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Katzenjammer-Blues

Lisa Germano
The Black Sheep

Köln, Kulturbunker Mülheim
26.04.2007

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Lisa Germano
Im Prinzip war Lisa Germano ihrer Zeit einfach immer ein wenig voraus. Hätte sie z.B. mit ihrer Solo Karriere zwei, drei Jahre später angefangen und wäre so in den Zeitgeist der 90er-Indie-Explosion geraten, und wäre sie konsequent am Ball geblieben, dann könnte sie heute mindestens die Größe von Cat Power haben. So aber dümpelt sie auf obskuren Kleinlabels herum, ist glücklich darüber, wenn ca. 30 zahlende Gäste den Weg zu einem der wenigen Deutschlandkonzerte finden und schleppt ihre eigenen Koffer durch die Gegend. An der musikalischen Qualität kann es nicht liegen. Als Lisa begann, für Acts wie John Cougar Mellencamp oder die Simple Minds Geige zu spielen, deutete noch nichts darauf hin, dass sie auch Ambitionen als Solo-Künsterin hatte. Doch spätestens seit ihrer selbst verlegten Solo-Scheibe "On The Way Down From The Moon Palace" von 1991 war klar, dass da mehr für Lisa drin war, als bloße Verzierungen für die Egos von Rockstars zu liefern. Ihren typischen Stil fand Lisa allerdings erst mit dem 94er Album "Geek The Girl", denn ihr offizielles Debüt, das noch ziemlich spröde "Happiness" machte eine unglückliche Pendeltour zwischen Major-Release und Indie-Re-Issue durch und wirkte noch unentschlossen.
Leider war sie damals (wie heute) ziemlich unsicher, was die eigenen Fähigkeiten betraf. Trotzdem veröffentlichte sie bis 1998 weiter CDs. Es bedurfte der Unterstützung von Fans, wie z.B. E von den Eels, der sie als Support-Act und Dirigentin des Eels Orchestra 2000 engagierte, um sie überhaupt einem größeren Publikum nahe zu bringen. Schließlich nahm sie sich eine Auszeit, bis 2003 bis das nächste Album, "Lullaby For Liquid Pig" erschien. Das neue Werk, "In The Maybe World", findet man schließlich nur noch, wenn man intensiv danach sucht. Es kann Lisa Germano also niemand absprechen, ihren Indie-Geist über die Jahre sorgsam kultiviert zu haben. Ergo wunderte es dann auch nicht, dass das Publikum offensichtlich großteils aus in Würde gealterten Kennern der Szene bestand.

Eine angenehme Überraschung stellte aber zunächst mal der Support-Act dar. The Black Sheep ist eine "All Girl-Alternative Rock-Band" aus Köln um die Schwestern Charlotte und Johanna Klauser. Im Prinzip sagt das alles Notwendige aus. Mit der gleichen Energie und Professionalität wie vergleichbare Acts wie den Donnas oder Sahara Hotnights stürzen sich die Mädels in eine Sammlung mehr als ordentlicher, selbst verfasster, harter Rocksongs. Anders als die o.a. Acts haben sich The Black Sheep aber nicht den Glam-Rock der 70er, sondern den harten Rock der 90er als Vorbild genommen und so kommen ihre Elaborate ziemlich hip und zeitgemäß rüber. Dabei haben die Damen das Rock-Ding intensiv studiert: Sie wissen nicht nur, wie man coole Songs schreibt, sondern diese auch ansprechend zu performen. Dazu gehören neben den technischen Fähigkeiten auch entsprechende Moves und Gesten, die sich auch auf Stadienbühnen nicht schlecht machen würden (besonders die Sache mit den fliegenden Haaren ist gar nicht mal an denselben herbeigezogen). Was aber das Wichtigste ist: The Black Sheep wissen mit ihren Songs nicht nur auf technischer Ebene zu überzeugen (wie viele ihrer Kollegen), sondern auch gefühlsmäßig - einfach deswegen, weil sie nicht mit ihrem Können kokettieren und sich einzig darauf verlassen, sondern stattdessen den Eindruck vermitteln, total begeistert von dem zu sein, was sie da tun.

