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Konzert-Bericht
 
Teenage Prayers in the Church Of Steve

Hazel Motes
Teenage Prayers

Brooklyn, Magnetic Field
25.08.2007

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Hazel Motes
Um es kurz zu machen: Hazel Motes ist eine Figur der amerikanischen Southern-Gothik-Schriftstellerin Flannery O'Connor. Motes ist jemand, der die Schnauze voll hat von der Institution Kirche und deswegen seine eigene Gegenkirche gründet. Getragen von diesem Gedanken beschloss Steve Wynn sein neues "Hybrid-Gospel-Projekt" Hazel Motes zu nennen - und seine eigene Gegenkirche zu gründen. Die Teenage Prayers sind eine junge Band aus New York, die Wynn bereits seit einiger Zeit fördert und produziert. Neben den Teenage Prayers gehören noch Miracle 3-Drummerin Linda Pitmon und der langjährige Wynn-Kumpel, Keyboarder Steve Espinola zu Hazel Motes. Das Magnetic Field ist eine kleine Kneipe in Brooklyn - unweit des Ufers mit dem berühmten Ausblick auf die New Yorker Skyline - hat jedoch trotz des Namens nichts mit Stephin Merritt zu tun. Am 25. August 2007 gaben nun Hazel Motes ihr Debüt in besagtem Club.
Zunächst gab es einen kurzen Auftritt der Teenage Prayers. Diese versprachen vor dem Konzert der reizenden Bartenderin so laut zu spielen, dass es egal sei, welche Sorte Bier man nachher tränke. Dieses Versprechen lösten der charismatische Frontmann Tim Adams und seine Mannen spielend ein. Das allerdings nur deswegen, weil die kleine PA bis an ihre Grenzen ausgelastet wurde. Denn das Kennzeichen der Teenage Prayers ist nicht die Lautstärke, sondern die musikalische Disziplin. Adams gibt zu, dass die Prayers ihre umfangreichen Plattensammlungen plündern, wenn sie ihre Stücke zusammenschrauben. Und so lässt sich die eigenartige Melange, die die Prayers präsentieren, auch nicht ohne weiteres in eine Schublade stecken. Sie machen eine Mischung aus Art-Rock, Soul, Pop, Gospel und Rockmusik jedweder Couleur. Alles wird mit unbändiger Energie, extremer Intensität und als höchste musikalische Handwerkskunst dargeboten. Zwei Keyboarder und Sax-Spieler Adam Schatz sorgten dabei für eine gehörige Portion Memphis Groove.

Diese Schiene passt dann auch hervorragend zu dem Hazel Motes-Projekt: Dieses soll eine Spielwiese für Coverversionen sein - jedoch solche der besonderen Art. Hierzu schlüpfen Steve Wynn und Co. in recht spirituelle Charaktergewänder: Bischof Wynn, Schwester Linda, Reverend Tim Adams und ihre Apostel haben sich hierzu allerlei wunderliche Choräle aus der Epistel geklaubt. Neben Steves eigener Nummer "Gospel" (die nur auf der Extended Version des "Fluorescent"-Albums zu finden ist) gibt es nur thematisch inspiriertes Cover-Material: So mussten obskure Stücke von Reverend JM Gates, Sister Rosetta Tharpe, Mississippi Fred Dowell, Laverne Baker und den Clarke-Sisters sowie von den Fellow-Brethren Randy Newman und Bob Dylan ("God's Got It") herhalten. Das meint: Nicht, dass man da irgendetwas hätte wiedererkennen können. Das ist ja aber auch nicht die Botschaft. Die Botschaft ist die Predigt, das Beichten, das Bekennen, das Büßen und die Erlösung von den Sünden. Natürlich immer mit der Backe in der Zunge und dem Fuß auf dem Gaspedal. Da blieb kein Auge trocken. Auch nicht, als Steve Wynn die Gemeinde wie ein Fernsehprediger aufforderte, ihre Sünden zu bekennen und diese auch gleich live zu bereuen.

Das Ganze begann auch gleich mit einer Art Gebet im Shout & Response Verfahren - "Getting Reday For Christmas Day" von Rev JM Gates stimmte die Kongregation schon richtig auf das Folgende ein. Da gab es jede Menge "Amens" und "Praise The Lords" - aber merkwürdigerweise kaum "Hallelujas". Nun ja: Das war ja auch das erste Konzert dieses biblischen Ausmaßes. Der ebenfalls anwesende Miracle 3-Gitarrist Jason Victor - ein kosherer Jude immerhin - fand die Sache zwar mitreißend, aber auch "ein wenig zu weiß". Immerhin: Wäre das denn tatsächlich Gospel gewesen, hätten sich einige wohl durchaus bekehren lassen. Unter dem Strich blieb nämlich eine höchst amüsante, vielseitige Rock'n'Roll-Show übrig. Denn egal, welchen Talar sich Steve Wynn überstreifen mag: Wo Steve Wynn drauf steht, ist auch Steve Wynn drin. Wir dürfen also gespannt sein, wohin der Bischof seine Schäfchen im Folgenden führen mag. Wer da nun eine brennende Lunte riecht, der möge sich mal auf die MySpace-Seite von Hazel Motes verirren. Dort sind einige Videos des besagten Auftrittes zu bestaunen. Hallelujah!

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/hazelmotesband
www.myspace.com/theteenageprayers
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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