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Kängurock Deluxe

John Butler Trio
Mick Hart

Köln, Theater Am Tanzbrunnen
19.04.2007

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John Butler Trio
Zu einem recht ungewöhnlichen Zeitpunkt - nämlich eine Woche VOR der Veröffentlichung seiner neuen Scheibe -, beehrte John Butler die Fans mit einem einmaligen Gastspiel in unseren Landen. Der Mann, der mit der Veröffentlichung von "Grand National" im Alleingang die australische Schallplatten-Industrie aus einer Flaute geholt hatte, konnte es wohl nicht erwarten, sein neues Material auch international live vorzustellen. Unterstützt wurde er dabei von seinem Landsmann Mick Hart, der insbesondere in Frankreich recht angesagt ist (John Butler ist im Prinzip auf Frankreich-Tour - das Konzert in Köln war die einzige Ausnahme) und der das Publikum mit angebluester, solider songwriterischer Hausmannskost versorgte, wobei er den Begriff "Anheizer" wörtlich nahm.
Hart ist ein kerniger Typ, der zupackend Gitarre spielt, eine bärbeißige Grummelstimme sein eigen nennt und eine Menge Energie an den Tag legte. Bewaffnet mit einer akustischen Gitarre, die er zuweilen als Slide-Gitarre spielte und einem Kickboard, bot er Songs seiner drei Alben und zahllosen EPs, die sich - anders als Butlers Material - oft und gerne mit der Weite seiner Heimat Down Under beschäftigten. Dazu bot er eine - allerdings fürchterliche - Coverversion von Lou Reeds "Walk On The Wild Side". Als Performer machte Hart dabei wesentlich mehr her denn als Instrumentalist oder Songwriter - was allerdings das gutgelaunte Publikum nicht davon abhielt, sich von seinem Sendungsbewusstsein anstecken zu lassen und ordentlich mitzugehen. Wie gesagt: Das war solide musikalische Hausmannskost. Ein Problem war unter anderem, dass man Hart nicht sehen konnte, wenn er zum Slide-Spielen auf einem Stuhl Platz nahm. Das Theater im Tanzbrunnen ist für Konzerte dieser Art nämlich nur teilweise geeignet. Zwar macht das Rund des zeltartigen Gebäudes optisch und atmosphärisch einiges her, jedoch ist die Bühne sehr niedrig und insbesondere der Sound ein echtes Manko - jedenfalls bei Rock-Konzerten. Überall im weiten Rund gab es unterschiedliche akustische Gegebenheiten - da kann selbst der beste Soundmann nicht gegen anmischen. So gab es überall akustische Löcher und richtig gut hörte sich die Sache eigentlich nur von den Seiten an (wobei man dort allerdings die Stimme nicht besonders gut hören konnte).

Dafür konnte natürlich John Butler nichts, aber es nahm der Sache dann im Folgenden doch etwas von ihrer möglichen Wirkung. Butler nutzte die Show konsequent als Showcase für das neue Material. Gleich das erste Stück, "Daniella", eine Ode an seine Frau (der er mit "I Could Be Losing You" später gleich noch ein Ständchen bot), war neu für die meisten im Publikum. Anders als beim Bright Eyes-Konzert vor wenigen Wochen störte sich daran hier allerdings niemand: "Daniella" wurde genauso begeistert aufgenommen wie der folgende Butler-Klassiker "Betterman" (dem kurz darauf verwirrenderweise ein weiteres neues Stück namens "Better Than" folgte). Das kann zweierlei bedeuten: Entweder sind die neuen Tracks so gut, dass sie gleich beim ersten Mal ins Ohr gehen, oder aber sie unterscheiden sich kaum von den bekannten Sachen. Zu Johns Gunsten nehmen wir aber mal Ersteres an, denn "Grand National" bietet wirklich einige ausgezeichnete Highlights, die auch alle gegeben wurden. Anders als sein Kollege Ben Harper, mit dem John ja so einige Details verbindet, spielt er dabei ein ganzes Arsenal an Gitarren. Neben seiner National (nach der das neue Album übrigens entgegen einiger Gerüchte nicht benannt wurde) waren das 12-saitige, Dobro-, Slide-, Lap- und viele verschieden gestimmte "normale" Gitarren. Dadurch ist sein Spoundspektrum natürlich relativ breit. Dies nutzt er jedoch (zum Glück) nicht dazu, zu versuchen, die Arrangements seiner Scheiben nachzuempfinden (das Orchester-Arrangement von John Butlers erster echter Ballade "Caroline" wurde z.B. auf ein wenig Glockenspiel von Drummer Michael Barker reduziert), sondern dazu, sich als Gitarrist zu verwirklichen. Dabei kommt er weitestgehend ohne Gimmicks aus. Lediglich bei der mit 20 Minuten dann doch zu langen Solo-Instrumental-Nummer "Ocean" verwendete er einen Sampler und einen Gitarren-Synthesizer. Ansonsten aber bleibt Butler seinen Stücken erstaunlich treu (natürlich abgesehen von den zahlreichen Solo-Passagen). Gerade dies ist es wohl, was ihn als Live-Musiker auszeichnet. Bassist Shannon Birchall und Drummer Michael Barker leisten dabei traumhaft sichere Support-Arbeit - allerdings auch nicht sehr viel mehr. Butler selbst agierte indes - zumindest an diesem Abend - relativ distanziert.

In Anbetracht dessen, dass es sein Traum ist, "Energie zu kanalisieren, damit - in Kommunikation mit dem Publikum - etwas ganz Spezielles entsteht", wie er uns erklärte, war er hier von diesem Ziel weit entfernt. Es war eine gute Performance, die auch artig beklatscht wurde - von einer magischen Verbindung zwischen John Butler und dem Publikum konnte indes nicht wirklich die Rede sein. Vielleicht sind seine Themen dafür auch eine Nummer zu groß, zu unpersönlich. Zum Beispiel "Gov Did Nothing", sein Song zum Thema Hurricane Katrina: John war zu dem Zeitpunkt in den USA und habe die ganze Sache mitverfolgt, berichtete er. Anstatt daraus aber eine persönlich nahe gehende Geschichte zu machen, schuf er eine ziemlich vorhersehbare musikalische Ohrwatsche in Form eines klassischen Protestsongs (allerdings auf Blues-Basis). Dass so etwas bejubelt wird, ist nachzuvollziehen - ob es allerdings wirklich berührt, darf bezweifelt werden. Da wünschte man sich dann doch mehr vom Schlage "Daniella" oder "Caroline" (wenngleich letztere eine Kunstfigur ist). Dennoch: Als die Sache vor den Zugaben (u.a. mit "Peaches & Cream", einer der wenigen älteren Nummern) mit einem weiteren neuen Stück "Good Excuse" zu Ende ging, gab es wohl kaum jemanden, dem diese Show nicht gefallen hätte - denn alleine das technische und songwriterische Können John Butlers sind schon sehr beeindruckend. Allerdings ist da - unter optimaleren Bedingungen - sicherlich auch noch mehr drin.

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Surfempfehlung:
www.johnbutlertrio.com
www.myspace.com/johnbutlertrio
www.mickhart.com.au
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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