ihrer ursprünglichen Form bestehen. Das scheint aber anzukommen: Das Publikum - das sich zur Hälfte auch aus jungen, vorwiegend weiblichen Menschen rekrutierte - sieht in Eleni wohl momentan so eine Art Rettungsanker in der See der eher gesichtslosen aktuellen Betroffenheits-Songwriter. Großartige Zugaben-Orgien gab es in Roepaen nicht. Einerseits spielte ja noch ein zweiter Act, und andererseits mussten Eleni & Co. in der gleichen Nacht noch nach Belgien. "Was kann ich sagen - wir mögen halt Fritten und Schokolade", entschuldigte sie sich lächelnd. Zweifel bleibt indes, ob Eleni auch das elegant geschnittene Taftkleid, in dem sie die Show bestritt, wie im Vorfeld versprochen selber genäht haben mag...

Der zweite Act des Abends war die Jazz-Pop-Kapelle Room Eleven. Nicht nur in den Niederlanden genießen die jungen Musiker um die Sängerin und Songwriterin Janne Schra einiges Ansehen - auch auf internationalen Jazzfestivals sind sie gern gesehene Gäste. Dabei haben sie mit der reinen Lehre eigentlich weniger am Hut: Der Jazz - bzw. dessen leichtfüßige Rhythmik - dient eher als Mittel, die Songs auf interessante Weise darzubieten. Auch wenn sich der eine oder andere Blues oder Samba ins Geschehen schleicht: Room Eleven sind vor allen Dingen eine gutgelaunte Band. Zwischen den Stücken redet Janne ohne Punkt und Komma kichernd mit dem Publikum und beim Vortrag ist alles jeweils auf den passenden Groove mit einer Prise Funk ausgerichtet. Das alles unterstützt die netten melodischen Pop-Elemente, auf denen viele der Tracks aufbauen. Zuweilen sind Room Eleven sogar zu gutgelaunt: Bei der - auf konstruktive Weise bis zur Unkenntlichkeit zerlegten - Cover-Version des Meredith Brooks Tracks "Bitch", der hier als schleppende Blues-Nummer umformuliert wurde, schlug die Sache am Ende noch in eine Rockabilly-Country-Nummer um. Wirklich brauchen tat das niemand. Stilistisch setzen sich Room Eleven eh nicht viele Grenzen und das Klangbild ist mit Gitarre, Keyboards und akustischer Rhythmusgruppe gut und vielseitig besetzt. Room Eleven sind sich nicht einmal zu schade, das Publikum zum Mitsingen aufzufordern. Bei einem Jazz-Konzert wäre so etwas ja undenkbar - aber so denken Room Eleven eben offensichtlich nicht. Auch wenn dieses extrovertierte Konzert stilistisch nicht ganz zum eher relaxten Eleni Mandell Auftritt passte: Ein schöner, kurzweiliger Konzertabend war das allemal. Und in dem Fall war es sogar von Vorteil, dass die Show nicht in der großen Kapelle, sondern im eher intimen Nachtclub stattfand...

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Surfempfehlung:
www.elenimandell.com
www.myspace.com/elenimandell
Text: -Dirk Ducar (M) / Ullrich Maurer (Ottersum)-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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