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At The Dark End Of The Stage

Cat Power
Dexter Romweber Duo

Heidelberg, Karlstorbahnhof
04.05.2007

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Cat Power
Eine fast konspirative Veranstaltung stellte diese Cat Power-Show in Heidelberg dar. Es war dies nämlich das einzige Deutschlandkonzert auf Chan Marshalls Europa-Tour - wie üblich in einer der bevorzugten kleineren Hallen; allerdings an einem relativ ungewöhnlichen Ort, nämlich in Heidelberg, der Stadt, die für viele Amerikaner prägend für ihr Deutschland-Bild ist. So wunderte es dann auch nicht wirklich, dass ein Großteil des Publikums aus US-Studenten und -Touristen bestand. Das kam besonders Support Act Dexter Romweber zu Gute, der tatsächlich Leute aus seiner Heimat, Chapell Hill in Virginia, begrüßen konnte, mit denen er dann für die umstehenden unverständliche Witze über die lokalen "Teerfüße" machen konnte.
Romweber begann seine Karriere in den frühen 90ern z.B. als Support für die Cramps - und ist stilistisch bei dem Thema geblieben. Sein ungemein greifbarer Retro-Rock'n'Roll - mit den üblichen Sprengseln von Surf-Twang und Rockabilly - machte ihn immerhin zu einer Art Kultikone in Insiderkreisen, so dass Jack White ihn heutzutage als prägenden Einfluss anführt. Was das, was Dexter zusammen mit seiner Schwester Sara am Schlagzeug, dann abbrannte, musikalisch mit Cat Power zu tun haben sollte, blieb ebenso im Dunkel verborgen, wie das Meiste des - sagen wir mal abenteuerlich ausgeleuchteten - Auftrittes. Seiner Rolle als Anheizer machte Romweber allerdings alle Ehre. Was Energie und musikalisches Durchsetzungsvermögen betrifft - von den technischen Fähigkeiten mal ganz abgesehen -, so macht Romweber so schnell niemand etwas vor - auch wenn man dem Mann das aufgrund seines weitläufigen Körperbaus vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Der zweite ursprünglich angekündigte Support Act - Get Well Soon - fiel dann kommentarlos ganz aus.

Trotzdem war es schon deutlich nach 22 Uhr, als dann endlich die Bühne fertig war für den Auftritt von Cat Power und der Dirty Delta Blues Band. Nach dem Abschluss ihrer aus Kostengründen sehr sparsam angesetzten Big Band Tour im November letzten Jahres hatte Chan Marshall augenscheinlich gefallen an der Rolle der Frontfrau gefunden. Deswegen versammelte sie gleich im Anschluss eine All-Star-Band mit dem bezeichnenden Moniker Dirty Delta Blues Band um sich. Die DDBB besteht aus ihrem alten Kumpel Jim White (von The Dirty Three) am Schlagzeug, Jon Spencer-Gitarrist Judah Bauer, Keyboarder Gregg Foreman (The Delta '72) und Bassist Eric Papparozzi. Auf dem Papier liest sich das schon mal sehr eindrucksvoll - auch wenn man bereits erahnen konnte, dass das mit dem Blues nicht so ganz wörtlich zu nehmen sein dürfte. Chan Marshall trat an diesem Abend im Audrey Hepburn-Look - mit Pferdeschwanz und üppigem Makeup - vor das Publikum; was aber im Weiteren keine Rolle spielte, denn sehen konnte man sie eh nicht. Es ist ja heutzutage offensichtlich modern, die Künstler nicht mehr zu beleuchten und diese Zeitströmung wurde auch im Karlstorbahnhof berücksichtigt.

