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Dancer In The Dark

Jonathan Richman

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
28.09.2007

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Jonathan Richman
Allzu oft ist Jonathan Richman auch nicht in Holland unterwegs. Insofern machte es Sinn, dass der Chef seines holländischen Labels den quirligen Songwriter dem interessierten Publikum noch ein Mal auf ganz persönliche Art näher brachte. Dabei schaffte er es, zu vermitteln, was eigentlich die Faszination Richmans ausmacht. Denn auf den ersten Blick betrachtet, macht Richman ja nichts Besonderes - und das seit Jahren immer auf die gleiche Weise: Simple Songs zur Gitarre vortragen, Geschichten erzählen (manchmal beides zur gleichen Zeit) und ansonsten ganz auf die Kunstfertigkeiten von Drummer und Sidekick Tommy Larkin als Bandersatz vertrauen. Was aber letztlich jedes Richman-Konzert interessant macht, ist die Ungewissheit dessen, was einen - je nach Stimmungslage - erwartet.
Schließlich weiß das Richman vorher selber auch nicht. Denn (und das machte der Ansager deutlich) Richman hat sich, unbeeindruckt von Trends und Moden, über die Jahre eine kindliche Unbekümmertheit bewahrt und betrachtet die Welt immer noch mit staunenden Augen und eben ohne großartigen Masterplan. Das wurde auch wieder an diesem Abend deutlich. Ohne Punkt und Komma und aufmerksam beobachtet von einem hochkonzentrierten Tommy Larkin (dieses Mal wieder an einem "richtigen" Drumset), arbeitete sich Richman - im klassischen Seemanskostüm - durch sein Ouevre und wirkte dabei so gelöst wie schon lange nicht mehr. Da er sich in Holland befand, konnte er es sich natürlich nicht verkneifen, über den Mittelsmann Van Gogh seine Sicht der Malerei per se zu erklären. Dabei erzählte er von einem Museumsbesuch, erklärte, welche Wirkung die Farben Van Goghs auf ihn hätten, fand auch lobende Worte zu Rembrandt und einen improvisierten Reim auf Vermeer und letztlich auch zurück zum Song, dem er später auch seine Hommage an Picasso folgen ließ. Den Tanz in der Lesbian Disco führte er natürlich auch wieder selber auf - heuer bewaffnet mit einem Schellenbaum, mit dem er Larkin aus dem Halbdunkel neben dem mit einem Kandelaber geschmückten Piano mit kecken Hüftschwüngen zu Höchstleistungen antrieb und natürlich gab es auch wieder seine multilinguale Darstellung seines typischen Boy-Girl-Dramas "Give Paris One More Chance".
Holländisch ist ja eine der wenigen Sprachen, derer Jonathan nicht habhaft ist, ansonsten tobte er sich aber auf Spanisch, Italienisch und Französisch aus - ganz so, wie wir es von ihm gewohnt sind. Den im Vorfeld ausführlich belobigten "Egyptian Reggae" deutete Richman zwar nur an, dennoch gab es genügend "Hits", um auch die Fans zufrieden zu stellen. Zum Beispiel "Springtime In Yew York", zu dem Jonathan die herzzerreißenden Geschichten seiner ersten Lieben erzählte. Rein musikalisch gab es den gewohnten Freestyle, bei dem Jonathans spanische Flamenco-Seele sich immer mehr Bahn bricht - zumindest, was die Posen betrifft. Dass der Meister momentan gerade keine neue Scheibe am Start hat, störte nicht weiter - es hätte sowieso kaum einen Unterschied ausgemacht. Ungewöhnlich war dann zum Schluss, dass Jonathan nicht nur umgehend zur Zugabe zurückkehrte (bei der letzten Tour hatte es schlicht keine gegeben), sondern von sich aus anbot, nach "Her Mystery Not Of High Heels And Eyeshadow" am besten noch ein letztes Stück zu spielen. Dafür musste sogar Tommy Larkin, der so etwas ja auch nicht gewohnt ist und sich schon zur Ruhe begeben hatte, erst wieder gesucht werden. "Als ich gestern in Amsterdam war, haben mir die Leute gesagt, dass das Konzert zu kurz gewesen sei", erklärte Jonathan derweil entschuldigend, "das kann ich ja nicht beurteilen, da ich mir meine Konzerte grundsätzlich nicht anschaue - ich wollte nur sicherstellen, dass die Show heute nicht zu kurz wird." Das war sie nicht, Jonathan!

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Surfempfehlung:
www.sjrp.org
en.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Richman
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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