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Augen zu und durch!

Blonde Redhead

Köln, Gebäude 9
28.06.2007

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Blonde Redhead
Eines der wenigen Italo-japanischen US-Trios ohne Bass gab sich - anlässlich der gerade laufenden Welttournee - die viel zu seltene Ehre eines Gastspieles auch in unseren Breiten. Dafür nahmen die Fans auch weitere Anfahrtswege in Kauf: Die erste Reihe im Publikum bestand praktisch ausschließlich aus unseren französischen Nachbarn. Bei denen stehen Kazu Makino und die Gebrüder Simone und Amedeo Pace offensichtlich hoch im Kurs. Vielleicht liegt das daran, dass typische Rock N Roll-Klischees und die Sprache bei Blonde Redhead keine besondere Rolle spielen. Dafür hat sich die Band aus New York - und dafür war dieses Konzert beredter Beleg - im Laufe der Jahre eine ganz eigene, selbstredend universelle, und mehr auf Sounddesign ausgerichtete Klangwelt geschaffen.
Merkwürdigerweise warfen einige Kritiker dem aktuellen Album "23" vor, dass dieses zu plüschig und orchestral geraten sei. Gerade das aber gehört mittlerweile zum Konzept von Blonde Redhead. Um die vielschichtigen Klangwolken zu erzeugen, aus denen ein durchschnittlicher BR-Track sich nun mal zusammensetzt, hatte Simone Pace ein ganzes Sammelsurium von Keyboards und Computern um sein Drumkit herum positioniert. Das ging sogar so weit, dass er sich selber verkabelte und noch ein elektronisches Drumpad ans Knie schnallte um all die Sequenzen, Samples und Beats triggern zu können, mittels derer er das ansonsten durch die beiden Gitarren und Kazus Piano bestimmte Klangbild während des Vortrages kunstvoll und organisch anreicherte. Besagtes Piano war übrigens an dieselbe Fuzzbox angeschlossen wie Kazus Gitarre, so dass die fließenden Glissandi, mittels derer sie besonders die balladesken Tracks untermalte, wahrlich intergalaktisch und psychedelisch aus den Boxen quollen. Aber man darf sich nichts vormachen: Auch wenn BR per se keine klassische Rockband sind und auch wenn der Gesang meist eher dekorativen Charakter hat: Zuweilen gab es doch ganz schönen Druck von der Bühne. Z.B. als gleich zu Beginn das von Amedeo Pace vorgetragene "Spring And Summer Fall" gegeben wurde und Kazu - mit dem Rücken zum Publikum - den auf der Scheibe vorhandenen Basslauf einfach durch mit Feedback getränkte Gitarrenakkorde ersetzte. Das Ergebnis war eine Art hypnotischer und - aufgrund der geschickt gestaffelten Akkordfolgen - auch immer ästhetisch schöner Wall Of Sound. Sowohl Amedeo wie auch Kazu redeten kein Wort mit dem Publikum, sondern sangen ihre Parts konzentriert mit geschlossenen Augen. Auch wenn das zuweilen ganz schön introspektiv rüberkam, war es nicht wirklich langweilig und schaffte auch keine wirkliche Distanz zum Publikum (es sah halt nur blöd aus). Denn zum Einen stehen BR nicht wie Shoegazer still und steif auf der Bühne herum und zum anderen ergab sich aus dem konzentrierten Zusammenspiel auch immer eine Art Sog, der der Publikum mit einbezog. Es gab sogar Passagen mit Improvisationscharakter, was sich dann ein wenig anhörte wie eine Art aufgeblasener, psychedelischer Dub. Und: "Led Zep" ist nicht nur ein BR-Songtitel von der 1998er CD "In An Expression Of The Inexpressible", sondern offenbar auch eine konkrete Inspirationsquelle - was auf den CDs ja nicht so sehr offensichtlich wird.
Das Interessante war dann der Umstand, mit wie wenig BR dabei im Prinzip auskamen. (Sogar auf Gitarrenständer hatte man verzichtet.) Wenn Kazu z.B. die Gitarre zur Seite legte und sich mit fliegenden Haaren im Takt wog, mussten ja praktisch die Paces die ganze Rhythmus- und Melodiearbeit leisten - mal abgesehen von ein paar Konserven-Hilfsmitteln wie z.B. den gesampelten Chören des Titeltracks "23". Ältere Tracks fügten sich dann nahtlos in das momentane Soundgefüge ein. Indes ist dann schon zu bemerken, dass BR gerade seit den letzten beiden Alben als Songwriter geradezu aufgeblüht sind. Gegen Ende des Konzertes verabschiedete sich Amedeo mit einem deutschen "Dankeschön" und Kazu mit einem angedeuteten Nicken und einem ebensolchen Lächeln. Nur: Da hatten BR gerade mal ein Stündchen auf der Bühne gestanden. Das ließ das Publikum natürlich nicht mit sich machen und so umfasste der Zugabenblock dann immerhin insgesamt fünf Stücke - darunter merkwürdigerweise das besonders attraktive, fast soulige "Silently", das im Hauptset doch vermisst wurde und als krönenden Abschluss - allen ernstes mit einer hingeflüsterten Ansage Kazus - "My Melody" vom Vorgängeralbum "Misery Is A Butterfly". Mit diesem Konzert belegten BR auf jeden Fall noch mal ihren Status als eine der momentan interessantesten Indie Bands überhaupt. Einfach auch deshalb, weil sie eben NICHT klingen wie irgendeine andere Band.

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Surfempfehlung:
www.blonde-redhead.com
www.4ad.com/blonderedhead/
www.myspace.com/blonderedhead
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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