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Konzert-Bericht
 
Vive Le Pop!

Holden
Pascal Parisot/ Fredda

Köln, Stadtgarten
07.09.2007

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Holden
Das Debüt zur diesjährigen Le Pop-Tour fand wieder im ausverkauften Kölner Stadtgarten statt und bedeutete auch für alle beteiligten Künstler ein Debüt auf deutschem Boden. Pascal Parisot ist zwar auch in Frankreich als Chansonnier eher noch ein Neuzugang, jedoch hat er, wie der freundliche Conferencier erläuterte, bereits eine solide Karriere als Bar-Pianist hinter sich. Das erklärt wohl auch seine Vorliebe für eine altmodische Beatbox, die erstens auf seinen Scheiben meist den Takt vorgibt, und zweitens live als Band herhalten muss. Denn begleitet wurde Parisot nur von seiner Partnerin Fredda (Frédérique Dastrevigne), die kürzlich auch unter eigenem Namen debütierte - am Bass und gelegentlich auf ihrem Lieblingsinstrument, dem Banjo. Ansonsten klang das Unterfangen dann zuweilen wie ein Alleinunterhalter im Rotweinrausch.
Denn Parisot ist ein Verfechter der ursprünglichen Lehre - zumindest musikalisch. Textlich langt er schon mal ganz schön hin, bietet haarsträubend Komisches, schreibt auch schon mal Texte, die ihm nicht gefallen, um und ist auch ansonsten ziemlich locker drauf - z.B. indem er Vogelsamples integriert oder Fredda auf der Schreibmaschine oder Kindertröte Soli vortragen lässt. Musikalisch aber verfolgt er eher die Linie eines - sagen wir mal - Yves Montand. Immer schön ironisch allerdings und längst nicht so dramatisch oder aufgesetzt. Lustigerweise sieht er dabei auch noch so aus wie ein junger Montand. (Was er mitten in seinem Chanson "Extra" mit den einigen beiden Zeilen auf englisch - "I wish I was more special and I wish I was more beautiful" kommentierte.) Ansonsten macht er sich seine Gedanken über die Mädchen, Nofretete, die Vögel und in seinem Hit "Ça alors" im Duett mit Fredda über sich selbst. Wie gesagt - und das kann nicht genug betont werden - immer mit einer unernsten Note.

Das Konzert war nun ganz und gar eines des Maître selber. Erst gegen Ende desselben, nach einer solo vorgetragenen Nummer, durfte auch seine Muse ein paar Sachen ihres doch sehr viel poppigeren Albums "Toutes mes Aventures" vortragen. Fredda, so bemerkte der Conferencier nicht ganz unrichtig, ist dabei keine dieser typischen, verhuschten Chansonetten der neuen Generation, sondern sie hat eine durchaus kräftige, tragfähige Stimme. Außerdem kam bei ihren Tracks dann auch gleich mehr Leben ins Spiel. Schade also, dass es bei drei Stücken bleiben sollte. Was aber das ganze Konzert auszeichnete, war diese typisch französische Aggressionslosigkeit, in die man sich als Freund von Rockmusik-Konzerten erst mal eingrooven muss. Nicht, dass das eine Rolle spielte, denn das Publikum bestand, wie bei Veranstaltungen dieser Art üblich, aus Leuten, die dort hingehen, weil sie sich dem Franzosentum per se verpflichtet fühlen und nicht einer bestimmten Musikrichtung wegen.

Der zweite Act des Abends ist Frankreichs Antwort auf eigenständige Indie Bands. Holden sind ein Trio ohne Rhythmusgruppe um das Songwriterpaar Mocke und Armelie Pioline (wobei Armelie auch singt und die Frontfrau macht). Der Musikexpress behauptet, Holden seien besser als Air und der Conferencier meinte, aufgrund der Veröffentlichung des Holden-Debüts "Chevrotine" den Geschmack von Champagner wieder zu schätzen gelernt hätten. Beides schien dann doch etwas weit her geholt. Denn obwohl Holden durchaus eigene Ansätze verfolgen - z.B. mit einer eigentümlich bluesigen Jazz-Gitarre, zuweilen psychedelisch anmutenden Passagen und mit Klängen, die tatsächlich eher Indie oder dem Artrock zuzurechnen wären als dem Chanson, sind sie nicht eben Meister des Songwriting. Die Holden-Stücke klingen alle so, als müsse man als Zuhörer anschieben - nicht der fehlenden Rhythmusgruppe wegen, sondern weil es keine nachvollziehbaren Strukturen, geschweige denn Melodien gibt. Alles swingt stattdessen linear und spröde ohne erkennbare Höhepunkte dahin. Immerhin: Holden sind die etwas andere französische Band.

Wie bereits gewohnt, gab also auch das diesjährige Le Pop-Event wieder einen eigenwilligen, originellen und die Augen öffnenden Einblick in die momentane französische Gemengelage. Seien wir also gespannt, wie das diesjährige Francophonic-Festival die Sache abrunden wird.

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Surfempfehlung:
www.holden.fr
www.pascalparisot.com
www.myspace.com/freddastrevigne
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Pascal Parisot:
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Mehr über Fredda:
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