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Konzert-Bericht
 
Knochenbrecher, Fahrrad, Souzaphon

Hanne Hukkelberg

Köln, Stadtgarten
12.04.2007

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Hanne Hukkelberg
Wer Konzerte der etwas anderen Art erleben möchte, der ist im Kölner Stadtgarten ja grundsätzlich gut aufgehoben. So auch dieses Mal: Ein Fahrrad am Bühnenrand sieht man ja z.B. tatsächlich nicht alle Tage. Hanne Hukkelberg aus Norwegen, die auf dieser Tour ihre neue CD "Rykestrasse 68" vorstellte, ist ja eh schon dafür bekannt, bei der Wahl ihrer Instrumente nicht allzu wählerisch zu sein - so lange nur irgendwelche brauchbaren Geräusche dabei herauskommen. Neben dem Fahrrad befanden sich auf der Bühne noch ein komplettes Drumset, Akkordeon, Gitarren, Bass, Keyboards, Klarinette, Querflöte, Mörser, Glockenspiel, Souzaphon, Steel-Gitarre, Zither, Spielzeugpiano und diverses Zeug, auf dem sich herumklöppeln ließ.
Als Anne mit ihrer bunt zusammengewürfelten Band mit den Tracks "Berlin" und "A Cheater's Armoury" das Programm begann, war sofort klar, dass das ein Erlebnis abseits des Üblichen werden würde. Wie z.Z. einige ihrer französischen Kolleginnen auch, hat sich Hanne Hukkelberg einen ganz eigenen Stil erarbeitet, den es so letztlich noch nicht gegeben hat. Elemente aus Indie, Jazz, Folk, Pop und sogar Klassik tauchen zwar allenthalben auf, setzen sich allerdings nie prägend durch: Die meiste Zeit - auch dann wenn Hanne ältere Tracks von ihrem Erstling "Little Things", von ihrer "Cast Anchor-EP" und vor allen Dingen Cover-Versionen vorträgt, befindet sie sich im stilistischen Freiflug. Im Prinzip ist der einzig verbindende Anker bei all dem wuseligen Umeinander der Gesang - dargeboten von Hanne selbst sowie ihrer kongenialen Partnerin, der Multiinstrumentalistin Len Nymark. Dabei gelingt es Hanne geschickt zwischen Atonalität und Melodie hin und herzupendeln: Immer dann, wenn ein Song ins Nichts zu führen scheint, kommt eine überraschende Wendung, die das Ganze wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt - oder sogar in Richtung Pop führt, wie z.B. bei dem Pixies-Cover "Break My Body (Hold My Bones)" (das in der Live-Version gegenüber der recht kompakten CD-Version noch einmal erfolgreich seziert und neu zusammengesetzt wurde und das zu den absoluten Höhepunkten der Show zählte) oder auch bei eigenen Tracks wie "The North Wind" oder "Cast Anchor".
Andere Stücke, wie z.B. die hypnotische Zugabe "Words And A Piece Of Paper" oder die besonders abgefahrene Cover-Version des Kinks-Klassikers "All Day And All Of The Night", die man - ehrlich gesagt - gerade noch am Text erkennen kann, sind Avantgarde pur. Hier kommen z.B. dem Fahrrad, dem Souzaphon als Bassersatz und der Steel-Gitarre als Rhythmus-Instrument ganz neue Bedeutungen zu. Übrigens Rhythmus: Annes Sound ist so weit vom Rock'n'Roll entfernt, dass sie sich vermutlich nicht einmal mit einem GPS dorthin verirren würde. Wenn sich das Energielevel denn mal über den allgemein vorherrschenden Flüsterton erhebt, dann bestenfalls in Richtung Swing, Polka oder Stolperfalle. Wie die Musiker bei alle dem hin und her (das zusätzlich noch durch dezente Samples angereichert wurde) den Überblick behalten, bleibt rätselhaft, ist aber eindrucksvoll, da offensichtlich die Virtuosität keineswegs die treibende Kraft zu sein scheint. Hanne selbst macht als Performerin dabei nicht allzu viel her, sondern verlässt sich stattdessen lieber auf ihren intensiven Gesangsstil. Angst, dass sie dabei jemanden verlieren könnte - auch wenn die meist mit geschlossenen Augen singt - muss sie sich dabei allerdings nicht machen, denn die gespannte Aufmerksamkeit eines jeden einzelnen Zuhörers ist ihr sicher. Unerklärlich - aber erfreulich - blieb dann letztlich eigentlich nur der Umstand, dass sich für die doch sehr anspruchsvolle Musik von Hanne Hukkelberg so viele Menschen begeistern konnten...

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Surfempfehlung:
hanne.hukkelberg.net
www.myspace.com/hannehukkelberg
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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