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Konzert-Bericht
 
Fliegende Helden

Chris & Carla
Eline de Bruijn

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
11.03.2007

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Chris & Carla
Fast war es ja schon ein wenig nickelig, wie Chris Eckmann und Carla Torgerson da mit den Erwartungshaltungen des Publikums spielten. Diejenigen, die etwa gekommen waren, um sich die neue CD, "Fly High, Brave Dreamers" als Live-Jukebox anzuhören, wurden zweifelsohne enttäuscht. Das ist aber auch nicht Sinn der Sache: Heutzutage legt das Walkabouts-Kernduo dermaßen viel Wert darauf, unberechenbar zu sein (einfach um sich selber auch immer wieder neu zu inspirieren), dass das Offensichtliche um jeden Preis vermieden werden soll. Und so eröffneten Chris & Carla das Set dann auch bezeichnenderweise mit Nummern, die man von einem akustisch-elektrischen Duo ohne Rhythmusgruppe so nicht erwartet hätte: Mit "Acetylene" vom letzten Walkabouts-Album und mit "Stopping Off Place" von "Setting The Woods On Fire" - ebenfalls einer Scheibe, die nicht eben für besinnliche Folk-Töne bekannt ist.
Ach ja: Die besinnlichen Folk-Töne gab es auch - aber nicht von Chris & Carla, sondern vom Support-Act, der bezaubernden Eline de Bruijn - einer lokalen Songwriterin, die soeben einen Preis beim Gelderner Singer- / Songwriter Festival gewonnen hatte. Der Auftritt in Roepaen war erst ihr dritter überhaupt, und dafür schlug sie sich trotz eines nicht durch sie zu verantwortenden technischen Fauxpas recht passabel. Eline hat ein faszinierendes Vibrato in der Stimme, das sie zudem bewusst einzusetzen weiß. Ihre Songs sind eher ruhig und nachdenklich angelegt, aber sie weiß auch zu variieren - z.B. mit einem Gedicht in der Form einer Ani DiFranco-Nummer oder indem sie zwischen Fingerpicking und Akkorden wechselt. Eline de Brujin ließ somit einige Merkmale erkennen, die neugierig machten auf ihre weitere Entwicklung als Songwriterin.
Einige Stimmen im Publikum gingen sogar so weit zu sagen, dass ihr Vortrag abwechslungsreicher geraten war als der von Chris & Carla. Das ist insofern nachzuvollziehen, als das das Set von Chris & Carla strengen formalen Gesichtspunkten unterlag. Nun behauptete ein Kenner des Metiers, dass das alte Feuer zwischen den beiden Protagonisten erloschen sei. Das ist aber sicher nur bedingt richtig: So richtig feurig waren Chris & Carla schließlich noch nie und auch bei den Walkabouts herrscht stets eine abgezirkelte Aufgabenteilung, bei der von einer gemeinsamen Leidenschaft eigentlich gar nicht so viel zu spüren ist. Die Faszination erschließt sich eher durch die Interpretation des jeweiligen Vortragenden - weniger durch das Zusammenspiel. Und wenn dann sprödes Songmaterial bzw. Arrangements zugrunde gelegt werden - wie z.B. "Acetylene" oder eine merkwürdig montone Kraut-Rock-Version von "Will You Miss Me When I Gone" (das den im letzten Jahr verstorbenen Grant McLennan und Arthur Lee gewidmet wurde), dann kann das Experiment sich auch schon mal ins Gegenteil verkehren. Es gab aber dennoch auch durchaus positive Aspekte: Immer dann, wenn Chris & Carla mit melodiöserem Material hantierten - seien es (relativ seltene) neue Tracks wie "Taking Leave Of Our Senses", den extrem verlangsamten Walkabouts-Klassiker "Jack Candy" oder das ursprünglich mit den Tindersticks eingespielte "Velvet Fog", dann spielten Tempo oder Dynamik schlicht keine Rolle mehr. Dann ging es nur noch um die zugrunde liegenden Geschichten und das war dann klassisches Folk-Entertainment. Auch wenn Carla ungelenk mit einem Billig-Keyboard herumfuhrwerkte und wenn Chris erstaunlich energische Rock-Soli auf der Gitarre beisteuerte. Zwischendurch gabs die üblichen Kommentare zum Geschehen: "Das fühlt sich irgendwie komisch an, all diese Stücke mit ihren Tränen, Knochen, Blut und Todesfällen in einer Kirche zu singen", meinte Carla z.B. - während Chris dann darauf aufmerksam machte, dass er diese vielleicht in der Kirche geschrieben habe.

Zum Schluss, bei der Zugabe, gab es schließlich sogar noch eine Art Erleuchtung: Der Titeltrack des neuen Albums, "Fly High Brave Dreamers" hatte ursprünglich mal einen ganz normalen Text. Es war Carlas Idee, diesen auf den Refrain zu reduzieren, um so eine Mantra-artige Energie erzeugen zu können. Dem Stück fehlt also im Prinzip seither die Auflösung. Auf CD funktioniert das wunderbar - live mutet es eher seltsam an. Schon alleine, weil man hier nicht ausblenden kann. Das lösten Chris & Carla, indem sie "Dreamers" als Rahmenhandlung für eine durchaus gelungene Coverversion von Bowies "Heroes" nutzten - was ja auch thematisch passte. Und so endete dann das Konzert mit einer durchweg positiven Note - sowohl musikalisch, wie auch inhaltlich. Und wer Chris & Carla kennt, der weiß, dass das für die alteingesessenen Melancholiker durchaus etwas Besonderes ist...

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Surfempfehlung:
www.flyhighbravedreamers.net
www.thewalkabouts.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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