Das gefiel nicht nur dem Publikum: "Ich mag die Support Band", meinte Lisa Germano z.B. einleitend, "die sind wirklich cool. Ich wünschte ich könnte auch so etwas machen." Das kann sie aber nicht - und das ist auch irgendwie gut so, denn Lisa Germano hat ganz andere Qualitäten. Ihr Vortrag funktioniert immer am Besten, wenn sie sich keine großen Gedanken über das Format machen muss. (So träumte bereits 1997 einmal davon, eine richtige Pop-Scheibe aufzunehmen - um dann 2003 schließlich feststellen zu müssen, dass das einfach nicht ihr Ding ist.) Im Wesentlichen bot Lisa bei dieser Show ein Medley aus verschiedenen Songs- und Songfragmenten ihrer über 25-jährigen Solo-Karriere mit Betonung der letzten beiden Alben. Medley übrigens deswegen, weil die einzelnen Stücke nahtlos ineinander übergingen. Unterstützt von ihrem langjährigen Partner, Bassist Sebastian Steinberg, den sie kennen lernte, als beide für Neil Finn spielten, und der auch auf ihren letzten beiden Scheiben spielte - setzte sie sich fast ausschließlich ans Piano und trug ihr Material - der jeweiligen momentanen Eingebung folgend - mit geschlossenen Augen vor. Zunächst gab es wohl den Plan, einige ältere Stücke auf der Gitarre zu spielen, um dann das neue Material am Piano vorzutragen. Doch kaum hatte sie sich die Gitarre gegriffen, überlegte sie es sich anders und setzte sich wieder ans Keyboard. "Das war denn das - jetzt spiele ich doch neue Songs", erklärte sie resolut. In dieser Art impulsiver Unberechenbarkeit ähnelt Lisa Germano durchaus Chan Marshall. Das war schon immer so. Auch wenn bei ersterer seltener Tränen fließen: Mit abgebrochenen Stücken und angespielten Fragmenten muss man bei einem Lisa Germano-Konzert immer rechnen.

Die Geige - einst ihr Brot-und-Butter-Instrument - verwendet Lisa heutzutage nur noch selten und bei Konzerten gar nicht. Und zwar weil sie das Ding einfach nicht mehr mag, wie sie uns 2003 beichtete. Nachdem Lisa zunächst einige ältere Stücke gespielt hatte - darunter auch "If I Think Of Love" von der OP8-Scheibe ("Das war Calexico, bevor es Calexico gab" erklärte sie), das sie auf "Slide" dann noch einmal veröffentlichte - gab es dann ein längeres Medley mit Material von "In The Maybe World". Übrigens ist diese Scheibe fast genauso sparsam und asketisch wie ein Lisa Germano-Konzert arrangiert, so dass sich der Höreindruck sehr gut im Live-Vortrag wieder fand. Das neue Album, so erklärte sie, handele vom Tod und wie man damit umgehen kann und sei in weiten Teilen von ihren Katzen inspiriert (ja sogar geschrieben). Dazu muss man wissen, dass Lisa Gemano ihre Katzen schon sehr ernst nimmt. Sie redet nicht nur mit ihnen und benennt Stücke nach ihnen, sondern sie hört auch auf deren Ratschläge und Empfehlungen - und zuweilen schnurren sie auch auf ihren Scheiben den einen oder anderen Rhythmus. So erklären sich dann auch Texte wie z.B. jener des Titelsongs, in dem es darum geht, dass Lisa von ihren Katzen tote Vögel kredenzt bekam. Nun ja. Schließlich griff sie dann doch zur Gitarre und trug einen Song, "Red Thread", ebenfalls vom neuen Album darauf vor (der die unsterbliche Zeile "Go To Hell - Fuck You" als Quasi-Refrain enthält) - nur um dann mit sich und der Gitarre zu hadern, die "total ungestimmt sei", wie sie ärgerlich feststellte und den folgenden Song, "It's Party Time" von "Pig", am Piano fortzusetzen - und versäbelte. Dann war das Konzert aber auch schon fast wieder zu Ende. Es folgte mit der Zugabe, "From A Shell" - ebenfalls von "Pig" - noch Lisas 9/11 Song, wie sie fast entschuldigend erklärte. Fazit: Nach längerer Zeit war dies wieder einmal die Gelegenheit, eine der interessantesten und faszinierendsten Außenseiterinnen des Indie-Musikzirkus live erleben zu können. Auch wenn Lisa Germano-Konzerte vom rein technischen Standpunkt grundsätzlich immer durch den TÜV fallen: Was die emotionale Wirkung ihrer traurig-zerbrechlichen, psychedelischen Elegien betrifft, macht ihr - immer noch - so schnell niemand etwas vor.

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Surfempfehlung:
www.lisagermano.com
de.wikipedia.org/wiki/Lisa_Germano
en.wikipedia.org/wiki/Lisa_Germano
www.theblacksheep.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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