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Die Sterne von Köln

Stars
Gentleman Reg

Köln, Gebäude 9
27.09.2007

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Stars
"Es war keine Sekunde zu früh, aber jetzt ist es geschafft", freute sich Stars-Frontmann Torquil Campbell, "wir haben das Gebäude 9 ausverkauft!" Gerade so, als sei das die Krönung der Karriere des Sextetts aus Montreal. Nun, in gewisser Weise ist es das ja auch. Die Stars waren in Köln immer gut gelitten - und jedes Mal kamen mehr Leute, um sich die Konzerte der Kanadier anzuschauen. Und das ist es, so Torquil, wofür Musikanten wie die Stars leben.
Gentleman Reg aus Toronto ist auch so einer. Reginald Vermue, wie der fast albinoblonde Herr im richtigen Leben heißt, hat mit der Support-Tour für die Stars (und gleich anschließend für Kevin Drew / Broken Social Scene) das große Los gezogen - ist er doch so in der Lage, seine dramatisch / theatralischen Gitarrenpop-Songs einem größeren Publikum vorzustellen. Bislang war er bestenfalls Insidern und Filmfreunden ("Shortbus") bekannt. Zunächst einmal hatte er aber andere Probleme: "Mögt ihr meine Hosen?", fragte er ins Auditorium und verwies dabei auf seine kunterbunt karierten Tischdecken-Bäcker-Beinkleider. Wer Gentleman Regs Plattencover kennt, der weiß, dass der Mann modisch auf der Höhe ist. Das gilt auch für seine Musik: Bewaffnet mit einer Gitarre und einem Sampler, der teilweise vorproduzierte Gitarrenloops enthielt, gelang es ihm recht passabel, den Grundgedanken der Stücke seiner drei Alben vorzustellen. Diese sind auf Konserve, entsprechend Regs Glam-Ansprüchen mit allerlei Brimborium aufgemotzt, funktionieren aber auch als Grundgerüst recht passabel - wenngleich die Sache mit der Zeit dann doch etwas spröde wirkte, denn Reg hat zwar eine durchdringende Bowie-esque Stimme - legt allerdings mehr Wert auf die dramatische Geste, als z.B. auf Melodien. Dennoch: Das passte alles halbwegs als Einstimmung - es war nur ein wenig zu lang.

Das aber auch deshalb, weil eigentlich an diesem Abend alles zu lang gewesen wäre - und weil sich die Stars dann im Folgenden auch noch eine halbe, unnötige Stunde Zeit ließen, bevor sie die mit Blumen und Kerzen stimmungsvoll geschmückte Bühne betraten. Patrick Watson, seines Zeichens auch Montrealer, verriet uns neulich mal das Erfolgsgeheimnis der kanadischen Musik-Metropole: Es gibt dort eine sehr lebendige, sich befruchtende Szene, wobei alle Acts aus Montreal total unterschiedlich klingen. Die Stars können nun von sich behaupten, ein wenig wie alle diese Bands zusammen zu klingen. Was das Erfolgsgeheimnis der Truppe um Campbell und Amy Millan dabei nun eigentlich ausmacht, lässt sich gar nicht so genau auf den Punkt bringen. Weder Campbell noch Millan sind besonders gute Sänger. Was die instrumentalen Fähigkeiten der Stars betrifft, so sind diese bestenfalls in Ordnung - auch wenn sie sich bemühen, das Ganze mit Trompete und Querflöte abenteuerlich aufzuwerten. Was das Zusammenspiel betrifft, so gibt es beiden Stars immer wieder - sagen wir mal - spontane Eingebungen und der Sound ist auch nicht das, was man als perfekt bezeichnen würde (besonders im hinteren Teil des Gebäude 9 schepperte es doch arg und dort waren die musikalischen Defizite auch am stärksten zu bemerken). Warum also schaffen es die Stars dennoch immer wieder, grandiose Konzerte wie auch dieses auf die Beine zu stellen? Das liegt vermutlich schlicht daran, dass die Stars Performer mit Leib und Seele sind und den Gedanken, dass Pop Musik wie die ihre, größer als das Leben sein sollte, beherzigen und auf der Bühne ausleben. Das und der Umstand, dass sie für jede musikalische Aufgabe eine originelle Lösung parat haben.

Sei es nun, dass sie ihre Kompositionen dem Moment entsprechend aufbohren, dass sie aus Balladen Rocknummern machen und umgekehrt, dass sie gelegentlich vor selbstironischen Momenten (wie z.B. der Prog-Rock-Einlage "What I'm Tryin' To Say") nicht zurückschrecken, dass sie - anders als auf der seltsam keyboardlastigen neuen Scheibe "In The Bedroom, After The War" - auch mal den Rock rauslassen und auch eine gute Disko-Nummer, Punk ("Bitches In Tokyo") oder Polka erkennen, wenn sich diese anbietet. Was nun dieses neue Album betraf: Das wurde größtenteils im hinteren Teil der Show abgefeiert. Der epische Titeltrack war der letzte Song des offiziellen Sets (angereichert mit einigen Soundproblemen, die aber überspielt wurden) und "The Night Starts Here" sowie das von Amy solo vorgetragene "My Favorite Book" - zwei ausgesprochen starke Tracks - wanderten sogar in den Zugabenblock. Warum das so war und stattdessen am Anfang ältere Stücke wie "Elevator Love Song" von "Heart" oder "Set Yourself On Fire" gegeben wurde, hatte vermutlich eher dramaturgische Gründe. So richtig Werbung für das Album mussten die Stars auf dieser Tour schließlich nicht mehr machen. Letztlich war das aber auch egal, da alles mit vollem Einsatz vorgetragen wurde. Dabei war die große Geste letztlich wichtiger als der richtige Ton (bei "Book" z.B. sang Amy ganz schön an der Melodielinie vorbei - wobei indes anzurechnen wäre, dass sie sich quasi vor die Monitore stellte) oder musikalische Finessen. Wie gesagt: Die Stars sind Vollblut-Performer und eine Vollblut-Performance muss leben. "Wir sind die Stars aus Montreal und ihr seid die Stars aus Köln", verabschiedete sich Torquil schließlich vom Publikum und kündigte an, bald zurückkehren zu wollen. Das sollte dann besser in einer größeren Halle sein, oder - wie Amy vorschlug - am besten gleich an zwei Abenden im Gebäude 9 stattfinden. Die Frage ist nur, wohin die Reise gehen soll. Bei den Sternen sind die Stars ja schon und sehr viel besser kann man das, was sie tun, eigentlich kaum machen. Da dürfen wir also mal gespannt sein und annehmen, dass sie wieder mit einer originellen Lösung aufwarten werden.

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Surfempfehlung:
www.arts-crafts.ca/stars
www.myspace.com/stars
www.gentlemanreg.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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