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Konzert-Bericht
 
Lieder für das Wasser

Feist
Bob Wiseman

Köln, E-Werk
05.10.2007

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Feist
Kanadier halten zusammen. Das ist nicht nur - aber in besonderem Maße - auch bei Leslie Feist zu beobachten. Nicht nur, dass sie stets Stücke kanadischer Songwriter im Repertoire hat und hatte - auch die direkte Unterstützung von Kollegen darf nicht zu kurz kommen. So singt Feist nach wie vor bei Broken Social Scene und auf die aktuelle Tour nahm sie ihren Landsmann, Bob Wiseman, mit. Wiseman ist ein Songwriter und Filmemacher, wie sich unschwer feststellen ließ: Neben dem Mikro stand eine Leinwand, auf der er das elektronische Äquivalent seiner selbst fabrizierten Super-Acht-Stumm- und Nonsense-Filmchen projizierte - und diese dabei live mit Akkordeon und Gitarre orchestrierte.
Wiseman arbeitet in Kanada für das Theater - hat aber u.a. auch Ron Sexsmith produziert, den Leslie ja sehr verehrt. Insofern passte das alles ganz gut zusammen. Zumindest konzeptionell. Denn als Songwriter machte der Komiker Wiseman nicht so viel her. Sicher: Seine Filme, die er eigens mit haarsträubend radegebrochenen deutschen Zwischentiteln versehen hatte, waren recht witzig - aber nur für die Leute in den ersten Reihen und dann auch nur für etwa zehn Minuten. Im stillen Kämmerlein mag das genau das Richtige sein für einen lauen Winterabend - im ausverkauften E-Werk war es eher anstrengend. Zumal auch seine "richtigen" Songs eher auf verdrehte Wortakrobatik ("Fluke Of Earl") denn auf grundlegende songwriterische Tugenden setzten.

Feist und ihre vierköpfige Band ließen sich dann recht viel Zeit, bevor sie die - meist eher spärlich beleuchtete - Bühne betraten. Seit ihrem letzten Besuch ist Feist ja quasi mit ihrem Album "The Reminder" zum Star geworden. Nicht nur, aber auch, weil ihre Songs jetzt sogar Werbespots untermalen. Das spiegelte sich auch in der selbstbewussten und mit großen Gesten gespickten Bühnenpräsentation wider. War der Besuch eines Feist-Konzertes auf der letzten Tour noch so etwas wie ein Besuch im Spielzeug-Wunderland, so setzte Feist dieses Mal - logischerweise - auf solide, laute Instrumente als etwa auf Kürbisse oder Rasseln. Dennoch war das Unternehmen für einen Einsatz in dieser Größenordnung bemerkenswert "unrockmäßig" ausgerichtet. Sicher, Leslie hat mittlerweile einige Up-Tempo-Nummern vom Stile der aktuellen Single "1234" im Gepäck - es sind allerdings nach wie vor die eher eigenartig sortierten, jazzigen, halbpsychedelischen Balladen, die die Faszination eines Feist-Konzertes ausmachen. Irgendwie scheint sie sich stets selbst neu zu definieren. Sicher, einige Tracks wie "Gatekeeper" oder "My Moon My Man" kommen ungefähr so rüber, wie man das anhand der Scheiben auch hätte erwarten können. Das Gros der Titel muss man indes auch als Zuhörer jedes Mal neu entdecken. Dabei half sicherlich die ungewöhnliche Besetzung mit Trompete, Flügelhorn, Banjo, Querflöte, Glockenspiel und Sampler. Die meisten der Songs hatten mit der Originalversion nicht viel zu tun. Seien es Feists eigene Elaborate, wie die Cover-Versionen. "Wenn ihr das nächste Stück erkennt, dürft ihr eure Feuerzeuge anzünden", meinte Feist schmunzelnd, als sie eine unglaublich verlangsamte Version des Bee Gees-Hits "Inside & Out" anstimmte - als Blues mit vierstimmigem Herrenchor und wirklich nur am Text zu erkennen. Beim Sexsmith-Song "Gatekeeper" gesellte sich ein Flötensolo hinzu, bei "Daybreaking", für das sich Feist ans Piano setzte, gesellte sich ein Banjo hinzu und bei einer Vielzahl der Tracks waren es Trompete oder Flügelhorn, die Akzente setzte. Auch wenn sie selber sagt, dass sie mit dem Jazz gar nicht so viel am Hut habe: Jazzig hörte sich das allemal an. Und natürlich durfte auch die Gospel-Nummer "Shine A Light" nicht fehlen, bei der das Publikum dann den Takt vorgab.

Und dann gab es - wie gesagt - noch die Referenzen an ihre kanadische Heimat. Neben Ron Sexsmith wurden Broken Social Scene und Kollegin Sarah Harmer gewürdigt, deren Song "Open Window" Leslie so einem größeren Publikum verdientermaßen bekannt machte. Was gab es noch? Nun, die allgemein von kanadischen Bands bekannte Unkenntnis der europäischen Topographie bei gleichzeitiger Überheblichkeit die eigene betreffend ("Gibt es Wasser in der Nähe von Köln? Wie, ihr wisst nicht, wo Vancouver liegt?!?"), gleich mehrere Stücke zum Thema "Wasser" (Feist ist ohne Wasser aufgewachsen - deswegen auch die o.a. Frage) und noch ein Gastauftritt von Bob Wiseman zur Verstärkung des Gospelchores. Alles in allem bot Feist auf dieser Tour eine beeindruckende Version ihrer selbst - wobei der Charme und die Unschuld der Anfangstage einer eher intelligenten, cleveren Profi-Alternative weichen musste. Rein technisch gesehen gab es nicht viel auszusetzen - mal abgesehen davon, dass Leslie wirklich keine gute Gitarristin, dafür aber eine beeindruckend varianten- und ideenreiche Sängerin ist. Und der Sound war nicht laut genug für eine Halle von der Größe des E-Werks - was dazu führte, dass die Bereitschaft der heutigen Konzertbesucher, für eine gemütliche, lautstarke Unterhaltung mit Freunden zu überteuertem Bier (2,70 Euro) und angenehmer Background Musik von einer Live Band viel Geld auszugeben, wieder einmal trefflich gefördert wurde...

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Surfempfehlung:
www.listentofeist.com
www.feist-music.de
de.wikipedia.org/wiki/Leslie_Feist
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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