Hinzu kam noch erschwerend, dass Chan Marshalls Hassliebe mit dem Live-Spielen offensichtlich eine ganz neue - komplexe - Qualität erreicht hat. Auf der letzten Tour z.B. ließ sie sich nur von einem einzigen Scheinwerfer von hinten beleuchten und hier nun gar nicht mehr. Obendrein drückte sie sich großteils am sowieso unbeleuchteten Rande der Bühne herum, sang mit dem Rücken zum Publikum oder versteckte sich gar hinter dem Bühnenvorhang. Für die wenigen Momente, in denen sie sich mal in einen Lichtkegel bewegte oder in der Bühnenmitte aufhielt, war dann allerdings zu erkennen, dass sie die Sache mit der Croonerin nicht nur stimmlich drauf hat. Chan Marshall - und das wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen - funktioniert auch als "beste Soulsängerin an diesem Tage", wie sie Foreman ankündigte, einwandfrei - inklusive der notwendigen Gesten und Moves, die sie sich teilweise mit der Big Band angeeignet hatte. Musikalisch ist die Sache mit der Blues Band eine radikale Abkehr zum bisher geleisteten. Nicht nur, dass Chan hier gar keine Gitarre mehr spielt - es gibt auch keinen Indie-Rock mehr. Stilistisch bewegt sich die DDBB irgendwo im Niemandsland zwischen Blues, Soul, Jazz und Rock - wobei letzterer, wie gesagt, fast gar nicht stattfindet und - aufgrund von Foremans Hammond Orgel - dem Soul der breiteste Raum gewidmet wird. Was dazu führte, dass dieser Sound fast gar nichts mehr mit der "alten" Chan Marshall zu tun hatte. Nicht nur das: Jedes einzelne Stück war arrangementsmäßig von unten nach oben umgekrempelt und dann wieder neu zusammengesetzt worden. Chan betätigte sich dabei als menschliche Jukebox und trug - neben einiger Stücke des "The Greatest"-Albums - eine Sammlung eher ungewöhnlicher Cover-Versionen vor. Einige Stücke waren fast gar nicht, andere bestenfalls am Text zu erkennen ("New York, New York"). Dabei war ihr offensichtlich selber bewusst, wie weit sie sich da aus dem Fenster lehnte. "Ich bin mal gespannt, ob jemand den nächsten Track erkennt", meinte sie z.B., um dann eine Version des Gnarls Barkley Hits "Crazy" zu spielen, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte. Wurde das Stück auf der letzten Tour noch als straighte Disco-Nummer gegeben, so war es hier eine zerdehnte Soul-Nummer, bei der Chan den Refrain extrahiert und als Anticlimax wieder eingefügt hatte. So etwas macht sie ja gerne. Das beste Beispiel ist dafür sicherlich "Satisfaction". Das gabs hier auch - sogar mit dem Gitarrenriff, das allerdings von Foreman auf der Orgel vorgegeben wurde. Wieder fehlte der Refrain, dafür gabs mit "That's What I Say" einen neuen. Andere Tracks, wie z.B. Moby Grapes "Naked" wurde hier nach Bob Dylan-Art in seine Bestandteile zerlegt und nahezu unkenntlich durch die Blues-Mühle gezwirbelt.

Apropos Bob Dylan: Es gab auch neues Material. "Das ist für Bob Dylan", raunte sie von der Bühne herunter, als Judah Bauer gerade zu einem Solo des Tracks "Song 2 Bobby" ansetzte. Andere Cover-Versionen, bei denen sowohl Chan wie auch Judah Bauer zuweilen auf dem Spickzettel nachschauen mussten waren z.B. "Angelitos Negros" von Nina Pastori oder "I've Been Lovin You Too Long" von Otis Redding. Witzigerweise war eines der gelungensten Covers das als schleichende Ballade gegebene, und dem Abend entsprechend betitelte "At The Dark End Of The Street" von Percy Sledge. Daneben gab es, wie gesagt, die meisten Tracks von "The Greatest". Neben dem Titeltrack zumindest "Lived In Bars", "Could We", "Moon", "Living Proof", "Where Is My Love" und ein besonders beseeltes "Willie". Im Allgemeinen bekam diesen Tracks das Blues-Soul Treatment sehr gut, was wohl auch der Grund ist, dass es älteres Cat Power-Material gar nicht erst auf die Setlist schaffte (die übrigens kurz vor der Show noch einmal umgeschrieben wurde). Einmal abgesehen davon, dass diese Cat Power-Inkarnation die bislang "sicherste" zu sein scheint (einfach weil die straighte Band erst gar keine Unwägbarkeiten zulässt und Chan eher von der Band geleitet wurde als umgekehrt), war es auch die musikalisch bislang geradlinigste. Greg Foreman bildete mit seinem original 70s-Stones-Look den perfekten Gegenpart zu Chans introvertiertem "Showmanship", Jim White hat - ohne Quatsch - noch nie so straight und sortiert gespielt wie in jener Kombination und Judah Bauer funktionierte als perfekter, zurückhaltender Anker, der stilistisch alles im Griff hatte und nuanciert zu kommentieren wusste. Auch wenn Chan zum Schluss fast die Stimme versagte: Solch eine Show sähe man gerne auch mal in Tonträgerform. Vielleicht wäre hier ja mal die Gelegenheit für eine - ansonsten ziemlich undenkbare - Cat Power-Live-Scheibe?

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/catpower
www.catpowerthegreatest.com
www.myspace.com/dexterromweberduo
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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